Darum gehts
- Jürgen Habermas starb am Samstag mit 96 Jahren in Starnberg
- Er prägte mit der «Theorie des kommunikativen Handelns» philosophische Debatten
- Sein Hauptwerk von 1981 gilt als Meilenstein der Philosophie
Der deutsche Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas (1929-2026) ist tot. Wie der Suhrkamp Verlag bestätigt, starb er am Samstag im Alter von 96 Jahren in Starnberg.
Habermas, ein führender Denker der «Kritischen Theorie» und Vertreter der «Frankfurter Schule», prägte über Jahrzehnte intellektuelle Debatten. Sein Hauptwerk «Theorie des kommunikativen Handelns» von 1981 gilt als Meilenstein der Philosophie.
«Das Ja braucht das Nein, um gegen das Nein bestehen zu können», gehört zu seinen bekanntesten Zitaten. Habermas war nicht nur Theoretiker, sondern auch eine moralische Instanz der Bundesrepublik. Im Historikerstreit setzte er sich entschieden dafür ein, dass Deutschland seine Verantwortung für die NS-Verbrechen anerkennt.
Ebenso kämpfte er in den europäischen Debatten für ein demokratisches Projekt, das über nationale Grenzen hinausging. Er verband Theorie und Praxis mit einer seltenen Konsequenz – seine Ideen sollten bereits in der Gegenwart wirken, nicht erst in ferner Zukunft.
Berühmtestes Werk kam 1981
Habermas’ akademische Laufbahn begann in den 1950er-Jahren am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main. 1961 habilitierte er sich in Marburg mit dem Werk «Strukturwandel der Öffentlichkeit». Spätere Stationen führten ihn an die Universität Heidelberg und das Max-Planck-Institut in München. Sein Hauptwerk, die «Theorie des kommunikativen Handelns», erschien im Jahr 1981.
Bis zu seiner Emeritierung 1994 lehrte der streitbare Sozialdemokrat erneut in Frankfurt. Auch im hohen Alter blieb Habermas eine prägende Stimme. Vom Starnberger See aus meldete er sich zu politischen und gesellschaftlichen Themen zu Wort – sei es der Kosovokrieg, die Hirnforschung oder Religionskonflikte. Mit seinem Tod verliert Deutschland seinen wohl einflussreichsten Denker der Nachkriegszeit.