Darum gehts
- Skilehrer werden in der Schweiz erfordert eine modulare Ausbildung
- Vier Ausbildungsstufen mit Schwerpunkten wie Technik, Didaktik und Spezialisierungen
- Swiss Snowsports zählt 13'000 Mitglieder und 169 Skischulen
Den ganzen Tag bei Bergluft, Sonne und auf weissen Pisten arbeiten: Der Job weckt Sehnsüchte. Doch wie wird man in der Schweiz Skilehrerin oder Skilehrer? Gudench «Gudi» Campell (39), Schneesportlehrer mit eidgenössischem Fachausweis und Leiter der Schweizer Skischule Zuoz – La Punt, erklärt es. Ergänzt werden seine Aussagen durch Angaben von Swiss Snowsports, dem Dachverband der Schneesportlehrerausbildung.
Wie steigt man in den Beruf ein?
«Jede Person, die bei uns unterrichten will, durchläuft zuerst einen Einführungskurs», sagt Campell. In Zuoz dauert er fünf Tage, jener Kurs, den auch Barbara und Maxime absolviert haben. Neben Technik geht es um Methodik, Sicherheit und den Umgang mit Kindern und Erwachsenen. Die Dauer kann je nach Skischule leicht variieren, der Zweck bleibt gleich: vorbereiten und einschätzen. Danach entscheidet die Schulleitung, ob und wofür jemand eingesetzt wird. «Das ist ein Prozess, ähnlich wie bei einem Lehrling.»
Wie ist die Ausbildung aufgebaut – und wer darf was unterrichten?
Nach dem Einstieg folgt die modulare Ausbildung bis zum eidgenössischen Fachausweis, wie Swiss Snowsports auf Anfrage erklärt. Sie besteht aus vier Levels. Grundsätzlich gilt: Je höher das Level, desto grösser der Einsatzbereich. Entscheidend ist laut Campell jedoch die passende Zuteilung. «Ein sehr guter Techniker ist nicht automatisch der beste Kinderlehrer – und umgekehrt.»
Ist es ein Vollzeitberuf?
«Wir haben ganz unterschiedliche Modelle», sagt Campell. In der Skischule Zuoz – La Punt sind pro Saison rund 90 bis 100 Skilehrpersonen im Pool. «In der stärksten Woche stehen bei uns etwa 70 Leute auf der Piste, in einer schwachen vielleicht 15.» Ein kleiner Kern arbeitet den ganzen Winter hauptberuflich, viele unterrichten nebenbei, etwa Studierende, Selbstständige oder Landwirte. «Wir haben sogar Leute, die extra Ferien nehmen, um bei uns unterrichten zu können.» Das flexible Modell federt Spitzen ab.
Wie viel verdient man als Skilehrer?
Eine einheitliche Lohnangabe gibt es nicht. Auf Anfrage teilt Swiss Snowsports mit, dass keine Statistik zu den Lohnzahlungen der Mitgliedsschulen geführt werde. Die Entlöhnung hängt unter anderem vom Ausbildungsstand, der Verantwortung innerhalb der Schule, der Destination, den Lebenshaltungskosten sowie zusätzlichen Benefits ab. Da Schweizer Skischulen eigenständige Unternehmen sind, bestimmen sie ihre Löhne selbst.
Wie verbreitet ist der Beruf – und was unterscheidet offizielle von privaten Skischulen?
Swiss Snowsports zählt rund 13’000 Mitglieder, davon sind etwa 8’000 aktiv im Unterricht. Rund 6’000 haben ein Level-3-Diplom oder den eidgenössischen Fachausweis. Der Verband vertritt 169 lizenzierte Schweizer Skischulen. Diese Betriebe sind finanziell selbstständig, dürfen das Label aber nur tragen, wenn sie einen verbindlichen Kriterienkatalog erfüllen, etwa bei Ausbildung, Sicherheit und Dienstleistungsqualität.
Hat der Schneesport Zukunft – und warum wird man heute noch Skilehrerin?
Einen Nachwuchsmangel sieht Campell nicht. «Wenn ich die Zahlen von vor 15 Jahren mit heute vergleiche, sehe ich keinen Rückgang an Skischülerinnen und Skischülern», sagt er. Gerade im Kinderbereich bleibe die Nachfrage hoch. Hoch gelegene Destinationen wie das Oberengadin seien zudem relativ wetterresistent, Investitionen in Bahnen und Beschneiung würden langfristig geplant. «Wenn eine Bahn für 40 Jahre konzessioniert wird, glaubt wohl niemand, dass es hier bald keinen Schnee mehr gibt.» Und persönlich? «Es ist die Freude, das eigene Können weiterzugeben.»