Neuer Elektro-SUV Nio EL6
Die Strategie von Nio könnte aufgehen

Rivalen von Tesla und deutschen Premiumherstellern gibts mittlerweile viele. Doch kaum jemand stellt sich so konsequent gegen die etablierten Marken auf wie Nio. Das gilt auch für den neuen E-SUV EL6 des chinesischen Herstellers.
Publiziert: 19.10.2023 um 15:59 Uhr
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Aktualisiert: 27.10.2023 um 11:34 Uhr
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Mit bald vier Modellen auf dem europäischen Markt geht die China-Premium-Marke Nio auf Konfrontationskurs mit Audi, BMW und Mercedes, aber auch Tesla und Polestar.
Stefan Grundhoff und Kim Hüppin

Nio hat den globalen Automarkt gut studiert: Der chinesische Autobauer setzt deshalb auf modernes Design und skalierbare Technik. Mit den drei für Europa bereits vorgestellten Modellen – den Limousinen ET7 und ET5 sowie dem Oberklasse-SUV EL7geht die Premium-Marke Nio auf Konfrontationskurs mit den etablierten deutschen Nobelherstellern Audi, BMW und Mercedes, aber auch mit Tesla oder Polestar. Die Strategie könnte aufgehen.

Da wäre zum Beispiel die Sache mit dem Batteriewechsel. In Europa scheinbar dem Tode geweiht, da kein anderer Autohersteller mitzieht, plant Nio dennoch auch in Deutschland «Swap Stations» (dt. Austauschstationen) in Betrieb zu nehmen. Auch wenn deren Zahl mit sieben Stück vorerst noch überschaubar bleibt.

Europa und Schnellladen

Wohl auch deshalb gönnt Nio dem vierten, für Europa vorgesehenen Modell EL6 einen Nachschlag beim Ladetempo. Statt der bisherigen 140 Kilowatt tankt der Nio EL6 an der Schnellladesäule mit bis zu 180 kW – kein Bestwert, aber eine spürbare Verbesserung. In 30 Minuten lädt der Familien-SUV so von 10 auf 80 Prozent.

Der Normverbrauch des über 2,2 Tonnen schweren Elektro-SUVs liegt zwischen 20,4 und 22,1 kWh/100 km. Mit dem kleinen 75-kWh-Akkupaket schafft er eine Reichweite von rund 400 Kilometern, mit der grösseren 100-kWh-Batterie liegen knapp 530 Kilometer drin.

Zwei E-Motoren und 4x4

Der Nio EL6 teilt sich Plattform und Motoren mit dem kleineren Bruder ET5. Während vorne ein Induktionsmotor mit 204 PS (150 kW) arbeitet, sorgt ein stärkerer Permanentmagnetmotor mit 286 PS (210 kW) an der Hinterachse für den Grossteil des Vortriebs. Das ergibt zusammen stattliche 490 PS (360 kW) und 700 Nm Systemleistung. Das reicht für den Spurt auf Tempo 100 in 4,5 Sekunden und für eine Spitze von 200 km/h.

Die Lenkung des Allradlers ist leichtgängig und präzise – es fehlt jedoch an der nötigen Rückmeldung. Das gilt auch für die entsprechenden Rückstellkräfte, die noch mehr Fahrfreude verbreiten würden. Speziell angesteuerte Dämpfer an der Vorderachse sorgen dafür, dass der neu für Europa vorgesehene EL6 bei starken Bremsmanövern deutlich weniger nach vorne einnickt als der in China schon länger auf dem Markt präsente Vorgänger.

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Nio EL6

Antrieb 2 Elektromotoren, Systemleistung 490 PS (360 kW), 700 Nm@1/min, 1-Gang-Getriebe, 4x4, Batterie 75 kWh
Fahrleistungen 0–100 km/h in 4,5 s, Spitze 200 km/h, Reichweite WLTP 400 km
Masse L/B/H 4,85/1,98/1,70 m, Leergewicht 2366 kg, Laderaum 579 bis 1430 l
Verbrauch WLTP 20,4–22,1 kWh/100 km, 0 g/km CO₂ lokal, Energieklasse A.
Preis ab 65'500 Euro (inkl. Batterie), erhältlich zurzeit in Dänemark, Deutschland, Holland, Norwegen und Schweden (Schweiz in Abklärung)

Antrieb 2 Elektromotoren, Systemleistung 490 PS (360 kW), 700 Nm@1/min, 1-Gang-Getriebe, 4x4, Batterie 75 kWh
Fahrleistungen 0–100 km/h in 4,5 s, Spitze 200 km/h, Reichweite WLTP 400 km
Masse L/B/H 4,85/1,98/1,70 m, Leergewicht 2366 kg, Laderaum 579 bis 1430 l
Verbrauch WLTP 20,4–22,1 kWh/100 km, 0 g/km CO₂ lokal, Energieklasse A.
Preis ab 65'500 Euro (inkl. Batterie), erhältlich zurzeit in Dänemark, Deutschland, Holland, Norwegen und Schweden (Schweiz in Abklärung)

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Praktisch für den Alltag

Doch man muss mit dem 4,85 Meter langen Nio EL6 nicht rasen, um Freude zu empfinden. Gerade im Alltag kann der E-Crossover mächtig punkten: Gutes Platzangebot vorn wie hinten, Sitzklimatisierung, elektrisch verstellbare Rückbank und ein Laderaumvolumen von 668 bis 1430 Litern. Matrix-Scheinwerfer, Head-up-Display oder eine elektronische Dämpfereinstellung gibts ebenfalls serienmässig. Vorne und hinten sitzt man auch auf längeren Fahrten bequem. Die Komfortsitze lassen sich zudem in eine Liegeposition stellen, ähnlich wie beim Kia EV9 – praktisch, um beispielsweise beim Nachladen an Schnelllader im Fahrzeug zu entspannen.

Nio noch nicht in der Schweiz

Angenehm: Dem auf dem Armaturenbrett thronenden, kugelrunden Assistenten «Nomi» kann man bei Nichtgefallen endlich auch den Mund verbieten. Dann gibts keine ebenso nervigen wie gut gemeinten Ratschläge, den Blick auf die Strasse zu wenden, wenn man mal kurz aufs Navi schaut.

Nio ist bei uns noch nicht präsent. Abklärungen für einen Markteintritt in der Schweiz laufen – ein genaues Datum kann die chinesische Marke noch nicht nennen. Komplett ausgestattet startet der Nio EL6 in Deutschland in der Basisversion mit kleinem Akku und Batteriemiete (169 bzw. 289 Euro pro Monat) ab 53'500 Euro. Kauft man die Batterie fix dazu, werden weitere 12'000 bzw. 21'000 Euro für die 100-kWh-Akku fällig. Wer die Batterie mietet, bezahlt 169 beziehungsweise 289 Euro pro Monat.

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