Was tun bei Nackenschmerzen?
Die modernen Kommunikationsmittel fordern ihren Tribut. Denn wegen der einseitigen Belastung und dem stundenlangen bewegungslosen Sitzen vor dem Bildschirm schmerzt früher oder später der Nacken.
«Bei der normalen Computerarbeit fällt man in sich zusammen», sagt der Zürcher Chiropraktor Dr. Marco Vogelsang vom Verband ChiroSuisse. «Um trotzdem zum Bildschirm schauen zu können, beugen wir unseren Nacken nach hinten. Das schiebt die Nackenwirbel ineinander, reizt die dort liegenden Gelenke und führt zu einer Entzündung.»
Etwas Ähnliches passiert auch bei der Alterssichtigkeit: Betroffene – und das sind praktisch alle Menschen ab 45 Jahren – schieben ebenfalls den Kopf in den Nacken, um das Kleingedruckte noch lesen zu können. Bifokale Brillen seien eine typisches Ursache für Nackenbeschwerden, vor allem wenn bereits Probleme an der Halswirbelsäule vorhanden sind.
Vier von fünf Schweizern leiden an Nackenschmerzen
Ähnliche Phänomene gibt es beim Spielen mit Handy oder Tablet: Dabei wird die Halswirbelsäule stark nach vorne gebeugt. «Ich sehe das bei meinen Kindern», sagt Vogelsang. «Wenn sie mal das Handy benutzen dürfen, dann sitzen die regungslos da, das Handy im Schoss und den Kopf nach vorne gebeugt.» Das erhöht die Belastung der Halswirbelsäule um mindestens den Faktor fünf. Die Folgen dieser Fehlbelastungen: Nackenschmerzen und Verspannungen.
Kein Wunder, sind Nackenbeschwerden inzwischen eine Volksseuche. Vier von fünf Schweizern leiden mindestens einmal im Leben darunter, und bereits Kinder klagen über Nackenprobleme. «Rund zwanzig Prozent der Jugendlichen haben schmerzhafte Druckstellen in der Halswirbelsäule und Einschränkungen in der Beweglichkeit», sagt Spezialist Marco Vogelsang. Das ist eine dramatische Entwicklung, weil Menschen, die in der Jugend Probleme mit dem Nacken hatten, als Erwachsene eher noch schlimmere Beschwerden bekommen.
Der 49-jährige Vogelsang kann selber ein Lied davon singen, leidet er doch seit dem 14. Lebensjahr an Nackenproblemen. «Meine erste Nackenstarre hatte ich nach einer Landung auf einer dicken Matte im Turnunterricht.»
Und bei Nackenschmerzen bleibt es meist nicht. «Eine häufige Begleiterscheinung sind ausstrahlende Schmerzen», sagt der Fachmann. Oft begleitet von einem Verlust der Muskelkraft oder gar Gefühlsstörungen in den Extremitäten. «Aus medizinischer Sicht sind solche Probleme sehr ernst zu nehmen», sagt Marco Vogelsang. «Es droht eine permanente Nervenschädigung.»
Aber auch Schwindelgefühle, Bauchschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Übelkeit mit Brechreiz oder Menstruationsbeschwerden können durch Schmerzen im Kopf, in der Schulter, im Arm oder im Brustbereich ausgelöst werden. «Ich konnte auch schon Menschen mit Tinnitus und Doppelsichtigkeit helfen», so Vogelsang.
Medikamente nützen nur kurzfristig
Häufig behandeln Betroffene den steifen Nacken mit entzündungshemmenden Medikamenten. Diese beseitigen kurzfristig die akuten Schmerzen. Auf die Muskelverspannung und allfällige Fehlfunktionen haben sie aber keinen Einfluss.
Dauerhaft helfen können nur chiropraktische Behandlungen, Akupunktur, Massagen, Osteopathie, Physiotherapie oder Entspannungstechniken wie autogenes Training.