Darum gehts
- Chinesische Autoindustrie überholt westliche Hersteller bei Technologie und Marktanteilen.
- Denza Z: Elektro-Roadster mit über 1000 PS für 60’000 Franken.
- Leapmotor-SUV D19 erreicht bis zu 700 km Reichweite, 2027 erhältlich.
China gilt seit Jahren als wichtigster Automarkt der Welt. Doch im einst gelobten Land der westlichen Hersteller, in dem die Umsätze lange Zeit nur so sprudelten, tobt heute ein knallharter Verdrängungskampf, bei dem sich die einheimischen Hersteller längst von den einst führenden globalen Playern aus Europa und den USA emanzipiert haben.
Nicht nur beim Elektroantrieb fahren die zahllosen chinesischen Marken längst auf Augenhöhe – bei Zukunftsthemen wie dem autonomen Fahren bauen BYD, Geely und Co. ihren technologischen Vorsprung kontinuierlich aus. Die diesjährige Messe in Peking zeigt aber auch, dass sich die bisher dominanten westlichen Marken – allen voran die deutschen Autobauer – nicht einfach kampflos der scheinbar übermächtigen chinesischen Autoindustrie geschlagen geben. Wir haben aus den fast 200 Weltpremieren der Auto China 2026 die spektakulärsten Highlights und Techniktrends zusammengetragen.
Billig war gestern
Die Zeiten, in denen sich Chinas Hersteller vor allem über kleine, günstige Stromer definierten, scheinen vorbei. Gefragt sind heuer vor allem SUVs und Vans im Oberklasse- und Luxussegment. So rollt Nio den ES9 ins Rampenlicht: einen vollelektrischen Luxus-SUV mit 900-Volt-Architektur und bis zu 600 kW Ladeleistung. Nicht weniger imposant: die Top-Variante des Oberklasse-SUVs L9 vom bei uns noch unbekannten Hersteller Li Auto. Der Li L9 Livis trumpft mit astronomisch hohen Rechenleistungen, einer aktiven 800-Volt-Federung und Steer-by-Wire-Technologie auf. Platzhirsch BYD präsentiert mit dem Sealion 08 ebenfalls ein neues SUV-Flaggschiff, das als eines der ersten Autos des chinesischen Autogiganten das ultraschnelle Flash-Charging nach Europa bringen soll.
Schnell, schneller, Denza
Als eines der Messehighlights zählt ohne Frage der Roadster Z von BYDs Edelmarke Denza. Das Cabrio in atemberaubender Optik verspricht mit über 1000 PS Supersportwagen-Leistung, ebenso wie der Sealion 08 modernste Schnellladetechnik und einen Preis, der die Konkurrenz von West bis Ost nervös machen dürfte. Der technologisch hochgerüstete Denza Z soll wie der gerade in Europa vorgestellte Edelkombi Z9 GT die Akkus in weniger als zehn Minuten vollladen und – zumindest in China – kaum mehr als 60’000 Franken kosten. Ein Schnäppchen gegenüber vergleichbaren Modellen von Maserati, Porsche, Ferrari und Co.
Mehr Reichweite, bitte
Dass nicht alles rein elektrisch ist, was auf dem chinesischen Markt glänzt, zeigt exemplarisch Leapmotor. Die in Europa unter dem Dach des Stellantis-Konzerns agierende Budgetmarke zeigt mit dem D19 ein neues SUV-Flaggschiff, das nicht nur als reine E-Version mit bis zu 700 Kilometern Reichweite, sondern ebenfalls mit sogenanntem Range-Extender auf den Markt kommt – ein Trend, der sich auch bei vielen weiteren Herstellern beobachten lässt. Bei diesem Antriebskonzept sorgt im Gegensatz zum Plug-in-Hybrid der Verbrenner einzig für die Stromversorgung des grossen Batteriepakets, womit Reichweiten von über 1000 Kilometer möglich sind.
Das smarte Comeback
Zurück zu den Wurzeln gehts hingegen bei Smart, wo man seit der Übernahme von Geely (u.a. Volvo, Polestar, Lotus) 2019 zum Elektro-SUV-Hersteller aufgestiegen ist. Nach der 4,70 Meter langen und bis zu 649 PS starken Familienrakete #5 im letzten Jahr zeigt Smart in Peking den Nachfolger des Cityzwergs Fortwo. Noch ist der rund 2,80 Meter kurze #2 nur eine Studie, die Serienversion mit knapp 300 Kilometern Reichweite wird im Herbst enthüllt. Zu den Schweizer Händlern rollen dürfte der #2 2027 für weniger als 20’000 Franken.
Die Robotaxis kommen
Die Pekinger Messe strotzt vor Autos, die nicht nur mit Motorpower und Schnellladeleistungen punkten wollen, sondern mit Chips, Sensorik, Betriebssystemen, KI-Modellen und Sprachlogik. Das autonome Fahren und eine KI-gestützte Bedienung stehen auch bei Geely im Fokus. Der Megakonzern präsentiert mit dem Eva Cab ein vollständig für den autonomen Betrieb entwickeltes Robotaxi ohne Lenkrad, das bereits ab 2027 in Serie gehen soll. Bis 2030 will Geely 100’000 Einheiten des rollenden Wohnzimmers, das mit seinen aufgesetzten Scheinwerfern ein wenig an den Fiat Multipla erinnert, über den eigenen Fahrdienst CaoCao Mobility auf die Strasse bringen.
VWs Hoffnungsträger
Mit gleich vier Weltpremieren tritt VW gegen die chinesische Übermacht in Peking an. Im Zentrum der Offensive steht die bereits 2019 ausgegliederte Submarke Jetta, die VW mit dem Showcar Jetta und der SUV-Studie Jetta X aufleben lässt. Die neuen E-Modelle der Submarke sind für das sogenannte Smart-Entry-Segment konzipiert und sollen bereits bei umgerechnet rund 10’000 Franken starten. Der Plan steht: Bis 2028 sollen unter Jetta vier New-Energy-Modelle starten. Darunter auch Plug-in-Hybride und Varianten mit Range-Extender.
BMW und Mercedes im Gleichschritt
Fast könnte man meinen, Deutschlands Edelrivalen BMW und Mercedes hätten sich für den Auftritt in Peking abgesprochen. Beide Hersteller zeigen sowohl ihre aufgefrischten Flaggschiffe 7er- und S-Klasse, die sich in China weiterhin grosser Beliebtheit erfreuen, als auch die globalen Elektro-Hoffnungsträger: Bei BMW sind das die «Neue Klasse»-Modelle i3 und iX3, bei Mercedes der direkte iX3-Konkurrent GLC sowie die Limousine CLA. Länderspezifisch bieten sie alle auf Wunsch verlängerte Radstände, womit sich etwa der GLC in der zweiten Reihe mit zwei luxuriösen Einzelsitzen ausstatten oder direkt als Sechssitzer ordern lässt.
Audis Ringen um Relevanz
Audi steckt in China in einer tiefen Krise: Aus dem einst stolzen Platzhirsch ist ein Herausforderer geworden, der sich bei einigen Modellen neuerdings sogar von den vier Ringen im Grill verabschiedet hat. Nachdem sich der 2025 gezeigte E5 Sportback trotz Rabatten schlechter verkaufte als gewünscht, soll nun der E7X die Wende bringen: Der Elektro-Crossover mit wahlweise 300 oder 500 kW ist das erste Modell der chinesischen Schwestermarke aus lokaler Entwicklung und Produktion.