Fast alles ist erlaubt: So kann man mit Onlyfans Geld verdienen(01:28)

Manipulative Methoden
Wie Onlyfans-Ghostwriter Männer abzocken

Die Erotik-Plattform Onlyfans wirbt mit «authentischen Verbindungen». Doch wie glaubwürdig ist dieses Versprechen? Ein TV-Bericht enthüllt dubiose Praktiken.
Publiziert: 16.01.2024 um 20:46 Uhr
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Die Erotik-Plattform Onlyfans wirbt mit «authentischen Verbindungen». Was ist dran an dem Versprechen?

Im Internet sollte man stets auf der Hut sein. Immer wieder versuchen Cyberkriminelle oder fragwürdige, selbsternannte Coaches, einem das Geld aus der Tasche zu ziehen. Auch auf der Erotik-Plattform Onlyfans ist nicht immer alles, wie es scheint. Das legt ein SRF-Bericht jetzt offen. Ghostwriter nutzen dabei das Erfolgsrezept der Onlineplattform schamlos aus.

Abonnenten nehmen per Chat Kontakt zu Models auf und kaufen exklusive Inhalte, meist Bilder oder Videos. Es würden so «authentische Verbindungen» aufgebaut, wie es auf der Webseite der Erotik-Plattform heisst. Bloss: Nicht immer schreiben die Models ihre Nachrichten selbst.

«Schau, dass der Fan spitz bleibt»

Um das zu beweisen, hat sich ein Reporter des SRF bei einer kanadischen Agentur als Chatter eingeschleust. Solche Agenturen haben es sich zum Ziel gemacht, mit Onlyfans maximale Profite zu erzielen. Mit Lernvideos und Skripten werden die Chatter darauf vorbereitet, Männer abzuzocken. «Schau, dass der Fan spitz bleibt, damit er möglichst viel Content kauft. Stelle sicher, dass er nicht kommt, bis er mindestens drei Bündel mit Content gekauft hat», lautet etwa ein Leitsatz.

Eine Chatterin verrät im Bericht, wie das Ziel vom höchstmöglichen Umsatz realisiert werden soll: «Das Ziel ist, dass sich die Männer in das Model verlieben. So können wir ihnen den Inhalt teuer verkaufen. Unzählige Männer, mit denen ich im Namen des Models schreibe, denken, sie seien ihr Freund.» Sie arbeitet auf den Philippinen und verdient damit bei 16 Stunden Arbeit pro Tag rund 2000 Dollar im Monat. Die Chatter werden zumeist auf Provisionsbasis bezahlt und erhalten drei bis zehn Prozent des Umsatzes.

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Abonnenten können Geld zurückverlangen

Auch ein Schweizer Agenturinhaber kommt zu Wort. Er, der die Onlyfans-Konten von 20 Personen verwaltet, behauptet, dass Onlyfans-Models mit vielen Followern die Anfragen gar nicht alle selbst beantworten können. Ohne Ghostwriter soll es also gar nicht gehen. Einen Betrug sieht er darin nicht. «Am Ende ist es dem Konsumenten egal, wer zurückschreibt. Hauptsache, er hat eine Konversation. Bis jetzt hat sich noch niemand beschwert», lautet sein Fazit.

Onlyfans scheint die Ghostwriter-Agenturen nicht als Problem anzusehen. 2021 lag der Umsatz von Onlyfans laut britischen Medien bei rund 4,3 Milliarden Franken. Die Abonnenten könnten sich jederzeit beschweren und ihr Geld zurückverlangen, erklärt das Unternehmen. Die kanadische Agentur, in der sich der SRF-Reporter undercover betätigte, schweigt zu ihren Geschäftspraktiken. (nad)

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