Darum gehts
- VW präsentiert den ID.3 Neo als umfassend überarbeitetes Modell
- Neues Design, optimierte Bedienung und effizientere Elektrotechnik für den Kompaktstromer
- Maximale WLTP-Reichweite 630 km, Preise voraussichtlich ab rund 33'000 CHF
Wenn ein Auto den Zusatz «Neo» trägt, erwartet man meistens ein komplett neues Modell. Beim kompakten VW-Stromer ID.3 ist das nicht ganz der Fall. Stattdessen handelt es sich um eine umfassende Modellpflege, mit der Volkswagen die bestehenden Schwächen beheben will. Im Kern ist der ID.3 Neo das Auto, das der ID.3 eigentlich zum Marktstart Ende 2019 hätte sein sollen.
Der ID.3 bleibt weiterhin ein wichtiges Modell für Volkswagen. 2025 verkaufte der Hersteller rund 78'000 Exemplare. Doch das Kompaktsegment ist heute deutlich umkämpfter als noch vor sechs Jahren. Unterhalb des ID.7 kann sich VW keine Mittelmässigkeit leisten – auch wegen der Konkurrenz von Renault, MG, BYD und dem Technikbruder Cupra Born. Der Neo ist daher ein notwendiger Schritt.
Feine optische Anpassungen
Äusserlich fällt die Überarbeitung dezent aus, um die konservative Kundschaft nicht zu verschrecken. Dennoch ist die Veränderung klar erkennbar: Die Front wirkt weniger rund und zeigt das neue ID-Gesicht mit schmaleren Scheinwerfern. Auch die Wagenfarbe dominiert nun stärker statt der schwarzen Heckklappe – insgesamt wirkt das Design stimmiger und hochwertiger.
Auch die Proportionen wurden leicht angepasst. Mit 4,28 Metern ist der Neo minimal länger, etwas flacher und steht dadurch sportlicher da. An Platzangebot und Kofferraum (385 bis 1267 Liter) ändert sich jedoch nichts. Der Neo bleibt ein kompakter Allrounder mit solidem Raumangebot, aber ohne grosse Überraschungen beim Nutzwert.
Optimierter Innenraum
Wichtiger als der Platz ist jedoch das neue Innenraumgefühl. VW hat die Kritik verstanden: Statt viel Hartplastik gibt es nun weichere Oberflächen, neue Stoffe und gepolsterte Armlehnen. Auch die Bedienung wurde verbessert: So kehren echte Tasten am Lenkrad und klassische Elemente für die Klimasteuerung zurück. Damit korrigiert der Neo die frühere Überdigitalisierung. Modern bleibt er trotzdem mit 10,25-Zoll-Kombiinstrument und 12,9-Zoll-Touchscreen.
Technisch legt der Neo ebenfalls zu. Der neue Elektromotor liefert bis zu 350 Nm Drehmoment und ist in drei Leistungsstufen erhältlich: 170 PS (125 kW), 190 PS (140 kW) oder 231 PS (170 kW). Die drei Batterien haben eine Kapazität von 50, 58 und 79 kWh und ermöglichen WLTP-Reichweiten zwischen 417 und 630 Kilometer. Damit verbessert sich die Effizienz spürbar gegenüber dem bisherigen ID.3, der maximal 568 Kilometer weit stromerte.
Schwächen beim Laden
Bei der Ladeleistung sieht das Bild wieder anders aus. Der Fortschritt der MEB+-Plattform liegt laut VW im Niveau der dauerhaften Ladeleistung, nicht in den kurzzeitigen Spitzenwerten. Die grosse 79-kWh-Batterie des Neo erreicht mit bis zu 183 kW praktisch die gleiche Schnellladeleistung wie der heutige Pro S mit 185 kW und verspricht 10 bis 80 Prozent in 26 bis 29 Minuten. Bei den kleineren Batterien gibt VW maximal 105 kW am Schnelllader an – deutlich unter den Spitzenwerten des Vorgängers ID.3 Pure mit bis zu 145 kW und des Pro mit maximal 165 kW.
Grund dafür ist die Zusammensetzung des Akkus. Beim ID.3 Neo spricht sehr viel für Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) bei den kleineren beziehungsweise mittleren Batterien und für eine energiedichtere NMC-Chemie (Nickel-Mangan-Kobalt) bei der grossen 79-kWh-Version. Allerdings sollte man bei einem derart umfassenden Facelift durchaus mit einer Reduzierung der Ladedauer rechnen. Immerhin bietet der VW ID.3 Neo jetzt One-Pedal-Driving und Vehicle-to-Load. Beides gehört bei Elektroautos des Jahres 2026 zum guten Ton. Hier zieht VW also nach, statt vorzulegen.
Neue Namen zum selben Preis?
Die Ausstattungslinien heissen künftig Trend, Life und Style statt wie bisher Pure, Pro und Pro S. Doch wichtiger: VW wertet den ID.3 Neo spürbar auf. Trends wie Sprachsteuerung mit ChatGPT, Wireless-App-Verbindungen, eine 10-Farben-Ambientebeleuchtung und viele weitere werden dabei integriert. Optional erhältlich sind das 3D-ähnliche Head-up-Display, Premium-Soundsystem von Harman Kardon sowie der neue Connected Travel Assist, der erstmals auch auf rote Ampeln reagiert.
Zu den Preisen macht VW noch keine Angaben. Uns dient deshalb der heutige ID.3 als Referenz: Der aktuelle ID.3 Pure startet bei 33'300 Franken, der Pro bei 37'400 Franken und der Pro S bei 41'500 Franken. Teurer sollte der Neo nicht werden, weil er sonst dem hausinternen Konkurrenten Cupra Born ins Gehege kommt.