Darum gehts
- Die Zahl der Psychotherapeuten in der Schweiz hat sich seit 2001 verdoppelt
- 70 Prozent der Paare berichten nach Therapie von einer besseren Beziehung
- Häufigste Paarprobleme: Sex, Fremdgehen, Kommunikation
- Paare gehen immer öfter in die Therapie, um sich zu trennen
Die Anzahl der praktizierenden Psychotherapeutinnen und -therapeuten hat sich in der Schweiz in den letzten 25 Jahren mehr als verdoppelt. Woran liegt das - haben die Menschen tatsächlich mehr psychische Probleme als früher?
Ramona Zenger: Ich glaube eher, dass sie sich mehr um ihre Psyche kümmern und deshalb häufiger in die Therapie gehen. Das führt dazu, dass eine Psychotherapie nicht mehr so stigmatisiert ist wie früher.
Massiv angestiegen ist auch der Bedarf an Paarberatungen. Merken Sie das auch in Ihrer eigenen Praxis?
Ja, ich habe sehr viele Anfragen von Paaren. Interessant ist, dass immer mehr Paare sich in einer Trennung begleiten lassen. Man geht heute nicht nur in die Paartherapie, um eine Beziehung zu retten, sondern, um einen gemeinsamen Weg zu finden – dieser kann auch eine Trennung sein.
Welches sind die häufigsten Probleme, mit denen Paare zu Ihnen kommen?
Überspitzt könnte man sagen: Die häufigsten Paar-Probleme sind Sex und Fremdgehen. Wobei Probleme in der Sexualität eines Paare oft Kommunikationsprobleme sind, wie so viele andere Differenzen auch. Beim Fremdgehen steckt ebenfalls meist mehr dahinter – Betrug gibt es auf verschiedene Art und Weise. Häufig sehe ich auch Paare, die bei einem wichtigen Thema in der Lebensplanung nicht weiter kommen – zum Beispiel, ob sie Kinder möchten oder nicht.
Liebe, Sex und Beziehungen – darüber unterhalten sich Blick-Gesellschaftsredaktorin Sandra Casalini und Paar- und Psychotherapeutin Ramona Zenger wöchentlich bei «intim&laut». Und sie nehmen dabei kein Blatt vor den Mund. Ihr Rezept: Eine Portion Lebenserfahrung, kombiniert mit viel Expertise, abgerundet mit einem Schuss Humor. Heitere Anekdoten und seriöse Einordnungen gibt es immer wieder auch gemeinsam mit prominenten Gästen.
Liebe, Sex und Beziehungen – darüber unterhalten sich Blick-Gesellschaftsredaktorin Sandra Casalini und Paar- und Psychotherapeutin Ramona Zenger wöchentlich bei «intim&laut». Und sie nehmen dabei kein Blatt vor den Mund. Ihr Rezept: Eine Portion Lebenserfahrung, kombiniert mit viel Expertise, abgerundet mit einem Schuss Humor. Heitere Anekdoten und seriöse Einordnungen gibt es immer wieder auch gemeinsam mit prominenten Gästen.
Warum sind es gerade diese Themen?
Oft bringt das Leben Herausforderungen mit sich, mit denen man nicht gerechnet hat. Sexualität läuft nicht einfach jahrelang von selbst, Kommunikation ebenfalls nicht. Auch wenn man sich noch so liebt, merkt man irgendwann, dass es eine Illusion ist, nie wieder jemand anderen attraktiv zu finden – oder dass der Partner nie wieder jemand anderen attraktiv findet. Immer häufiger kommen Paare präventiv, sie möchten früh ihre Kommunikationsmuster anschauen, um gar nicht in Negativ-Spiralen hineinzukommen.
Weshalb können wir Probleme in der Beziehung eigentlich nicht selbst lösen?
Es geht in erster Linie um den Blick von aussen, von einer Person, die nicht involviert ist. Wenn das WC verstopft ist, holen wir uns ja auch Hilfe von einem Profi, statt selbst dran herumzuwerken und eine Überschwemmung zu riskieren. Genauso ist es mit einer Psychotherapie: Mit Unterstützung gehts meist besser und mit weniger Verletzungen.
Die gute Nachricht: 70 Prozent der Paare berichten von einer Verbesserung der Beziehung nach der Paartherapie. Was läuft bei den anderen 30 Prozent schief?
Essenziell ist, dass bei beiden Partnern oder Partnerinnen der Wille, die Beziehung aufrechtzuerhalten, und die Motivation, sie zu verbessern, noch da ist. Ich erlebe nicht selten, dass nur noch einer oder eine kämpft, und der oder die andere der Paartherapie als Gefallen zustimmt. Dann wirds schwierig.
Merken Sie in solchen Fällen von Anfang an, dass es da nichts mehr zu retten gibt?
Ich gehe davon aus, dass ich nie besser weiss, ob es noch eine Chance gibt oder nicht, als die Paare selbst, weil ich ja nur einen kleinen Ausschnitt aus der Beziehung kennenlerne. Wenn ich aber während der Therapie merke, dass die Hoffnung, dass es besser werden kann, oder die Motivation, an sich selbst zu arbeiten, nicht vorhanden ist, sehe ich eher schwarz und konfrontiere das Paar auch mit der Frage, ob es überhaupt noch zusammenbleiben möchte. Nicht jede Beziehung muss gerettet werden. Ich persönlich finde, wenn Respekt oder grundlegende Werte fehlen, ist es besser, einen Schlussstrich zu ziehen.