Lugano neu entdecken
Spaziergang zu fünf Hotspots

Gutes Wetter und Italianità. Dafür ist das Tessin bekannt. Seit einigen Jahren versucht Lugano mit diesem Klischee aufzuräumen. In vielen Bereichen ist dies bereits gelungen – vor allem dank der jungen Einheimischen. Ein Spaziergang zu fünf Hotspots.
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Tessin its bekannt für gutes Wetter und Italianità.
Foto: zvg
Ramona Kobe
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Viel italienisches Flair

«Ciao, buon giorno!» Wenn man sich trifft, dann voller Freude. Sei es zufällig auf der Strasse oder bewusst für eine Tasse Kaffee. Spätestens jetzt ist klar: Wir sind im Tessin, in Lugano. Eine Stadt, die als drittgrösster Finanzplatz der Schweiz bekannt ist. Doch nach der Einführung des Bankgeheimnisses litt sie lange. Davon spürt man nicht mehr viel, wenn man durch die engen Gassen schlendert. Lugano hat sich neu erfunden. Und hat heute weit mehr zu bieten als sonniges Wetter. Dafür verantwortlich sind junge Luganesi, die es zurück in die Heimat zieht. Mit neuen Ideen verändern sie die Stadt. In den Bars und Restaurants, die auf der Piazza Riforma zum Verweilen einladen, haben immer öfter die Nachkommen das Sagen.

Im Sommer finden auf der Piazza Riforma zahlreiche Veranstaltungen statt.
Foto: zvg

Sie profitieren von den Vorteilen Luganos: viele Sonnenstunden, italienisches Flair, magischer See. Die Nähe des Wassers ist spürbar. Auch beim Shoppingbummel durch die Via Nassa, die mit ihren Edelboutiquen an die Zürcher Bahnhofstrasse erinnert. Dort könnte man auch sein, wenn die Kellner die Bestellung auf Deutsch aufnehmen. Das nervt die Tessiner. Die italienische Sprache ist ein wichtiger Teil ihrer Tradition, den sie nicht verlieren möchten. Auch wenn sie Italienisch sprechen, sind Tessiner stolze Schweizer. Und zeigen das gerne. Denn was für viele ein erholsamer Rückzugsort zwischen Bergen und Palmen ist, ist für sie ein Zuhause.

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Die Stadt von oben erleben

Lugano ist schön. Und am schönsten ist die Stadt von oben. Die Funicolare – eine steile Standseilbahn – bringt in wenigen Minuten täglich Hunderte von Touristen auf den 925 Meter hohen Monte Brè. Dieser ist neben dem Monte San Salvatore ein beliebter Aussichtspunkt. Oben angekommen, präsentiert sich ein atemberaubendes Panorama: ein tiefblauer Lago di Lugano, grüne Berge, die an den Dschungel Südamerikas erinnern, und die Stadt selbst, die zwar die grösste des Tessins ist, von oben aber winzig klein erscheint.

Zehn Minuten östlich der Altstadt liegt die Talstation der Standseilbahn zum Hausberg Monte Brè. Lugano von oben: Der Monte Brè bietet ein atemberaubendes Panorama.
Foto: Thomas Meier

Man sagt, hier sei die sonnigste Gegend der Schweiz. So scheint im 340-Seelen-Dorf Brè, rund 15 Gehminuten vom Gipfel entfernt, über zehn Stunden am Tag die Sonne. Sommer und Winter. Nur einer von vielen Gründen, warum Brè einen Besuch wert ist. Es ist ein malerisches Dorf, das Wohnsitz von zahlreichen Künstlern, Bildhauern und Poeten war. Spuren ihrer Hinterlassenschaft: ein Kunstweg mit 20 Werken. Die gepflasterten Gässchen und kleinen Plätze zieren Arbeiten zeitgenössischer Künstler wie Aligi Sassu oder Armando Losa.

Verschiedene Wege führen zurück in die Stadt. Oder man nimmt den Bus.Entlang der Seepromenade gelangt man ins Stadtzentrum.
Foto: Thomas Meier

Die kleinen Steinhäuser – die Rustici – sind selbst eine Art Kunst. Sie erinnern an früher. Damals gab es noch keine Strasse, und die wenigen Einwohner lebten von ihren eigenen Produkten. Auch heute noch besitzen nur wenige ein Auto. Deshalb steht vor der Kirche eine gelbe Bank. Sitz jemand darauf, nimmt man ihn mit in die Stadt. So einfach kann Autostopp sein.

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Kunst am See

Kunst und Kultur in Lugano: Neue Kulturangebote im LAC.
Foto: Thomas Meier

Mit seiner Lage in einem grenzüberschreitenden Sprach- und Kulturraum ist Lugano eine attraktive Region für den kulturellen Austausch. Die Stadt verfügt über eine Reihe von Museen und Galerien, in denen regelmässig Ausstellungen, Messen und Veranstaltungen stattfinden. Dazu gehört auch das 2015 eröffnete Lugano Arte e Cultura (LAC), ein modernes Zentrum für Theater, Tanz, klassische Musik und bildende Kunst.


Solche Ausstellungen in LAC werden immer öfter gemacht.
Foto: zvg

Das vielfältige Programm zeigt sowohl Werke bekannter Künstler als auch innovative Projekte, die das kulturelle Leben der Region bereichern. Wer Lugano besucht, kann so Kultur, Kunst und Unterhaltung auf hohem Niveau erleben.

4. Das beste Essen

Junge Kochkunst im Grotto Castagneto: Tessiner Spezialitäten wiePolenta und Pasta mit Steinpilzen à la Stefano.
Foto: Thomas Meier

Pasta, Polenta, Minestrone und ein Glas Merlot – eine Reise ins Tessin ist immer auch ein kulinarisches Erlebnis. Zahlreiche Restaurants bieten mediterrane Gerichte an, doch traditionelle Tessiner Spezialitäten findet man oft in urigen Grotti. Dort sitzt man gemütlich im Schatten der Bäume an Holztischen und geniesst frisch zubereitete, hausgemachte Speisen. Ein Glas Merlot darf dabei häufig nicht fehlen, wie es in der Region üblich ist. Sowohl Einheimische als auch Gäste schätzen diese authentische Kombination aus Essen, Trinken und geselliger Atmosphäre.

Vieles findet draussen statt: Früchte und Gemüse werden in den Gassen verkauft.
Foto: Thomas Meier

5. Aperitivo wie in Italien

Typischer Aperitivo im Gabbani: Cioccaro trifft man sich jeden Mittwoch zum Aperitivo vor dem Gabbani, benannt nach den gleichnamigen Brüdern.
Foto: zvg

Am Abend zeigt sich das italienische Flair in Lugano besonders deutlich. Jung und Alt treffen sich zum Aperitivo, der im Tessin genauso zur Tradition gehört wie die Sprache. Inspiriert von Mailand, wird zu einem Glas Wein ein Buffet mit kleinen Häppchen serviert, das für Gäste kostenlos ist.

Halb Lugano scheint hier zusammenzukommen, um den Feierabend zu geniessen oder spontan ein Glas zu teilen. Meist verabredet man sich nicht im Voraus, sondern trifft bekannte Gesichter direkt vor Ort. Die Stimmung auf der Piazza Cioccaro ist lebendig und entspannt, Gespräche und Lachen füllen die Luft – ein typisches Tessiner Aperitivo-Erlebnis.

Die schönsten Bergseen der Schweiz

Es gibt viele malerische Bergseen, in denen man sich nach einer Wanderung abkühlen kann. Einige der schönsten Seen der Schweiz finden sich in den Alpen.

Es gibt viele malerische Bergseen, in denen man sich nach einer Wanderung abkühlen kann. Einige der schönsten Seen der Schweiz finden sich in den Alpen.


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