Darum gehts
- Nationalrat debattiert am Mittwoch über 50-Franken-Gebühr für Notaufnahmen
- 70 Prozent der Befragten befürworten laut Umfrage eine solche Zusatzgebühr
- Kritiker warnen vor Zwei-Klassen-Medizin und fordern bessere Hausarztlösungen
Auf Notfallstationen geht es nicht immer um Leben und Tod. In manchen Fällen hätte ein Arztbesuch am nächsten Tag ausgereicht. Fakt ist: Immer mehr Konsultationen auf der Notaufnahme werden als nicht dringend eingestuft. Gerade in ohnehin schon ausgelasteten Notfallbereichen in Spitälern kann dies zum Problem werden.
Das Thema hat inzwischen auch die Politik erreicht. Um Personen davon abzuhalten, wegen nicht dringender Beschwerden die Notaufnahme aufzusuchen, fordert die GLP eine zusätzliche Gebühr von 50 Franken, zusätzlich zum Selbstbehalt. Für diese Forderung hat sich nun auch der Nationalrat ausgesprochen.
Community spricht sich mehrheitlich für Notfall-Gebühr aus
Ob sich die Auslastung auf Notaufnahmen über den Preis wirksam steuern lassen, bleibt umstritten. Auch die Community ist sich diesbezüglich uneins. Eine Mehrheit von knapp 70 Prozent spricht sich gemäss einer nicht repräsentativen Blick-Umfrage mit rund 1500 Teilnehmenden für eine Zusatzgebühr aus.
Ozy Steiner ist einer der Befürworter: «Gute Idee! Die 50 ‹Stutz› werden einige dazu bringen, darüber nachzudenken, ob das ‹Boboli› jetzt wirklich am Sonntagabend im Notfall versorgt werden muss, oder ob man vielleicht doch bis am Montag wartet und zum Hausarzt geht.»
Viele der Befürworter sind zudem der Ansicht, dass 50 Franken zu wenig und nicht zielführend seien. Manche aus der Community schlagen Beträge von über 100 Franken vor. Jan Huber stellt noch einen höheren Betrag zur Diskussion: «Die Gebühr sollte 200 Franken oder mehr betragen», schreibt er. Er schlägt zudem vor, diese Kosten bei echten Notfällen rückzuerstatten. «Eine Zusatzgebühr sollten nur diejenigen bezahlen müssen, die diese Dienstleistung nicht zwingend benötigen.»
Dieser Meinung sind viele andere Leserinnen und Leser. So auch Dieter Neth. «Wenn es eine Strafgebühr sein soll, dann sollte sie nur erhoben werden, wenn jemand wegen einer Bagatelle in den Notfall geht.»
Auch Reto Künzle befürwortet eine Notfall-Gebühr. Und würde sie auch ohne Weiteres bezahlen: «Wenn ich in den Notfall müsste, wären mir 50 Franken wurst, Hauptsache, mir wird geholfen.»
«Ein Notfall ist kein Luxus, sondern ein Menschenrecht»
Auch Kritiker der Notfall-Gebühr führen gewichtige Argumente an. Leser Diego De La Vega übt harsche Kritik: «50 Franken für den Notfall? Das ist der Weg in eine Zwei-Klassen-Medizin à la USA.» Und gibt zu bedenken: «Wer aus Angst vor der Gebühr zu Hause bleibt, zahlt im Ernstfall mit dem Leben. Wie soll ein Laie beurteilen, was ein Notfall ist, wenn selbst Ärzte sich irren?»
Empört fügt er ein Worst-Case-Szenario hinzu: «Wenn ein Patient heimgeschickt wird und später stirbt, landen die 50 Franken dann in der Kaffeekasse der Pflege?» Man laufe Gefahr, die Grundversorgung zur Kostenfalle zu machen, während Bern Milliarden ins Ausland schicke. «Ein Notfall ist kein Luxus, sondern ein Menschenrecht. Man treibt uns in Zustände, in denen man erst einen Heiler oder Bader suchen muss.»
«Und wir sollen für das bezahlen, was die Politik versäumt hat?»
Auch vielen anderen aus der Gegnerseite greift die Strafgebühr-Forderung zu kurz. Heinrich Hauser schreibt etwa: «Der Vorschlag ist schlecht. Wir haben schon ein teures Gesundheitswesen, und statt wirklich ernsthaft die Kosten senken zu wollen, kommen nur Vorschläge, welche das Gesundheitswesen verteuern. Nicht jeder hat einen Hausarzt und viele Hausärzte nehmen Notfälle gar nicht an. Da bleibt oftmals nur der Gang ins Spital. Gerade hier müsse man ansetzen. Er schlägt vor: «Spitäler müssten eine Hausarztpraxis anbieten, die sieben Tage die Woche während des Tages besetzt ist.»
Silvia Huber sieht es ähnlich: «Warum müssen wir bezahlen, nur weil die heutigen Hausärzte nicht mehr am Wochenende arbeiten?» Früher seien Hausärzte auch zu Randzeiten gut erreichbar gewesen. «Aber heute haben wir in diesem Sinn keine richtigen Hausärzte mehr, da man zwischen 18 Uhr bis 8 Uhr und am Wochenende in den Notfall muss. «Und wir sollen für das bezahlen, was die Politik versäumt hat?»