Trump macht Nicolas Guillou das Leben schwer
«Die Sanktionen betreffen jeden Aspekt meines Alltags»

Nicolas Guillou, Richter am internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, leidet unter gegen ihn ausgesprochene US-Sanktionen. Seit August 2025 sind seine Kreditkarten gesperrt und digitale Dienste blockiert – selbst Hotelbuchungen werden so zur Herausforderung.
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«Die Sanktionen betreffen jeden Aspekt meines Alltags. Ich bin in die 90er Jahre zurückkatapultiert worden», sagt Nicolas Guillou.
Foto: ERRY LAMPEN / AFP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • US-Sanktionen treffen Richter Nicolas Guillou seit August 2025 massiv
  • Er kann keine Kreditkarten nutzen und keine Online-Zahlungen durchführen
  • Guillou fordert digitalen Euro als Schutz gegen US-Sanktionen in Europa
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Gina Grace Zurbrügg
Gina Grace ZurbrüggRedaktorin News

Wenn Nicolas Guillou (49) heute ein Hotelzimmer buchen will, bleibt nur der Griff zum Telefon. Nimmt er Online-Reservierungen vor, werden diese wenig später annulliert. Seine Kreditkarten sind gesperrt, digitale Bezahldienste blockiert. Selbst der Versand eines Gemäldes aus seiner bretonischen Heimat in die Niederlande scheiterte, ein US-Kurierdienst verweigerte den Auftrag.

Seit März 2024 ist Guillou Richter am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, seine Amtszeit läuft voraussichtlich bis 2033. Im August 2025 belegte ihn US‑Präsident Donald Trump (79) mit umfassenden Wirtschafts‑ und Handelssanktionen. Seither dürfen amerikanische Firmen, auch keine ihrer zehntausenden Tochterfirmen, von denen viele digitale Dienste anbieten, ihm Serviceleistungen anbieten. Guillou nennt sich im Gespräch mit der französischen Tageszeitung «Le Monde» eine «Testperson für den Mangel an digitaler Souveränität Europas».

Freunde auf einen Kaffee einladen? Unmöglich

Der Franzose arbeitete früher im Justizministerium in Paris und war für rund drei Jahre Justizattaché an der Botschaft in Washington. In der Zeit gewann er viele Freunde. «Ich darf keine amerikanischen Freunde mehr auf einen Kaffee einladen», sagt er. Jede geschäftliche Interaktion könnte für die US-Bürger strafbar sein. In einem Interview mit der Zeitung «Libération» berichtet er von seinem Leid:«Die Sanktionen betreffen jeden Aspekt meines Alltags. Ich bin in die 90er-Jahre zurückkatapultiert worden.»

Der politische Auslöser

Grund der Sanktionen sind Haftbefehle wegen mutmasslicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Gazakonflikt. Guillou gehörte zu den Richtern, die entsprechende Anträge genehmigten, unter anderem gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu (75) und den damaligen israelischen Verteidigungsminister Yoav Galant (67). Washington erklärte die Ermittlungen für «unbegründet und illegitim». Insgesamt traf es sechs Richter und drei Staatsanwälte des Gerichtshofs, alle wurden auf die Liste der US-Sanktionen gesetzt, wodurch sie weltweit in ihrer Arbeit und im Alltag massiv eingeschränkt sind.

Der digitale Euro: Europas Schutzschild gegen US-Macht?

Auf Amazon, Airbnb, PayPal sind die Konten geschlossen. Bei American Express, Visa und Mastercard sind sie gesperrt. Selbst europäische Banken reagierten zurückhaltend, sobald Dollar-Transaktionen im Spiel waren. In Den Haag musste Guillou improvisieren. Online-Zahlungen wickelt er nun über das niederländische System iDEAL ab, eine Notlösung.

Guillou fordert eine eigene digitale Währung für Europa: den digitalen Euro, als echte Alternative zu Visa und Mastercard. «Nur so können wir unabhängiger werden und uns gegen extraterritoriale US-Sanktionen schützen», betont er. Ohne solche Infrastruktur bleibe Europa verletzlich, selbst für hochrangige Juristen wie ihn. Ein symbolisches Signal setzte auch der Internationale Strafgerichtshof: Im Oktober 2025 stellte er Teile seiner IT von Microsoft auf die europäische Open-Source-Lösung OpenDesk um.

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