Kronprinzenpaar besucht Marius Borg Høiby im Gefängnis
Von Saskia Schär, People-Redaktorin
Nächste Woche wird der Prozess gegen Marius Borg Høiby in Oslo fortgesetzt. Er verbringt die Zeit bis dahin im Gefängnis, da er nur wenige Tage vor Prozessbeginn am 4. Februar erneut festgenommen und bis am 2. März in Untersuchungshaft gesteckt wurde. Der Grund: Er soll eines seiner mutmasslichen Opfer – die sogenannte «Frogner-Frau» – mit einem Messer bedroht haben.
In eben dem Gefängnis soll es am Donnerstagabend zu einer royalen Premiere gekommen sein, auf die die Norweger wohl gerne verzichtet hätten: Zum ersten Mal sollen Mitglieder der königlichen Familie aus privaten Gründen ein Gefängnis betreten haben. Wie die norwegische Zeitung «Se og Hør» berichtet, seien Kronprinzessin Mette-Marit (52) und ihr Gatte Kronprinz Haakon (52) dabei beobachtet worden, wie sie mit einem dunklen BMW durch das Tor des Osloer Gefängnisses gefahren seinen. Den Rückweg hätten sie nach gut einer Stunde wieder angetreten.
Vierter Prozesstag beendet
Der Richter erklärte die Verhandlung um 15.28 Uhr für beendet. Die Verhandlung geht am Dienstag, den 10. Februar weiter. Høiby bleibt währenddessen in U-Haft.
Zweiter Ex-Freund sagt aus
Als nächster und letzter Zeuge des Tages sagt ein weiterer Ex-Freund der «Skaugum-Frau» als Zeuge aus. über seine Beziehung zum Angeklagten sagt er: «Ich kenne ihn, habe aber die letzten Jahre nicht mit ihm gesprochen.» Høibys Anwalt befragt ihn, ob er «von einer romantischen oder sexuellen Beziehung» zwischen Høiby und der Geschädigten wisse. Der Zeuge habe davon gehört, aber nichts gesehen. Dann wird ein Chatverlauf zwischen dem ihm und Høiby eingeblendet. In diesem warnte der Ex-Freund den Angeklagten, sich von ihr fernzuhalten.
Journalistin wird des Gerichtssaals verwiesen
Richter Jon Sverdrup Efjestad hat eine Journalistin des Saales verwiesen, weil sie sich nicht an eine Auflage gehalten hat. Sie war für die norwegische Tageszeitung «Dagbladet» da und musste das Gericht umgehend verlassen. Grund für den Verweis war ein gebrochenes Fotoverbot. Der Presse ist es strengstens untersagt, während der Verhandlung Fotos oder Videos aufzunehmen.
Mette-Marit entschuldigt sich nochmals wegen Epstein-Verbindung
Während sich Marius Borg Høiby vor Gericht verantworten muss, hat sich seine Mutter, die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit (52), erneut zu ihrer Verbindung zu Jeffrey Epstein geäussert. Am 30. Januar wurde durch die neu veröffentlichten Epstein-Dokumente bekannt, dass sie über Jahre Kontakt pflegten. Kurz beteuerte Mette-Marit in einem Statement, wie «peinlich» ihr die Situation sei.
Jetzt folgte ein weiteres Statement des norwegischen Hofes: «Wir verstehen die starken Reaktionen in der Bevölkerung auf alles, was in den letzten Tagen bekannt wurde. Die Kronprinzessin nimmt von Epsteins Übergriffen und kriminellen Handlungen grossen Abstand. Sie ist sehr betrübt, dass sie nicht früh genug erkannt hat, welcher Mensch er war. Die Kronprinzessin hat den Wunsch, über alles Geschehene zu berichten und ausführlicher zu erklären. Das schafft sie nicht im Moment. Die Kronprinzessin ist in einer sehr herausfordernden Lage. Sie hofft auf Verständnis dafür, dass sie erst zur Ruhe kommen muss.» Mette-Marit leidet an Lungenfibrose und hat eine Lungentransplantation vor sich.
Dann ein Statement, dass direkt von Mette-Marit stammt: «Ich möchte mein tiefstes Bedauern dafür ausdrücken, dass ich mit Epstein befreundet war. Es ist mir wichtig, mich bei allen zu entschuldigen, die ich enttäuscht habe. Einige der Inhalte der Nachrichten zwischen Epstein und mir spiegeln nicht die Person wider, die ich sein möchte. Ich entschuldige mich auch für die Situation, in die ich die königliche Familie gebracht habe, insbesondere beim König und bei der Königin.»
Der Kontakt zwischen Mette-Marit und Epstein bestand, den Dokumenten zufolge, vor allem 2011 und 2012, also Jahre nachdem Epstein 2008 nach seiner Verurteilung als Sexualstraftäter eine Haft absitzen musste.
Der Ex-Freund der Geschädigten sagt aus
Als nächstes betritt ein Ex-Partner der «Skaugum-Frau» den Zeugenstand. Er berichtet, dass er vom intimen Umgang zwischen seiner Ex-Partnerin und Høiby wusste: «Sie hat mir erzählt, dass sie auf der Absackerparty auf Skaugum war, auch dass sie Marius mal geküsst und mit ihm geschlafen hat.» Allerdings wisse er nicht, ob es mehr als ein Mal passierte.
Auf Nachfrage von Høibys Verteidigung sagt er, dass seine Ex-Freundin ihn angeklagt habe: «Sie behauptete, ich hätte Bilder von ihr verbreitet. Der Fall wurde dreimal aufgerollt und wieder eingestellt, meine gesamten digitalen Geräte wurden dafür konfisziert.»
Der Schlafexperte im Zeugenstand
Nach der Mittagspause wurde ein medizinischer Experte für Schlaf wiederholt in den Zeugenstand gerufen, um individuell Stellung zu dem mutmasslichen Opfer (der «Skaugum-Frau») und seinem Zustand zu beziehen. Der Experte soll erklären, ob und wie es möglich ist, aufgrund von Trunkenheit nicht in der Lage zu sein, sich zu widersetzen.
Der Experte sagt aus, dass «die Aussage der Geschädigten mit den unterschiedlichen Schlafphasen und dem, was auf den Videos zu sehen, vereinbar ist.» Ausserdem sagte er: «Die Forschung zeigt, dass Menschen im Schlaf sexuellem Missbrauch ausgesetzt sein können, ohne davon aufzuwachen.» Man brauche ausserdem stärkere Stimuli um aufzuwachsen, wenn vor dem Schlaf Alkohol konsumiert wurde.
In Bezug auf die Taxibestellung urteilt er: «Es ist durchaus möglich, dass die Geschädigte allein oder mithilfe des Angeklagten am 20.12.2018 um 7.23 Uhr ein Taxi bestellt haben kann.» Zwischen der Bestellung des Taxis und der Aufnahme des letzten Videos sollen fünf Minuten vergangen sein.
Opfer sagt aus
Von Laszlo Schneider, Teamlead People-Desk
Anschliessend sagte eine Freundin der Frau aus, die 2018 auf dem Skaugum-Anwesen gewesen war. Sie selbst kennt Marius nicht persönlich, erklärte jedoch, ihre Freundin habe damals positiv über ihn gesprochen. Erst vor Kurzem habe sie erfahren, was in jener Nacht mutmasslich geschehen sei – ausgelöst durch Videoaufnahmen, die zeigen sollen, dass die Frau während des Vorfalls bewusstlos war.
Als die Geschädigte die Aufnahmen von der Polizei erhielt, habe sie schockiert reagiert. «Ich sehe aus wie tot», habe sie ihr gesagt, berichtete die Zeugin vor Gericht.
Seither hätten die beiden intensiv über das Geschehen gesprochen. Der Vorfall habe tiefe Spuren hinterlassen. «Es kommen schnell Tränen, wenn wir darüber reden», sagte die Zeugin. Trotz allem hoffe sie, dass Marius die Hilfe erhalte, die er brauche.
Der nächste Prozesstag hat begonnen
Von Laszlo Schneider, Teamlead People-Desk
Am Freitag wird vor Gericht erneut über eine mutmassliche Vergewaltigung auf dem Skaugum-Anwesen verhandelt. Der Fall reicht zurück ins Jahr 2018 – und dreht sich vor allem um eine zentrale Frage: War das mutmassliche Opfer in jener Nacht bei Bewusstsein oder nicht?
Die Aussagen gehen diametral auseinander. Die Frau sagt, sie habe geschlafen und sei deshalb nicht in der Lage gewesen, sich gegen den heute 29-jährigen Marius zu wehren. Er hingegen bestreitet das und hält fest, sie sei wach gewesen.
Genau dieser Punkt dürfte im Prozess entscheidend werden.Entsprechend wird am Freitag ein Schlafexperte erwartet. Zusätzlich sollen mehrere Gäste aussagen, die an der Party auf dem Anwesen von Kronprinz Haakon teilgenommen hatten.
Halbschwester Ingrid Alexandra bezieht Stellung
Von Laszlo Schneider, Teamlead People-Desk
Der Prozess gegen Marius Borg Høiby zieht Fäden – bis weit ins norwegische Königshaus. Vor allem dessen Mutter, Kronprinzessin Mette-Marit, steht im Fokus der Medien. In ihrem Podcast «RoyalTea» sprechen Flavia Schlittler und René Haenig über die Verhältnisse im Königshaus.
Mittlerweile hat sich Borg Høibys Halbschwester, Prinzessin Ingrid Alexandra, zu Wort gemeldet – vor allem zur Berichterstattung über ihre Familie. Auf ihrem privaten Instagram-Account verschaffte sie ihrem Frust Luft. Und erklärte: «Ich bin am Verzweifeln!»