Darum gehts
- Schweizer Ehepaar zieht nach Island
- In Westisland hat sich Ehepaar Mischler eine neue Existenz aufgebaut
- Bauprojekt verzögerte sich mehrfach
So richtig eingelebt haben sich Esther und Pierre Mischler noch nicht in Dalabyggð, obschon sie seit August 2024 im Westen Island leben. Das liegt auch daran, dass nicht alles wie geplant lief mit den Bewilligungen beim Bauprojekt der Schweizer in der neuen Heimat Island und sich ihr Traum vom Auswandern damit verzögert hat. «Wenn Auswandern so einfach wäre, würden es mehr machen», sagt Pierre Mischler heute und lacht dabei. Während der ganzen Planungs- und Bauphase war dem Ehepaar oft nicht zum Lachen. Pierre Mischler: «Das hat schon ziemlich an den Nerven gezehrt.»
Seit 2011 sind Esther und Pierre Mischler aus Zug ein Paar. Die Tierärztin und der Innenarchitekt bezeichnen sich als «Reisefüdli». Strandferien in der Liege unter Palmen sind nicht ihr Ding. «Lieber ist es uns, wenn es etwas kühler ist und wir Abenteuer und die Ruhe der Natur erkunden und erleben können», sagt Esther Mischler. Genau das bietet die Vulkaninsel Island im Nordatlantik. Das Paar buchte seine erste Reise 2012 nach Island und war fortan mehrfach auf der Insel mit wenig besiedelten Landschaften, dafür viel unberührter Natur und Lebensräumen für die Tierwelt zu Land und im Wasser, bekannten Gletschern, Vulkanen, heissen Quellen und den spektakulären Polarlichtern in den Wintermonaten.
Vom geplanten Ferienhaus zum Plan der Auswanderung
Vor der Corona-Pandemie plante das Ehepaar eine längere Reise nach Australien, um sich vom Stress und von der Hektik des Arbeitsalltags zu erholen und Neues zu entdecken. Die erschwerten Reisebestimmungen während Corona durchkreuzten diese Reisepläne. «In Island waren die Reisebestimmungen einfacher, und so planten wir wieder drei Wochen Island», sagt der Ehemann. In dieser Zeit kam die Überlegung auf, sich in Island ein Ferienhaus für Auszeiten zu kaufen oder zu bauen, weil die Faszination von Island das naturverbundene Schweizer Ehepaar erneut packte.
Im Internet recherchierten Esther und Pierre Mischler zurück in der Schweiz intensiv die Angebote für Grundstücke und Ferienhäuser und vereinbarte Besichtigungstermine in verschiedenen Regionen Islands, bis sie in Dalabyggð fündig wurden. In der Abgeschiedenheit, wo vorher Schafe weideten, konnten Mischlers im Oktober 2022 fünf Hektar Land für 200’000 Franken kaufen, mit direktem Meerblick, umgeben von unberührter Natur, knapp zwei Autofahrtstunden von Islands Hauptstadt Reykjavík. Ein Traum, der viel zu schön nur für Ferien ist, befand das Ehepaar und befasste sich zunehmend mit der Planung der Auswanderung aus der Schweiz mit Island als neue Heimat.
Mühsame Verzögerungen in der Planungs- und Bauphase
«Wir wussten, dass unser Grundstück in der Landwirtschaftszone erst umgezont werden muss und die Erschliessung mit der Zufahrt, Strom und Wasser noch etwas Zeit beanspruchen wird», sagt Esther Mischler. Das dauerte aber wesentlich länger als geplant, und erstmals bekamen Mischlers einen Eindruck von der Bürokratie und den Eigenheiten der Isländer. Viel Geduld bei der Planung, wie später auch beim Bau der Miniferienhäuser durch lokale Handwerker war für die Schweizer erforderlich. «Immer wieder, wenn wir dachten, dass wir zum letzten Mal in Island waren und endgültig unsere Jobs und Wohnung in der Schweiz kündigen können, verzögerte sich wieder etwas, was sehr an die Nerven ging.»
Die Zeit nutzte das Ehepaar, um sich nach passenden Ferienhäusern zur Vermietung auf ihrem Grundstück umzuschauen und nach einer vorläufigen Wohnung zur Miete für sich selber. In Finnland kauften sie für ihr Vorhaben, zwei verspiegelte Minihäuser, mit Küche und Bad, in denen sich die traumhafte Landschaft der Gegend widerspiegelt. Durch die grossen Fensterfronten und das Glasdach wähnt man sich fast als Teil der Natur.
Im kleinen Dorf Búðardalur nur knapp 10 Autominuten von den Ferienhäusern fand das Ehepaar, das seit August 2024 in Island lebt, für sich eine Dreieinhalbzimmerwohnung mit Garten und Meersicht für monatlich rund 1400 Franken. «Von Schule, Restaurants bis Lebensmittelgeschäft und Tankstelle haben wir hier alles. Für grössere Einkäufe wie Möbel, Einrichtungsgegenstände oder Haushaltswaren fahren wir nach Reykjavík» erklärt Pierre Mischler.
Gute Basis für neue Existenz
Inzwischen hat das Ehepaar noch weitere 15 Hektar Land dazugekauft und zwei weitere Minihäuser zur Vermietung erstellt. «Kaum waren die Bagger weg, sind 30 Minuten später die ersten Feriengäste eingezogen, und unsere beiden Ferienhäuser waren seither immer gut gebucht. Darum haben wir unsere Mystic Light Lodge um zwei Ferienhäuser erweitert», so Pierre Mischler.
Das Ehepaar kümmert sich selber um die Gäste, den Unterhalt und die Reinigung der Ferienhäuser und hat sich damit in der neuen Heimat eine neue Existenz aufgebaut. «Die Bauphase war stressig bis zum Start der Vermietung, dafür haben wir jetzt eine gute Basis. Seit diesem Sommer kommt langsam die Zeit, wo wir auch vermehrt zur Ruhe kommen und unser neues Leben in Island wieder geniessen können», sagt Esther Mischler.
Integration in der neuen Heimat
Langsam leben sich die Schweizer ein, lernen Land und Leute in der Region besser kennen. Integration in der neuen Heimat ist dem Schweizer Paar wichtig. Als offen, herzlich und hilfsbereit haben Mischlers die Einheimischen privat kennengelernt und waren auch schon bei einigen eingeladen. Eintöpfe mit Fisch oder Fleisch seien beliebte Speisen der Isländer. Einzig die Sprache sei noch herausfordernd, ist das Ehepaar sich einig. «Englisch sprechen und verstehen in Island aber fast alle und wir lernen durch Onlinekurse immer mehr Isländisch», sagt die Ehefrau.
Sie hat zeitweise noch mit Heimweh zu kämpfen. Umso schöner, dass ihre Brüder und die Mutter schon in Island zu Besuch waren, wie auch Pierres Mutter Esther. Die beiden Ausgewanderten konnten ihren Familien als persönliche Reiseführer ihre neue Heimat und die Schönheit Islands zeigen. Esther Mischler: «Wir fühlen uns wohl in Island und bereuen diesen Schritt nicht.» Besonders bewusst wird ihnen ihr Glück in der Ferne, wenn sie mit ihrer jungen Hündin am einsamen Strand entlang spazieren und die Natur und Ruhe geniessen. «Manchmal ist unser neues Leben an diesem traumhaften Ort fast noch surreal.»
Das Ehepaar plant, auf dem eigenen Grundstück bei den Lodges noch ein kleines Haus zu bauen, und von der Mietwohnung ins eigene Haus zu ziehen. Platz hat es auf dem Grundstück mit den 20 Hektar genug. Pierre Mischler: «Unsere Mietwohnung ist schon älter, aber wir fühlen uns hier wohl. Zuerst müssen wir wieder Geld verdienen und sparen, bevor wir uns den Traum vom eigenen Haus am Meer erfüllen können.»