Darum gehts
- Nach fast sechs Jahren Bauzeit wird jetzt die Mercedes S-Klasse überarbeitet
- Autonomes Fahren Level 3 entfällt, neu nur noch Level 2+ möglich
- Feinschliff bei den Antrieben: Plug-in-Hybride bieten rund 100 Kilometer rein elektrische Reichweite
Es sei vorweg verraten: Die grosse Revolution bleibt diesmal aus. Lange den Atem anhalten brauchen wir nicht. Denn es ist keine Neu-, sondern lediglich eine Weiterentwicklung – wenn auch eine umfassendere – der aktuellen Mercedes S-Klasse.
Es ändert sich bei der ab Anfang Februar bestellbaren (erst dann werden auch die Preise kommuniziert) und ab Ende Mai erhältlichen Neuauflage des Mercedes Flaggschiffs kaum Grundlegendes. Reine Elektroantriebe bleiben weiterhin dem EQS vorbehalten. Dafür tritt die «neue» S-Klasse mit neuen Scheinwerfern vorne wie hinten sowie einem neuen, deutlich standesbewussteren Kühlergrill auf. Viel ist das optisch allerdings nicht.
Viel Detailschliff innen
Im Interieur geniessen die Insassen den bekannten S-Klasse-Luxus mit Grossbildschirmen vorne wie hinten, jetzt abnehmbaren Fernbedienungen und einer neuer Technik für Videokonferenzen. Punkto Sicherheit lassen bis zu 15 Airbags, heizbare Sicherheitsgurte und zahllose Fahrerassistenzsysteme kaum Wünsche offen. Durch ein erweitertes Manufaktur-Programm mit mehr als 150 Lack- und 400 Innenraumfarben lässt sich zudem jede S-Klasse nahezu nach Belieben individualisieren.
Solcher Detailschliff steht der S-Klasse gut. Und der neu illuminierte Mercedes-Stern auf der Fronthaube ist eine ebenso nette wie imageträchtige Spielerei – und technisch herausfordernd. Allerdings wird es dieses Lichtspiel in Deutschland und bei uns in der Schweiz vorerst mal nicht geben. Gleiches gilt für die Fahrerassistenzstufe 3 beim Mercedes Drive Piloten, die in Deutschland bisher immerhin bis maximal Tempo 95 auf Autobahnen für viel Geld zu bekommen war.
Hatten die Mercedes-Fans (und wohl auch die Konkurrenz) mit der aktuellen Modellpflege auf eine Erhöhung der autonomen Höchstgeschwindigkeit bei Level 3 auf mindestens Tempo 120 – und so auf einen deutlich höheren Realnutzen – gehofft, werden sie enttäuscht. Denn statt einer Tempoerhöhung fällt die optionale Fahrerassistenzstufe Level 3 komplett weg. So wird die neue S-Klasse auf Level 2+ zurückgestuft und damit der Technik des deutlich kleineren CLA angepasst. Argumente für diese Entscheidung beim Mercedes-Aushängeschild sind trotz niedriger Kaufquote des Systems nur schwer zu finden.
Überarbeitete Antriebspalette
Auch wenn sonst vieles beim Alten bleibt, wurden die Antriebe überarbeitet. Das gewohnt breite Motorenportfolio besteht aus den Sechszylindermodellen S 350d 4matic (313 PS/230 kW), S 450d 4matic (367 PS/270 kW), S 450 4matic (381 PS/280 kW), den Plug-in-Hybriden S 450e (326 PS/240 kW), S 500 4matic (449 PS/330 kW) sowie dem Achtzylinder S 580 4matic (537 PS/395 kW, 750 Nm) – je nach Modell als Normal- und Langversion. Die elektrifizierten Plug-in-Versionen bieten eine rein elektrische Reichweite von rund 100 Kilometern. Der leistungsstarke Zwölfzylinder bleibt der gepanzerten Version des S 680 Guard 4matic vorbehalten.
Später folgen dann noch sportlichere AMG- und luxuriösere Maybach-Varianten. Alle neuen S-Klasse-Modelle sind durch eine neue Fahrzeugelektronik durch das Bediensystem MB.OS ebenso vernetzt, wie es bisher nur der neue Mercedes CLA war. Serienmässig bleibt die Luftfederung; auf Wunsch bietet das S-Modell unabhängig vom Radstand zusätzlich einen elektronischen Wankausgleich und eine um bis zu zehn Grad mitlenkende Hinterachse.
Zugegeben, die Modifikationen bei einer neuen Mercedes S-Klasse waren schon innovativer. Diesmal begnügen sich die Stuttgarter mit einem Feinschliff und Detailänderungen an ihrem Flaggschiff. Ob das reicht, um Käufer und Käuferinnen bei der Stange zu halten oder gar Neue zu finden?