Google Pixel 8 Pro – Blick-Fazit nach 250 Fotos
So magisch ist die KI-Kamera wirklich

Magisch sei sie, die Kamera in den Pixel-Phones, sagt Google. Blick hat das Pixel 8 Pro eine Woche lang getestet – und wurde dabei etwas verzaubert.
Publiziert: 11.10.2023 um 19:00 Uhr
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Aktualisiert: 12.10.2023 um 14:57 Uhr
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Blick hat die Kamera des Pixel 8 Pro ausgiebig getestet.
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Tobias BolzernRedaktor Digital

250 Fotos! So viele Bilder haben wir während des Tests mit dem Pixel 8 Pro über einen Zeitraum von einer Woche geschossen. Gezeigt wurde das Google-Handy an einem Event in New York.

Besonderen Fokus legte der Hersteller bei der Präsentation auf die künstliche Intelligenz (KI). So stecken im Pixel 8 Pro zahlreiche KI-Features, die die Bilder und Videos aufmotzen sollen. Wir haben sie getestet:

  • Beste Aufnahme: Schönes Lächeln, Grimasse, Augen zu – wer eine Gruppe an Menschen fotografiert, hat selten beim ersten Abdrücken ein perfektes Foto. Hier setzt die neue KI-Funktion an. Macht man mindestens sechs Bilder, sucht das Pixel-Handy die besten Gesichter der abgebildeten Personen aus. Etwas gruselig ist es zwar, den Leuten die Köpfe zu tauschen – aber praktisch. Im Test ging das gut. Sind einzelne Posen aber zu unterschiedlich, kann es aufgesetzt wirken. Die KI-Funktion läuft dank des Tensor-G3-Prozessors vollständig auf dem Gerät.
  • Audio-Radierer: Ein Hund bellt, während der Nachwuchs erste Worte brabbelt. Oder statt «Willst du mich heiraten?» ist nur ein Windstoss zu hören. Hier kann der Audio-Radierer helfen. Die KI erkennt verschiedene Geräusche in einem Video und diese lassen sich dann per Regler minimieren. Zwar ging das mit speziellen Tools auch vorher schon, aber so etwas direkt auf dem Gerät zu haben, ist im Alltag ein echter Gewinn. Die KI-Funktion läuft ebenfalls vollständig lokal.
  • Foto Unblur: Google sagt mit der Funktion den unscharfen Fotos den Kampf an. Finden sich solche im Archiv, können diese mit KI jetzt aufgehübscht, vielmehr nachgeschärft werden. Bei leicht unscharfen Bildern funktioniert das am besten.
  • Video-Boost: Professionell aussehende 4K-Videos – und das auch in der Nacht. Wie das geht? Die neue Funktion Video-Boost soll es richten. Dabei werden die Clips in die Cloud hochgeladen und verbessert. In den sozialen Medien machten sich Nutzerinnen und Nutzer allerdings über Google lustig, dass sie eine Cloud benötigen, um ähnliche Ergebnisse, wie die des iPhones zu erhalten. Wieso? Google verglich die Funktion bei der Präsentation selbst mit Apple. Testen kann man Video-Boost freilich bisher nicht. Er komme aber «bald», sagt Google.
  • Magischer Radierer: Einmal mit dem Finger wedeln – schwups, ist der schräge Vogel oder die Person, die hinten ins Bild gelaufen ist, weg. Ganz neu ist das Feature nicht. Es wurde erstmals 2021 präsentiert. Sogar auf dem iPhone funktioniert es mit Google-Fotos – wenn man dafür bezahlt. Nun wurde die Funktion laut Google nochmals verbessert, und neu läuft sie dank des G3-Prozessors lokal, also direkt auf dem Handy.
  • Magischer Editor: Hier geht Google noch einen Schritt weiter. Damit lässt sich nicht nur Ungewünschtes löschen, sondern gleich das ganze Foto von Grund auf ändern. Sonnenuntergang statt Wolken? Kein Problem. Person umpflanzen und gleichzeitig vergrössern? Ebenso wenig. Die entstandene Lücke wird generativ gefüllt. Da dahinter ein immenses KI-Modell steckt, läuft die Berechnung in der Cloud.

Google, was ist ein Foto?

Es stellen sich berechtigte Fragen: Wo sind die Grenzen? Was überhaupt ist noch ein Foto? Und werden bearbeitete Bilder gekennzeichnet? «Die Änderungen sind in den Metadaten sichtbar», erklärt Rick Osterloh, Hardware-Chef von Google, im Gespräch mit Blick. Ihm sei es wichtig, die beiden Elemente – das Fotografieren und das Bearbeiten – zu trennen.

«Leute haben schon immer Werke abgeändert, dazu nutzen sie einfach andere Tools, wie Photoshop», sagt Osterloh. Man gebe ihnen jetzt nur einen einfacheren Zugang. «Unser Ziel ist es, Nutzern mehr kreative Möglichkeiten zu geben», erklärt er. Und diese gibt es im Überfluss. Wie mächtig der magische Editor ist, zeigt folgendes Vorher-Nachher-Bild.

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Ziemlich langsamer Zauber

Magie! Das Wort hat es Google angetan. Gleich mehrere der neuen Funktionen tragen es im Namen. Mit Zauberei haben die neuen Foto-Funktionen allerdings nichts zu tun. Faszinierend sind sie dennoch, vor allem der Magische Editor. In unserem Test konnten wir damit wortwörtlich Berge versetzen – das Bild lässt sich neu komponieren, Objekte und Personen verschieben. Tech-Trickserei von Google sei Dank. Lücken werden mithilfe künstlicher Intelligenz gefüllt.

Allerdings verfliegt der Zauber schnell, wenn man auf generieren, drückt. Dann werden vier Fotos zur Auswahl angezeigt. Bis es so weit ist, vergingen in unserem Test zwischen fünf und bis zu 20 Sekunden. Denn die KI-Berechnung findet in der Cloud statt. Google selbst nennt die Funktion «experimentell».

Sieben Jahre Support

Beeindruckend ist das Versprechen, dass Google mit den neuen Handys abgibt. Ganze sieben Jahre sollen die Geräte Betriebssystem und auch Sicherheitsupdates bekommen. Es ist zu hoffen, dass weitere Firmen Google damit kopieren.

Eine Frage bleibt: Wieso hat es so lange gedauert, bis die Geräte hierzulande verfügbar sind? Osterloh antwortet darauf mit einem langgezogenen «Naja». Dann fährt er weiter mit: «An internen Meetings habe ich die Frage sehr oft gehört.» Es sei nicht trivial, ein Hardware-Business auf die Beine zu stellen. «Es benötigt Zeit, um Support und Logistik aufzubauen», erklärt Osterloh. Er könne aber sagen, dass er sich wirklich freue, endlich auch in der Schweiz am Start zu sein.

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Pixel 8 Pro: Fazit

In der Woche mit dem Pixel 8 Pro machte der Akku selbst an langen Tagen gut mit. Wir schlossen es dennoch spätabends am Strom an. Bei weniger intensiven Tagen reichte die Batterie auch mal 1,5 Tage. Am meisten kommentiert im Umfeld des Autors wurde das Design und die babyblaue Farbe des Testgeräts. Überzeugt haben die KI-Funktionen in der Kamera – auch wenn sich diese noch bewähren müssen, nachdem die erste Euphorie verflogen ist.

Das Pixel 8 Pro ist ein spannendes Gerät, bei dem Google seine Stärke ausspielt: Software. Ein schaler Beigeschmack bleibt. Denn einige Software-Tricks (manuelle Kontrolle der Kamera, Magic Eraser, Video Boost oder das noch kommende Zoom Enhance) sind exklusiv fürs Pro-Modell, nicht aber fürs Pixel 8 verfügbar.

Im Apple- und Samsung-Land Schweiz dürfte Google mit dem Pixel aber keinen einfachen Start haben. Doch wer weiss, vielleicht gelingt auch hierzulande ein Coup, wie in Japan. Dort hat Google im ersten Quartal 2023 Samsung und Sony überholt und ist jetzt hinter Apple (60 Prozent Marktanteil) mit 9 Prozent bereits auf Platz zwei.

«Google will mit KI punkten»: Blick-Digitalredaktor nimmt das Pixel 8 unter die Lupe(01:59)
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