Darum gehts
- Der 15-jährige Paco von Wyss aus Lyss BE bewarb sich spontan für die Hauptrolle
- Die Geschichte des berühmten Lawinenhundes Barry spielt im 19. Jahrhundert
- Paco von Wyss hätte selber auch gerne einen Hund, am liebsten einen Bernhardiner
Paco von Wyss (15) ist zurzeit omnipräsent. Mit leicht zerzausten Haaren und einem verschmitzten Lächeln beisst er auf den Plakaten eines Grossverteilers schweizweit in einen Apfel – Werbung für den am 14. Januar in den Kinos angelaufenen Film «Mein Freund Barry». Und im Fernsehen läuft regelmässig der Trailer dazu.
Von Wyss spielt in der auf wahren Begebenheiten aus dem 19. Jahrhundert basierenden Geschichte die Hauptrolle des kleinen Georg, der mit seinem älteren Bruder auf der Suche nach einer besseren Zukunft nach Italien will, aber in der Nähe des Hospizes auf dem Grossen Sankt Bernhard VS vor Erschöpfung zusammenbricht.
Die dortigen Mönche pflegen ihn wieder gesund, und Georg rettet einen Bernhardiner-Welpen vor dem Tod, der als Lawinenhund weltberühmt wird.
Ein Naturtalent
Von Wyss lebt mit seinen Eltern und seinen zwei Schwestern in Lyss BE. «Es ist noch ein komisches und ungewohntes Gefühl, mein Gesicht überall zu sehen, und ich muss mich täglich wieder daran gewöhnen», sagt er gegenüber Blick.
Angesichts seiner Leistung im Film höchst erstaunlich: Der Neuntklässler hat keinerlei Film- oder TV-Erfahrung. Auch in seiner Verwandtschaft fehlt es an künstlerischen Vorbildern. Seine einzige Showerfahrung ist das Engagement als Michael Banks in «Mary Poppins» an den Thunerseespielen 2024.
«Meine Eltern entdeckten den Castingaufruf, und ich habe mich beworben, obschon ich kaum Ahnung hatte, was ein Musical ist.»
Ähnlich unbekümmert ging er bei «Mein Freund Barry» vor. «Ich habe mir gesagt, das Schlimmste, was passieren kann, ist, wenn sie dich nicht nehmen. Doch sie haben mich genommen.»
Seine einzige «Visitenkarte» war ein neunzigsekündiges Vorstellungsvideo, das er mithilfe seines Vaters aufnahm, offensichtlich mit überzeugendem Inhalt.
Grosse Startnervosität
Neun Wochen war er für die Dreharbeiten in den Alpen und in einem Kölner Studio unterwegs. Die Schulleitung sei ihm dabei sehr entgegengekommen. Und er sagt: «Meine Klassenkollegen haben sich sehr für mich gefreut und wollen nun alle den Film sehen.»
Anfangs sei er als Film-Anfänger sehr nervös gewesen. «Was mir half, war das Wissen, dass ich mehrere Versuche gehabt hätte.»
Und er schwärmt auch von seinen älteren und ungleich bekannteren Schauspielkollegen Ulrich Tukur (68), Max Hubacher (32) und Carlos Leal (56), die «mir sehr geholfen haben. Auch die Crew hat mich voll unterstützt».
Für den richtigen Umgang mit den Bernhardinern stand eine Tiertrainerin im Einsatz. Paco von Wyss hat sich schon oft einen Hund als Haustier gewünscht. «Am liebsten einen Bernhardiner. Aber meine Eltern waren bisher dagegen, weil sie fanden, ich hätte auch im Hinblick auf meine Hobbys gar nicht genug Zeit, mich richtig um ihn zu kümmern. Wohl nicht ganz zu Unrecht», zeigt sich von Wyss einsichtig.
Er spielt Klavier und Saxofon, klettert und spielt auch Curling. «Ich mag den Winter definitiv lieber, das kam mir beim Film entgegen.»
«Mein Freund Barry» hat schöne Folgen über die Kinolaufzeit hinaus. «Die Dreharbeiten haben gerade uns Kinderdarsteller einander nähergebracht, und es sind Freundschaften entstanden, die hoffentlich noch lange halten», sagt von Wyss.
Besonders gut versteht er sich mit dem Berner Mael Gallati (14), der im Film den ihm feindlich gesinnten Novizen Célestin spielt. Die beiden treffen sich regelmässig. «Wir sprechen dann auch darüber, was wir noch besser hätten machen können. Aber grundsätzlich bin ich schon zufrieden mit meiner Leistung.»
Die Zukunft von Paco von Wyss
Dies darf von Wyss ohne Zweifel sein. Und langsam konkretisieren sich auch seine Zukunftspläne. Nach dem Thun-Musical und dem Filmdebüt hat er endgültig Feuer für die Show-Welt gefangen und will nach der obligatorischen Schulzeit eine Musicalausbildung in Deutschland beginnen.
«Mein Freund Barry» von Markus Welter läuft seit 14. Januar in den Kinos.