Betrug mit Oldtimern
Die falschen Alten

Der kürzlich versteigerte Magnum-Ferrari sorgte wieder mal für Spekulationen über Betrügereien. Das falsche Spiel mit teuren Fahrgestellnummern ist in der Oldtimerbranche leider keine Seltenheit – wie auch der Fall Kienle zeigt.
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Vor zwei Wochen versteigerte ein US-Auktionshaus in Palm Beach einen Ferrari 308 GTS aus der 1980er-Kultserie «Magnum P. I.» für 379’500 Dollar.
Foto: IMAGO/mptv

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Der Ferrari aus «Magnum P. I.» wurde für 379’500 Dollar versteigert, seine Echtheit wird jedoch angezweifelt
  • Betrügereien mit Fahrgestellnummern bei wertvollen Oldtimern kommen recht häufig vor
  • Der Fall Kienle zeigt exemplarisch, wie solche Fälschungen funktionieren
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Raoul SchwinnenRedaktor Auto & Mobilität

Vor gut zwei Wochen versteigerte das Auktionshaus Barrett-Jackson in Palm Beach (Florida, USA) einen Ferrari 308 GTS aus der 1980er-Kultserie «Magnum P. I.» für 379’500 Dollar (hier geht es zur Geschichte). Sehr viel Geld für den kleinen Ferrari. Zumal es im Vorfeld der Auktion Zweifel an der Echtheit des Fahrzeugs gab. So fragte das deutsche Magazin «Autobild» ganz direkt: Ist dieser Magnum-Ferrari echt? Das Auktionshaus antwortete, dass Dokumente – darunter Briefe des renommierten Schweizer Ferrari-Historikers Marcel Massini aus Volketswil ZH und des Ferrari-Registers – dieses Auto als eines der ersten Exemplare aus der Pilotfolge von «Magnum P. I.» mit dem Titel «Don’t Eat the Snow in Hawaii» und der frühen Dreharbeiten zur ersten Staffel der CBS-TV-Serie identifizieren würden.

Kleine Schummelei, grosse Wirkung

Aber weitere Recherchen der «Autobild»-Redaktion lassen zumindest Zweifel offen. Der jetzt in Palm Beach versteigerte Magnum-Ferrari hat die Fahrgestellnummer 28251. Schon im Februar 2026 versuchte jedoch eine andere Firma in Greensboro (North Carolina), einen Ferrari 308 GTS mit identischer Fahrgestellnummer, aber andersfarbigem Interieur, zu versteigern. Wurden hier zwei verschiedene Autos als ein und dasselbe Fahrzeug angeboten, fragt «Autobild» – und hat bis heute keine schlüssige Antwort bekommen. Für den stolzen neuen Besitzer des Magnum-Ferrari hoffen wir, dass er keinem Betrug aufgesessen ist.

Denn solche kommen in der Oldtimerszene immer wieder vor – und können für die Betrüger finanziell lukrativ sein. Nehmen wir das Beispiel des Magnum-Ferrari. Ein normaler 308 GTS ohne Filmgeschichte oder prominenten Vorbesitzer wird in der Schweiz zwischen 70’000 und 80’000 Franken gehandelt. Schummelt ein Fälscher mit relativ geringem Aufwand beim Auto (Tausch der Fahrgestellnummer) und bei den Papieren, erhöht sich der Wert eines normalen Ferrari 308 zum Magnum-Ferrari quasi über Nacht um das Fünffache.

Der Fall des Klaus Kienle

Fälschungen bei wertvollen Oldtimern sind also keine Seltenheit. Allein 2022 wurden gemäss Mercedes bei über 620 Razzien weltweit mehr als 1,6 Millionen Modelle beschlagnahmt. Ein Fall mit Schweizer Bezug, der vor fünf Jahren für grosse Schlagzeilen sorgte, betraf den renommierten Mercedes-Restaurator Klaus Kienle (1948–2025) aus Heimerdingen bei Stuttgart (D). Der frühere Mercedes-Mitarbeiter hatte sich 1984 selbstständig gemacht, und seither waren teure Klassiker seine Welt. Kunden aus aller Welt liessen ihre exklusiven Mercedes-300-SL-Flügeltürer und Roadster bei ihm und seinen hoch qualifizierten Handwerkern restaurieren.

Trotzdem war der Betrieb gemäss Insidern öfters knapp bei Kasse. Und in der Not begann der wackere Kienle zu tricksen. Er verkaufte 2011 einen schwarzen Mercedes SL mit manipulierter Fahrgestellnummer nach Belgien. Nach einem Zivilprozess nahm er das Fahrzeug 2020 zurück – bot es aber zwei Jahre später gemäss Staatsanwaltschaft Stuttgart als Original mit angeblich einwandfreien Nummern wieder zum Verkauf an.

Filmreife Razzia

Öffentlich bekannt wurden die Manipulationsvorwürfe gegen den lange als rechtschaffen geltenden Kienle erst 2023, als das LKA Baden-Württemberg Ende Mai in filmreifer Manier Kienles Büro und Werkstatt durchsuchte – und offenbar mehrere Mercedes 300 SL, darunter zwei Flügeltürer mit identischen Fahrgestellnummern, beschlagnahmte. Die Ermittler vermuteten, dass Kienle Oldtimerkopien (Repliken) herstellte und verkaufte. Denn ausschlaggebend für die Razzia war ein Mercedes 300 SL Roadster, den Kienle 2019 als angeblich echt verkauft hatte, der aber die gleiche Fahrgestellnummer wie ein 300 SL Roadster trug, welcher sich nachweisbar stets in Schweizer Besitz befand.

Die Geschichte dazu: Der «Schweizer» Mercedes SL 300 war 1961 als gelbes Ausstellungsfahrzeug mit der Fahrgestellnummer 198042-10-002786 der Star des Genfer Autosalons gewesen. Danach wurde er gemäss dem Onlineportal zwischengas.com vom zwielichtigen Zürcher Geschäftsmann Hans-Ulrich Lenzlinger (1929–1979) gekauft. Also von jenem Mann, der Frauen, Geld und Raubtiere liebte. Der mit einem Gepard durch die Stadt Zürich spazierte, im Keller ein gut gehendes Bordell betrieb und 1979 in seiner Zürcher Wohnung erschossen wurde. Lenzlinger verkaufte 1969 den eleganten Roadster an den Schaffhauser Landwirt Heinrich Zollinger weiter, der den auffällig gelben Wagen später rot umlackieren liess. Wohl deshalb galt der ursprünglich gelbe Wagen lange als verschollen – und bot Fälschern die Möglichkeit, dessen Fahrgestellnummer illegal zu nutzen.

Kienle bestritt die Manipulationsvorwürfe

Als im Herbst 2022 der deutsche Oldtimerhändler Ralph Grieser Landwirt Zollinger dessen 300 SL abgekauft hatte und den Wagen offiziell zulassen wollte, erfuhr er von den deutschen Behörden, dass bereits ein anderer Mercedes 300 SL mit identischer Fahrgestellnummer existiert: ein 300 SL Roadster, der von der Firma Kienle 2019 zum Verkauf angeboten worden war. Dieser Wagen war vermutlich 1983 in Frankfurt (D) gestohlen worden. Damit er sich wieder verkaufen liess, wurde er gelb umlackiert und mit der Fahrgestellnummer des ursprünglich in Genf gezeigten gelben Originalfahrzeugs versehen. Vermutlich glaubten die Betrüger, das auffällige Original existiere nicht mehr.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart warf Kienle vor, das Auto selbst manipuliert zu haben – was er jedoch glaubhaft abstritt, weil die Manipulationen an den Fahrgestellnummern ziemlich stümperhaft ausgeführt waren. Ein neutraler Gutachter hielt in seinem offiziellen Bericht fürs Gericht jedoch fest, dass «für eine fachkundige Person mit Kenntnissen zum Modell 300 SL diese Manipulationen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszumachen waren.» Ein Seitenhieb gegen Kienle – der wohl einfach ein einträgliches Verkaufsgeschäft witterte und nichts sehen wollte.

Die Geschichte endete für Kienle übrigens unschön: Im Herbst 2023 musste seine Firma Insolvenz anmelden – wohl auch wegen des Skandals. Und während des noch laufenden Gerichtsverfahrens wurde er im Frühling 2025 tot in seinem Haus gefunden. Grund: Kein Suizid, Mord oder Totschlag, wie man vielleicht vermuten könnte – sondern eine ganz natürliche Todesursache.

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