Westliche Offizielle wegen neuer Russland-Strategie alarmiert
Wagner-Gruppe rekrutiert Europäer für Sabotage gegen Nato

Seit Jahren infiltrieren russische Agenten Nato-Kreise – nun mischt auch die Söldnergruppe Wagner mit. Laut einem «Financial Times»-Bericht sollen Ex-Mitarbeiter sozial benachteiligte Personen anheuern und diese für Sabotageakte gegen die Nato rekrutieren.
1/4
Soldaten der russischen Wagner-Gruppe in einem Bild von 2023.
Foto: AP

Darum gehts

  • Die Wagner-Gruppe führt Sabotageakte in Europa für den Kreml durch
  • Täter werden über soziale Medien rekrutiert, oft marginalisierte Personen
  • 2025: 21-jähriger Brite erhielt für Brandanschlag 23 Jahre Haft
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Die russische Söldnergruppe Wagner spielt laut westlichen Geheimdiensten eine Schlüsselrolle bei Sabotageakten in Europa, die vom Kreml organisiert werden. Wie die «Financial Times» berichtet, rekrutieren ehemalige Wagner-Mitarbeitende gezielt sozial und wirtschaftlich benachteiligte Europäer und Europäerinnen, um Sabotage-Angriffe auf Nato-Boden auszuführen.

Trotz der ungewissen Zukunft der Wagner-Gruppe nach dem gescheiterten Putschversuch gegen die russische Armeeführung im Juni 2023 und dem Tod ihres Gründers Jewgeni Prigoschin bleibt ihr Netzwerk aktiv. «Die GRU nutzt die Talente, die ihr zur Verfügung stehen», erklärte ein westlicher Geheimdienstmitarbeiter in Bezug auf die Verbindung zwischen Wagner und der russischen Militärgeheimdienstbehörde GRU.

Täter im Internet rekrutiert

Seit zwei Jahren intensiviert Moskau seine Sabotagekampagnen in Europa, mit dem Ziel, die Unterstützung westlicher Staaten für die Ukraine zu unterminieren und soziale Unruhen zu schüren. Nach der Ausweisung zahlreicher russischer Diplomaten aus EU-Staaten setzt der Kreml verstärkt auf Mittelsmänner wie Wagner, um Chaos zu stiften. Laut europäischen Geheimdienstquellen sind Sabotageakte wie Brandanschläge auf Lagerhallen für Ukraine-Hilfsgüter oder die Verbreitung rechtsextremer Propaganda Teil der Strategie.

Die Täter, sogenannte «Wegwerfagenten», werden häufig über soziale Medien rekrutiert. «Wagner hatte bereits ein Netzwerk von Propagandisten und Rekrutierenden, die ‹ihre Sprache sprechen›», sagte ein europäischer Beamter. Diese Rekrutierten seien oft marginalisierte Personen, die ohne klare Perspektive leben und leicht durch finanzielle Anreize zu Gewalttaten bewegt werden könnten.

Ein prominentes Beispiel ist der Fall des 21-jährigen Briten Dylan Earl, der 2024 ein Lagerhaus in Ost-London anzündete, nachdem er über soziale Medien von Wagner kontaktiert und rekrutiert wurde. Später warb er vier weitere junge Männer an. Earl wurde 2025 zu 23 Jahren Gefängnis verurteilt.

Auch kriminelle Netzwerke werden genutzt

In der Urteilsverkündung betonte Richterin Cheema-Grubb: «Die verborgene Hand des Internets zeigte ihre Wirkung, als anonyme Rekrutierer in verschlüsselten Chatrooms junge Männer fanden, die bereit waren, sich radikalisieren zu lassen und ihr Land für vermeintlich leicht verdientes Geld zu verraten.»

Neben Wagner nutzt die russische Inlandsgeheimdienstbehörde FSB laut westlichen Geheimdiensten auch kriminelle Netzwerke und Diaspora-Gruppen für ihre Operationen. Diese Strategien gelten jedoch als weniger effizient. Auf sozialen Medien, insbesondere auf Telegram, hat Wagner seine Propaganda ausgeweitet und gezielt internationale Zielgruppen angesprochen. «Sie kennen ihr Publikum», so ein europäischer Beamter zur «Financial Times».

Die Ursprünge dieser digitalen Manipulation liegen in der Arbeit Prigoschins, der einst die berüchtigte Internet Research Agency in Sankt Petersburg betrieb. Trotz der komplexen Netzwerke haben europäische Sicherheitsbehörden Erfolge erzielt. So wurden bislang mehr Angriffe vereitelt als durchgeführt. Dabei zeigt sich, dass Moskau durch den Einsatz von Mittelsmännern zwar Kosten spart, aber auch an Effizienz und Geheimhaltung einbüsst. Die Aktivitäten der Wagner-Gruppe bleiben unter strenger Beobachtung europäischer Sicherheitsdienste.

Heiss diskutiert
    Meistgelesen