Darum gehts
- Scheidungen nach 50 nehmen zu durch veränderte Lebensvorstellungen und Entfremdung
- Untreue, Gesundheit und Kommunikationsprobleme gehören zu den häufigsten Trennungsgründen
- Bis zu 50 Prozent der Scheidungen betreffen Paare über 50 Jahren
Scheidungen in der Schweiz passieren immer später – viele erst nach der Lebensmitte. Frauen sind bei der Trennung oft über 50 Jahre, Männer knapp 55 Jahre alt. Die gute Nachricht: Seit 1990 ist das Scheidungsalter deutlich und konstant gestiegen. Wer früher noch mit Mitte 40 geschieden wurde, zieht heute oft erst nach Jahrzehnten einen Schlussstrich. Die Ehe als Kurzzeitmodell? Längst passé.
Und auch die Dauer bis zum Ehe-Aus ist beeindruckend: Paare bleiben im Schnitt fast 16 Jahre zusammen, und wer über 50 scheidet, war häufig über 20 Jahre verheiratet. Die Kinder sind dann oft schon aus dem Haus, das gemeinsame Leben muss neu sortiert werden, und viele fragen sich genau dann plötzlich: Will ich den Rest meines Lebens wirklich noch so verbringen?
Rund 40 Prozent aller Ehen enden irgendwann vor dem Richter, und bei den 55- bis 61-Jährigen ist bereits jede fünfte Person geschieden. Die Zahlen zeigen: Liebe hält in der heutigen Zeit oft länger als früher – aber im Alter ab 50 entscheiden sich dann doch viele Menschen bewusst für einen Neuanfang. Bemerkenswert ist also: Obwohl vor allem junge Ehen scheidungsanfällig sind, nehmen die Scheidungen auch bei längeren Ehen zu. Dieser Trend hat einen Anstieg der durchschnittlichen Dauer geschiedener Ehen zur Folge.
Warum so viele Menschen sich erst mit 50+ trennen:
Wenn plötzlich Zeit da ist – und nichts mehr verbindet
Wenn die Kinder aus dem Haus sind und der Berufsalltag weniger fordert, entstehen neue Möglichkeiten, aber auch neue Spannungen: Manche möchten endlich ihre eigenen Wünsche verwirklichen, Reisen gehen, Rennvelo fahren oder neue Hobbys ausprobieren, sehnen andere sich nach Ruhe und Stabilität. Unterschiedliche Vorstellungen davon, wie die verbleibende Zeit genutzt werden soll, führen häufig zu Konflikten im Eheleben.
Nebeneinander statt miteinander
Viele Ehen zerbrechen, weil die Partner sich auseinandergelebt haben. Fehlende Nähe, kaum Kommunikation und ein Rückgang von Aufmerksamkeit führen dazu, dass Ehepaare schon seit Jahren eher nebeneinander statt miteinander leben. Auch unterschiedliche Lebensansichten, Interessen oder Freundeskreise können eine Beziehung dauerhaft belasten. Immer mehr Menschen entscheiden sich darum bewusst für ein Leben ohne Partner, weil das blosse Nebeneinander oft nicht mehr als erfüllende Lösung gilt und die Vorstellung, diesen Lebensstil weiter so durchzuziehen, eher Grauen als Freude auslöst.
Affären, Verliebtheit – und der Mut zum Schlussstrich
Affären und emotionale Bindungen ausserhalb der Ehe spielen häufig eine entscheidende Rolle bei der Trennung. Frauen geben dabei laut der Statistik öfter die Untreue ihres Partners als Scheidungsgrund an, während Männer eher ihr eigenes Verliebtsein in eine andere Person oder die eigene sexuelle Untreue nennen. Sprich: Männer möchten oft erst die Scheidung, wenn eine neue Partnerin im Raum steht. Oft sind sie nach einer Trennung schneller wieder fest gebunden, während Frauen zuerst mal ihre Freiheit geniessen möchten.
Wegen der Kinder bleiben?
Selbst wenn einer der Partner sich neu verliebt, bleibt die Trennung oft aus – zumindest vorübergehend. Ein zentraler Grund: Viele Paare möchten das Wohl der Kinder schützen. Solange sie im Haushalt leben, wird eine Trennung oft hinausgezögert, um den Alltag nicht zusätzlich zu belasten oder die Kinder emotional zu verunsichern. Dies ist zwar gut gemeint, oft aber für die Kinder nicht das Allerbeste. Sobald die Kinder flügge werden, was sich für die Eltern oft ab dem Alter von etwa 50 Jahren einstellt, kommt dann doch oft ganz schnell die Frage auf: «Was bleibt und, und ist uns das genug, um die Ehe weiterführen zu wollen?»
Krankheit, Erschöpfung – und zu viel Verantwortung
Chronische Krankheiten oder psychische Probleme können das Zusammenleben stark erschweren. Wer über viele Jahre die Verantwortung für einen kranken Partner trägt, stösst mit der Zeit öfter an seine Belastungsgrenzen, so entstehen Konflikte.
Wenn Nähe fehlt – und Freiheit wichtiger wird
Viele Ehen scheitern, weil Gespräche fehlen und Gefühle nicht geteilt werden. Regelmässiger Austausch, aktives Zuhören und gemeinsame Entscheidungen sind entscheidend, um Vertrauen und Verbundenheit zu erhalten. Gleichzeitig wird der Wunsch nach persönlicher Freiheit für viele wichtiger: Wenn Nähe und Distanz nicht ausgehandelt werden können, oder die Vorstellungen darüber auseinander gehen, steigt die Trennungswahrscheinlichkeit. Viele Menschen zeigen sich im höheren Alter selbstbewusster und achten stärker auf ihre eigenen Bedürfnisse.
Geld, Rente, Job: Warum viele erst spät gehen
Auch materielle oder berufliche Faktoren können eine Rolle spielen. Streit um Vermögen oder Rentenansprüche belastet die Beziehung, ebenso wie zu hohe berufliche Beanspruchung oder Arbeitslosigkeit. Scheidungen nach 50 werden deshalb oft auch aus praktischen/finanziellen Erwägungen vollzogen.
Wenn Grenzen überschritten werden
Obwohl körperliche oder psychische Gewalt seltener als andere Gründe angegeben wird, ist sie dennoch ernst zu nehmen. Vor allem Frauen geben die Aggressionen des Partners als Grund für die Trennung an. Auch hier gilt: was jahrelang ertragen wurde, ist mit steigendem Alter und fortlaufender Zeit nicht mehr aushaltbar. Auch hier gilt oft: Menschen werden mit dem Alter selbstbewusster und lassen sich nicht mehr kompromisslos alles gefallen. Und das ist in diesem Fall auch wirklich gut so!
Ein Neuanfang mit über 50
Scheidungen nach 50 haben also meist mehrere Gründe: Entfremdung, unterschiedliche Lebensvorstellungen oder Untreue stehen oft an vorderster Stelle. Doch auch Gesundheit, fehlende Kommunikation, der Wunsch nach persönlicher Freiheit oder finanzielle Aspekte spielen eine Rolle, wenn langjährige Ehen enden. Frauen bleiben nach einer Scheidung oft sehr glücklich alleine und geniessen eine Phase der Selbstverwirklichung. Männer landen laut Statistik schneller in einern neuen Partnerschaft, dafür gehen sie dann auch gerne einige Kompromisse ein. Das Alleinsein scheint ihnen grundsätzlich schwerer zu fallen, als weiblichen Personen.
Heute fällt es vielen Menschen leichter, den Schritt zu gehen. Moderne gesellschaftliche Entwicklungen, ein selbstbewussteres Rollenverständnis und das Scheidungsrecht machen den Neuanfang einfacher. Auch akzeptiert die Gesellschaft Geschiedene weit stärker als früher. Für viele Menschen eröffnet sich dadurch eine einmalige Chance: Auch mit über 50 kann ein neues Kapitel beginnen, voller Möglichkeiten, Selbstbestimmung und frischer Perspektiven.