Tierschützer Robert Marc Lehmann legt Blumen für getötete Paviane nieder
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Aktivisten vor Nürnberger Zoo:Tierschützer legen Blumen für getötete Paviane nieder

Weil das Gehege zu klein wurde
12 gesunde Paviane im Deutschen Zoo getötet – und an Löwen verfüttert

Tierschützer kritisierten die geplante Tötung von Guinea-Pavianen im Tiergarten Nürnberg scharf. Sie warfen dem Zoo eine «Entsorgungsmentalität» vor. Nun sind 12 Paviane tot. Sie sollen an andere Tiere verfüttert worden sein.
Publiziert: 29.07.2025 um 17:00 Uhr
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Aktualisiert: 29.07.2025 um 19:14 Uhr
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Seit 1942 hält der Tiergarten Nürnberg als einziger Zoo in Deutschland Guinea-Paviane.
Foto: imago stock&people

Darum gehts

  • Tiergarten Nürnberg tötet 12 Guinea-Paviane aufgrund von Platzmangel
  • Zoo suchte seit 2011 nach Lösungen, einschliesslich Geburtenkontrolle und Abgabe
  • Tierschützer sind empört, reichen Anzeige ein
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

In der Natur werden sie immer seltener – denn der Lebensraum der Guinea-Paviane ist bedroht. Doch im Tiergarten Nürnberg in Deutschland wird die Affenart zum Problem. Es gibt zu viele Tiere, das Gehege ist zu klein. Daher wurden nun zwölf Tiere getötet werden, wie der Tiergarten gegenüber «Bild» und «Focus» bestätigte. Laut den Tierschützern von Pro Wildlife soll der Tierpark es abgelehnt haben, die Tiere in andere Einrichtungen zu verfrachten – obwohl diese Bereitschaft signalisiert hatten.

Mehrere Tierschutzaktivisten stürmten den Tiergarten. Den Tod der Tiere konnten sie aber nicht mehr verhindern. Auch die Polizei war vor Ort, wie «Bild» schrieb. Der Zoo hatte am Dienstag überraschend nicht geöffnet. Aus betrieblichen Gründen, wie es hiess.

Dem Blatt zufolge versammelten sich rund 20 Demonstranten vor dem Tierpark. Eine Gruppe von zehn Aktivisten stürmte am Nachmittag das Zoogelände. Dort wurden sie aber schnell festgenommen, wie eine Polizeisprecherin in der bayerischen Stadt sagte. Eine Aktivistin habe sich dort offenbar festgeklebt, ergänzte die Sprecherin.

«Diese Tötung war vermeidbar»

Wie «Bild» weiter berichtete, wurden die Tiere in Transportkisten getötet. Im Anschluss sollen sie an Geier und Löwen verfüttert worden sein. Zwei Tiere entkamen diesem Schicksal, sie starben schon durch das ihnen injizierte Narkosemittel. Tiergartenvizechef Jörg Beckmann sagte im Rahmen einer Medienkonferenz, dies sei noch nie passiert. Drei Männchen und neun Weibchen seien getötet worden. Wer die tödlichen Schüsse abgab, wollte der Vize-Zoochef nicht bekannt geben.

Nach der vollzogenen Tötung der gesunden Guinea-Pavianen haben die Artenschutzorganisation und die Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht (DJGT) gemeinsam Strafanzeige gegen die Zooleitung gestellt. Die Organisationen sehen in dem Vorgehen einen klaren Verstoss gegen das Tierschutzgesetz und fordern strafrechtliche Konsequenzen für die Verantwortlichen.

«Was wir befürchtet hatten, ist eingetreten: Gesunde Tiere mussten sterben, weil ein Zoo über Jahrzehnte verantwortungslos gezüchtet und keine nachhaltigen Lösungen entwickelt hat», kritisiert Laura Zodrow, Sprecherin von Pro Wildlife. «Diese Tötung war vermeidbar und ist aus unserer Sicht rechtswidrig.» Was die Tierschützer zudem schockiert: Nach der Tötung will der Tiergarten erneut mit den Pavianen züchten.

«Wir wollen weiter versuchen, Tiere abzugeben. Das Töten der Paviane wird aber in den nächsten Jahren zum Erhalt der Population nötig bleiben», sagte Zoochef Dag Encke. Der Zoo macht am Mittwoch wieder regulär auf. Dann rechnet Encke erneut mit den Protestlern, die aber auch beim legalen Betreten der Einrichtung herausgeworfen würden, wenn sie sich nicht benähmen.

Aktivisten sehen Verstoss gegen Tierschutzgesetz

Bereits Ende Mai hatte Pro Wildlife den Tiergarten Nürnberg aufgefordert, von seinen Tötungsplänen abzusehen. «Jetzt sollen Tiere die Konsequenzen jahrelanger verfehlter Zucht- und Haltungspolitik mit ihrem Leben bezahlen», kritisierte Zodrow schon damals. «Das ist völlig inakzeptabel und verstösst gegen das Tierschutzgesetz.»

Der Zoo stellte Ende Mai auf Anfrage von Blick klar: «Bisher gibt es keinen Beschluss zur Tötung einzelner Tiere. Wir werden demnächst erneut in unserer Tierschutzkommission beraten, wie es weitergeht.» Das hat sich nun offensichtlich geändert. «Wir sind uns bewusst, dass diese Entscheidung für viele Menschen schwer zu verstehen ist, dass sie dadurch irritiert, betroffen oder wütend sind», schrieb der Tiergarten am Dienstag.

Ebenfalls brisant: Dag Encke, Direktor des Tiergartens Nürnberg, wurde erst kürzlich zum neuen Präsidenten des Verbands der Zoologischen Gärten (VdZ) gewählt. Die Mitglieder sprachen sich ohne Gegenstimmen für Encke aus, der nun als Verbandspräsident die Standards aller deutschen Zoos massgeblich mitbestimmen wird. «Dass ausgerechnet derjenige, der die Tötung gesunder Tiere als Managementmethode vorantreibt, nun den gesamten Zooverband repräsentiert, ist ein verheerendes Signal», kritisiert Zodrow am Dienstag.

Verhütung der Männchen nicht sinnvoll

Seit 1942 hält der Tiergarten Nürnberg als einziger Zoo in Deutschland Guinea-Paviane. Mittlerweile leben dort 45 Tiere in einem Gehege, das ursprünglich für 25 Affen konzipiert wurde. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Bestand der Guinea-Paviane in der freien Wildbahn als potenziell gefährdet ein. Denn der Lebensraum der Primaten schwinde, und der Mensch stelle der Affenart nach.

Der Tiergarten Nürnberg suche seit 2011 in enger Abstimmung mit den Kolleginnen und Kollegen des Erhaltungszuchtprogramms EEP des Europäischen Zooverbandes (EAZA) nach einer vernünftigen Lösung für seine Guinea-Paviane, insbesondere die Abgabe an andere Einrichtungen. Auch die Geburtenkontrolle durch Verhütungsimplantate bei mehreren Weibchen wurde durchgeführt.

Eine Verhütung der Männchen sei nicht sinnvoll, da bereits ein Männchen die Weibchen decken könne. Generell sei die Fortpflanzung nicht nur aus genetischen oder gesundheitlichen Gründen wichtig, sondern trage auch zum Sozialleben bei. Der Tiergarten sehe sich dabei in der «Verantwortung, eine sozial funktionierende, gesunde, vielfältige und fortpflanzungsfähige Gruppe zu halten».

Gute Haltung und Zuchterfolge führen zu Platzproblemen

Der Tierpark habe zwar mehrere Angebote erhalten, wo die Affen untergebracht werden könnten. Allerdings fehlten jeweils «grundlegende Informationen zu den Haltungsbedingungen», und dadurch habe man nicht prüfen können, ob die Affen auch gut untergebracht wären.

Weiter stellt der Zoo klar: «Für die Paviane wurde die Winterhaltung bereits um ein Vielfaches erweitert, sodass die Haltungsbedingungen für die geplante Gruppengrösse zukunftsfähig verbessert wurde.» Es sei aber ein generelles Problem, dass gute Haltungsbedingungen und Zuchterfolge immer irgendwann zu Platzproblemen führen. «Eine Erweiterung der Paviananlage bedeutet keine Lösung des Problems, sondern nur einen zeitlichen Aufschub.»

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