Video zeigt, wie Decke Feuer fängt
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Brand in Crans-Montana:Video zeigt, wie Decke Feuer fängt

Mehr Schutz und Sicherheit bei Feuer zu Hause
Nach Brand von Crans-Montana steigen Sicherheitsanfragen stark

Der Brand in Crans-Montana hat Schock und Trauer ausgelöst. Das Bewusstsein für Brandgefahren ist gestiegen. Verkaufsnachfragen für Feuerlöscher oder Löschdecken haben zugenommen, aber auch Anfragen für Kurse. Welche Sicherheitsmassnahmen sind für zu Hause sinnvoll?
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Rauchwarnmelder können Leben retten und sind preiswert. Je nach Grösse von Wohnung oder Haus sind mehrere Rauchwarnmelder empfehlenswert, vor allem in den Schlaf- und Kinderzimmern.
Foto: Getty Images

Darum gehts

  • Nach Crans-Montana-Katastrophe steigen Käufe von Rauchmeldern und Feuerlöschern stark, sowie Nachfrage von Privatpersonen nach praktischer Übung
  • Über 80 Prozent der Brandtoten in der Schweiz sterben durch Rauchvergiftungen
  • Beratungen und Trainings für Privatpersonen sollen nach erhöhter Nachfrage ausgebaut werden
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Corine Turrini FluryRedaktorin Wohnen

Die Tragödie von Crans-Montana VS, bei der in der Neujahrsnacht 40 Menschen ihr Leben verloren haben und 116 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden, macht nicht nur betroffen, sondern verunsichert auch viele in Bezug auf die Sicherheit im Brandfall in den eigenen vier Wänden. Die Nachfrage nach Feuerlöschern, Rauchwarnmeldern und Löschdecken ist enorm gestiegen. Das bestätigt auch Brandschutzfachmann Silvan Betschart, Leiter Produkte und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Brandschutzfirma Minimax: «Die erste Welle kam aus dem Wallis, mittlerweile ist der Anstieg der Nachfrage aber gesamtschweizerisch zu spüren. Ebenfalls erfahren wir eine Zunahme von Bestellungen im Onlineshop. Hauptsächlich gefragt sind Artikel wie Feuerlöscher, Löschdecken sowie Rauch- und andere Warnmelder, plus die Nachfrage nach Brandschutz-Trainings mit Schulungen in Theorie und Praxis.»

Tatsächlich ist die Sorge, dass im eigenen Zuhause trotz aller Vorsicht ein Feuer ausbrechen könnte, etwa durch defekte Elektrogeräte und Stromkabel, Blitzeinschlag oder bei schlechter Wartung von Kaminen, nicht unbegründet. Gemäss der Beratungsstelle für Brandverhütung (BFB) ereignet sich rund die Hälfte aller Brände in Wohngebäuden, die den Grossteil der Gebäudenutzungsarten ausmachen. In Wohngebäuden werden auch die meisten Todesfälle verzeichnet. In der Schweiz sind das mehr als 80 Prozent der Brandtoten.

Verständlich, dass die Nachfragen für Brandschutzprodukte und Beratungen nach der Brandkatastrophe im Wallis auch bei Privatpersonen gestiegen sind. Mit wenig Kosten lässt sich viel Sicherheit für zu Hause schaffen. Als effektiven Brandschutz für Privatpersonen gibt Brandschutzfachmann Betschart einige Empfehlungen und Tipps. 

Rauchmelder können Leben retten

Empfehlenswerte und kostengünstige Anschaffungen in Privathaushalten sind vor allem Rauchwarnmelder. Sie sind unter Umständen lebensrettend. Je nach Grösse von Haus und Wohnung braucht es dafür mehrere Rauchwarnmelder. «Der Grossteil der Brandtoten in der Schweiz erliegt Rauchvergiftungen und nicht den Flammen oder dem Feuer. Das macht Rauchmelder unverzichtbar. Sie gehören in jedes Schlafzimmer», erklärt Betschart und ergänzt: «Wenn es brennt, erwachen wir nicht wegen des Rauchgeruchs, da braucht es ein lautes akustisches Signal. Auch der Hund oder das Büsi riechen im Schlaf nichts und können Menschen darum im Ernstfall auch nicht warnen. Ein Rauchmelder macht das zuverlässig.» Erhältlich sind auch barrierefreie Alarmierungsoptionen wie ein Hörgeschädigten-Modul, das mittels Rüttelkissen weckt. 

Vorsicht bei Fettbrand

Empfehlenswert sind Schaumlöscher mit Abdeckung der Brandklassen A und B. Sie decken klassische Brandursachen eines Haushalts ab, ausser bei Fettbrand, wie das etwa beim Kochen durch überhitztes Öl in der Pfanne passieren kann. Wichtig bei Brand durch Öl: nie mit Wasser löschen! Silvan Betschart warnt: «Gegen Fettbrand kommt nur der Fettbrandlöscher infrage. Der klassische Schaumlöscher gehört nicht in die Küche und kann eine Fettexplosion verursachen.» 

Löschdecke richtig aufbewahren

Ratsam sind auch Löschdecken. Wichtig dabei ist aber, dass die Löschdecke nicht irgendwo schwer erreichbar verstaut, sondern im Ernstfall sofort griffbereit ist. Zum Beispiel direkt in der Küche in einer Schublade oder in einem Küchenschrank. Brandfachmann Betschart: «Hat man eine Löschdecke zu Hause und diese direkt in der Küche in der Schublade versorgt oder auf der Innenseite eines Schranks montiert, braucht man nicht zwingend auch noch einen Fettbrandlöscher.» 

Bei allen Produkten ist darauf zu achten, dass sie am richtigen Ort platziert oder installiert und gewartet werden. Bei besseren Rauchwarnmeldern halten Batterien bis zu zehn Jahre, und sie senden Signale aus, wenn ein Batteriewechsel nötig ist. Auch Feuerlöscher halten nicht unbegrenzt. Fachgerechte Kontrolle und Wartung gemäss Herstellerangaben sind daher einzuhalten. 

Fluchtwege freihalten

Ausserdem gilt es zu beachten, dass Treppenhäuser in Wohnungen und Häusern freigehalten und die Durchgangsbreite von 1,20 Metern eingehalten werden müssen. Denn im Nofall kann jede Sekunde zählen, um sich im Brandfall in Sicherheit zu bringen. 

Wenig Übungsangebote für Privatpersonen für Brandschutz

Der Kauf von entsprechenden Brandschutzprodukten sei ein wichtiger erster Schritt, sagt Betschart. «Aber allein reicht das nicht ganz aus. In einer Stresssituation zählt vor allem, dass man weiss, was man tut und was man nicht tun sollte. Kurze Instruktionen oder Schulungen, idealerweise mit praktischen Elementen, helfen, im Ernstfall richtig zu reagieren.» Virtuelle Anleitungen oder reine Theorie können reales Verhalten im Ernstfall nicht ersetzen, «da Hitze, Rauch, Geräuschkulisse und Zeitdruck nur in praktischer Übung realistisch erlebbar sind. Brandschutz ist letztlich eine Kombination aus geeigneter Ausrüstung, Wissen und Übung.» Brandschutz-Trainings, die Schulungen mit Theorie und Praxis über den richtigen Einsatz von Handfeuerlöschern und Löschdecken beinhalten, werden meistens von Firmen zum Zweck der Mitarbeiterschulung gebucht und von den meisten Anbietern auch so abgewickelt. Für Privatpersonen, die nicht über ihren Arbeitgeber organisiert geschult werden, gibt es aktuell kaum Gelegenheiten, den Ernstfall zu üben. Aufgrund gestiegener Anfragen von Privatpersonen oder von Gemeinden nach der Tragödie von Crans-Montana könnte sich das bald ändern. Silvan Betschart: «Wir prüfen aktuell, ein regelmässiges Angebot für Private einzuführen.» 

Reihenfolge im Ernstfall einhalten: alarmieren – retten – löschen

Selbst wenn das Wissen und die Produkte für Brandschutz und Löschung vorhanden sind, gilt im Ernstfall eines Brandes immer diese Reihenfolge: zuerst alarmieren (Feuerwehr 118), dann mit dem Retten von Mitmenschen und Tieren beginnen. Erst am Schluss versuchen, den Brand selbst zu löschen. Die Beratungsstelle für Brandverhütung warnt: «Unternehmen Sie eigene Löschversuche nur in der ersten Minute eines Brandes und bringen Sie sich dabei niemals in Gefahr.»

Allfällige Schäden an Gebäuden oder Gegenständen lassen sich beheben oder ersetzen – Menschenleben nicht. 

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