Darum gehts
- Studie zeigt: Zuckerersatzstoff Sorbit erhöht Risiko für schwere Lebererkrankungen
- Sorbit kann in Fruktose umgewandelt werden und zu Fettleber führen
- WHO: Aspartam-Grenzwert bei 40 mg pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag
Schlecht für die Zähne und für die Hüften: Zucker ist ungesund. Also, wenn man zu viel davon isst und trinkt. Damit der süsse Zahn aber nicht zu kurz kommt, gibt es Süssstoffe oder Zuckerersatzstoffe. Kaum oder gar keine Kalorien und trotzdem voller Genuss. So das Versprechen.
Doch jetzt zeigt eine Studie, die in der Fachzeitschrift «Science Signalling» veröffentlicht wurde: Ein beliebter Zuckerersatzstoff kann das Risiko für schwere Erkrankungen der Leber erhöhen. Konkret geht es um Sorbit. Das ist ein Zuckeralkohol. Er kommt in natürlicher Form in reifen Früchten sowie in manchem Wein vor.
Weniger Bakterien, mehr Sorbit
Für die Studie untersuchten Wissenschaftler der Washington University in St. Louis die Darmbakterien von Zebrafischen. Mittels Antibiotika wurden die Bakterien abgetötet. Und sofort reicherte sich Sorbit an und gelangte in die Leber.
Und nicht nur das: Sie stellten fest, dass die direkte Zugabe von Sorbit zum Futter der Fische den gleichen Effekt hervorrief. Sobald wieder mehr Bakterien vorhanden waren, wurde das Sorbit wieder schnell abgebaut.
Risiko für Leberkrebs steigt
Das Problem: Wenn zu schnell zu viel Sorbit gebildet wird, können die Bakterien nicht alles aufspalten. Und so gelangt Sorbit in die Leber. Der Körper kann den Stoff dann zwar in Fruktose umwandeln. Doch zu viel Fruktose in der Leber kann zu einer Fettleber führen. Und das ist gefährlich.
Zunächst bemerken Betroffene nichts. Dann können Symptome wie Müdigkeit oder Appetitlosigkeit auftreten. Am Ende kann sich die Leber entzünden. Auch das Risiko für Leberkrebs steigt an. Klingt übel. Aber: Die Studie wurde an Fischen durchgeführt und nicht an Menschen, geben Experten zu denken. Und: Sobald die Fische kein Extra-Sorbit verabreicht oder die richtigen Bakterien bekommen hatten, gab es kein erhöhtes Risiko für die Leber.
Es ist nicht das erste Mal, dass es Bedenken gibt, was Süssstoffe und Zuckerersatzstoffe betrifft.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Süssstoff Aspartam im Jahr 2023 als «möglicherweise krebserregend» eingestuft. Der Süssstoff ist weit verbreitet – in Light-Getränken, Kaugummis sowie kalorienarmen Joghurts, Desserts und Süssigkeiten. Wenn nicht übermässig konsumiert, stelle das Süssmittel aber keine Gefahr dar.
Die empfohlene Höchstmenge von Aspartam liegt bei 40 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Den Grenzwert würde ein Mensch mit 70 Kilogramm Gewicht erst erreichen, wenn er an einem Tag neun bis 14 Dosen herkömmlicher Grösse mit stark aspartamhaltigem Diätgetränk trinkt, berichtete die WHO.
Ebenfalls im Jahr 2023 wurde eine Studie publik, für die 120 Probanden in sechs Gruppen aufgeteilt wurden. Vier der Gruppen nahmen über mehrere Wochen jeweils mehrere Portionen des Süssstoffs zu sich, die restlichen bekamen normalen Zucker oder gar nichts. Saccharin, Sucralose, Aspartam und Stevia wurden getestet.
Zwei der getesteten Süssstoffe fielen dabei besonders negativ auf: Saccharin und Sucralose. Obwohl die Portionen unter der täglichen Höchstmenge lag, erkannten die Forscher im Darm der Testpersonen erhebliche Unterschiede.
Die betroffenen Probanden konnten Zucker nach dem Versuch schlechter verwerten als davor – ihre Glukosetoleranz ist gestört. Die Störung ist eine Vorstufe zum Diabetes-Typ-2 und ein Risikofaktor für Übergewicht. Forscher vermuten den Grund für die Störung in der geänderten Bakterienvielfalt nach dem Süssungsmittel-Konsum.
In der Studie zeigte sich ausserdem: Sucralose kann die DNA beschädigen. Die betroffenen Zellen funktionieren nicht mehr richtig. Das kann zu Problemen führen, beispielsweise Stoffwechselstörungen oder Autoimmunkrankheiten.