Darum gehts
- Horacio Pagani spricht über Inspiration und Entwicklung seiner Luxusautos
- Pagani vereint Kunst und Wissenschaft nach Leonardo da Vincis Lehren
- Pagani-Team umfasst zwölf Designer, Durchschnittsalter der Mitarbeiter beträgt 32 Jahre
Herr Pagani, Sie stammen aus einfachen Verhältnissen. Ihr Vater war Bäcker und Ihre Mutter Künstlerin. Inwiefern haben die Berufe Ihrer Eltern Sie geprägt?
Horacio Pagani: Da mein Vater als Bäcker arbeitete, machte meine Mutter zu Hause alles selber. Sie hatte grosses handwerkliches Geschick, nähte unsere Kleidung und strickte Pullover in 20 verschiedenen Farben von Hand. Dazu spielte sie Klavier und malte. Sie hat mir die Leidenschaft fürs Schöne weitergegeben.
Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Autos?
Ich lasse mich von überall inspirieren. Hauptsächlich von der Natur, aber auch von der Neugier und sowohl von schönen als auch von hässlichen Dingen.
Obwohl Sie das letzte Wort haben, sind sie bestimmt nicht der einzige Designer bei Pagani?
Nein, es arbeiten zwölf weitere Designer hier im Haus. Fünf davon sind schon seit über zehn Jahren an meiner Seite und der Chefdesigner – quasi meine rechte Hand – sogar seit 20 Jahren.
Die endgültige Form vom Auto kommt also immer von Ihnen?
Bei unseren Autos gehen wir stets unserer Philosophie nach: Den künstlerischen mit dem wissenschaftlichen Teil vereinen – gemäss den Lehren von Leonardo da Vinci. Früher kam die endgültige Form der Autos von mir, weil ich der einzige Designer war. Heute arbeiten wir im Team und versuchen auf Kunden-Feedback einzugehen. Dieses wandeln wir dann in ein Konzept um. Um dann zur endgültigen Form der Autos zu gelangen, ist es ein langer Weg – ein Auto besteht schliesslich aus rund 8000 Teilen. Und das ohne Motor.
Sie haben vor drei Jahren den Utopia vorgestellt. Wie beginnt solch ein neues Kapitel bei Pagani?
Als wir im 2016 mit der Entwicklung des Utopia anfingen, bemerkte ich, dass viele Kunden noch immer nostalgisch auf den Zonda blickten und einige Designelemente wollten, die an ihn erinnern. In der Entwicklungszeit entstanden rund 4000 Zeichnungen, bevor wir dann die ersten Modelle im Massstab 1:5 umsetzten. Davon gab es am Ende zehn Stück, ehe wir das beste Design auf zwei lebensgrosse Utopia-Modelle aus Holz und Harz übertragen haben, welche wir als Designmodelle bezeichnen. Ein Kunde merkte auch an, dass moderne Autos komfortabler sein sollten als ältere. Solche Wünsche und Bedürfnisse haben wir gesammelt und in die Gestaltung einfliessen lassen.
Haben Sie schon ein Auto entworfen, das sogar für Pagani zu viel des Guten war?
Wenn wir ein Auto präsentieren, kommt es nicht immer sofort gut an. Wir haben Kunden unterschiedlichen Alters, die verschiedene Bedürfnisse und Geschmäcker haben. Deshalb bauen wir zum einen Autos, die eher für die Rennstrecke geeignet sind wie den Imola. Aber auch elegantere Fahrzeuge wie den Utopia. Letztlich müssen wir unsere Kundinnen und Kunden zufriedenstellen.
Gibt es auch Kundenwünsche, die Sie nicht umsetzen können?
Wir geben dem Kunden immer die Möglichkeit, seine Kreativität einzubringen. Solange man das Fahrzeug noch zulassen kann und wir die Dynamik nicht zu stark verändern, ist alles möglich. Wenn eine Kundin also beispielsweise die Karosserie mit Gold überzogen haben möchte, dann tun wir das, weil sie uns schliesslich dafür bezahlt.
Gibt es ein Modell, auf das Sie besonders stolz sind?
Ich persönlich verliebe mich nicht zu fest in meine Autos. Denn wenn man sich in etwas verliebt, riskiert man, die Objektivität zu verlieren. Deshalb versuche ich, mir von aussen ein Bild zu machen. Ein Auto, das ich in meinem Alter gerne in der Garage hätte, wäre ein Huayra Codalunga. Ich liebe Autos mit langem Heck, deshalb bin ich auch ein grosser Fan vom Porsche 917 Langheck.
Geboren 1955, wuchs Horacio Pagani in Argentinien auf. Scho als kleiner Junge war sein Interesse an europäischen Sportautomarken riesig. Er eröffnete gegen den Willen seiner Eltern eine Werkstatt, in der er Barstühle und landwirtschaftliche Geräte entwarf, aber auch das Formel-2-Fahrzeug fürs argentinische Renault-Rennteam konstruierte.
Mit 28 Jahren wanderte Pagani nach Italien aus und erhielt einen Job bei Lamborghini. Dort trug er massgeblich zum Design des Countach Evolutione bei und verantwortete später den Bau des Countach 25th Anniversary. Später verliess Pagani Lamborghini und gründete 1991 sein eigenes Unternehmen Modena Design, das sich auf die Entwicklung von Karbonfasern fokussierte.
Tagsüber arbeitete Pagani als Zulieferer für Marken wie Renault, Daihatsu, Dallara oder auch fürs Ferrari-F1-Team. In der Nacht tüftelte er an seinem eigenen Projekt. Die ersten Boliden präsentierte Pagani am Genfer Autosalon 1993 – und konnte dort den damaligen Mercedes-Chefingenieur und späteren Konzernchef Dieter Zetsche (72) davon überzeugen, ihm für seinen Sportwagen den Sechsliter-12-Zylinder-Motor von Mercedes zu überlassen. 1999 präsentierte Pagani das fertige Auto in Genf: den Zonda C12. Die Messlatte der Supersportwagen wurde gesetzt und eine neue Ära, die bis heute anhält, begann.
Geboren 1955, wuchs Horacio Pagani in Argentinien auf. Scho als kleiner Junge war sein Interesse an europäischen Sportautomarken riesig. Er eröffnete gegen den Willen seiner Eltern eine Werkstatt, in der er Barstühle und landwirtschaftliche Geräte entwarf, aber auch das Formel-2-Fahrzeug fürs argentinische Renault-Rennteam konstruierte.
Mit 28 Jahren wanderte Pagani nach Italien aus und erhielt einen Job bei Lamborghini. Dort trug er massgeblich zum Design des Countach Evolutione bei und verantwortete später den Bau des Countach 25th Anniversary. Später verliess Pagani Lamborghini und gründete 1991 sein eigenes Unternehmen Modena Design, das sich auf die Entwicklung von Karbonfasern fokussierte.
Tagsüber arbeitete Pagani als Zulieferer für Marken wie Renault, Daihatsu, Dallara oder auch fürs Ferrari-F1-Team. In der Nacht tüftelte er an seinem eigenen Projekt. Die ersten Boliden präsentierte Pagani am Genfer Autosalon 1993 – und konnte dort den damaligen Mercedes-Chefingenieur und späteren Konzernchef Dieter Zetsche (72) davon überzeugen, ihm für seinen Sportwagen den Sechsliter-12-Zylinder-Motor von Mercedes zu überlassen. 1999 präsentierte Pagani das fertige Auto in Genf: den Zonda C12. Die Messlatte der Supersportwagen wurde gesetzt und eine neue Ära, die bis heute anhält, begann.
Gerüchten zufolge soll 2026 ein elektrischer Pagani erscheinen. Wie ist hier der Entwicklungsstand?
Eigentlich hätte der Utopia neben der V12-Verbrennerversion auch eine elektrische Variante erhalten sollen. Nachdem wir sehr viel Zeit in die Entwicklung investiert hatten, mussten wir das Projekt leider aufgeben. Der Grossteil der Kundschaft interessiert sich noch nicht für einen elektrischen Supersportler – sie schätzen den V12-Motor.
Wird es Ihrer Meinung nach in zehn Jahren immer noch neue Autos mit Verbrennungsmotoren geben?
Ich persönlich glaube, dass die Welt noch nicht bereit für die E-Mobilität ist. Wenn man gewisse Weltregionen betrachtet, sieht man, dass das noch ein paar Jahre dauern könnte. Zudem spielen auch die Behörden und deren Entscheidungen eine wichtige Rolle. Die Vorgabe der EU, dass alle Autos ab dem Jahr 2035 rein elektrisch sein müssen, war wohl etwas voreilig. Aktuell finde ich Hybridautos die beste Lösung für den Alltag.
Sie haben mit 69 Jahren bereits ein gewisses Alter erreicht und viel Berufserfahrung gesammelt. Wie schätzen Sie die Zukunft von Pagani ein?
Das Durchschnittsalter unserer Mitarbeitenden beträgt 32 Jahre. Durch kontinuierliche Investitionen haben wir uns umfassendes Wissen in allen relevanten Bereichen der Automobilherstellung erarbeitet. Wir entwickeln autonom die Fahrzeugdynamik, führen Simulationen durch und gestalten die elektronischen Steuergeräte sowie die aktive Aerodynamik und das Getriebe. Zudem verfügen wir über erfahrene Teammitglieder, die seit mehr als zehn, manche sogar seit zwanzig Jahren bei uns sind. Die Mischung aus Erfahrung und Jugend verdeutlicht die Stärke und das Potenzial unseres Teams. Seit 2003 habe ich am Aufbau eines robusten Teams gearbeitet, damit Pagani auch ohne meine Anwesenheit erfolgreich bleibt. Und heute bin ich davon überzeugt, dass wir dieses Ziel erreicht haben.