Trotz Waffenruhe: Trump erwägt begrenzte Militärschläge gegen Iran
Von Daniel Kestenholz, Redaktor Nachtdienst
Die Friedensgespräche in Islamabad sind in der Nacht auf Sonntag gescheitert. US-Präsident Donald Trump weilt derweil in Florida, spielt Golf – und wägt seine nächsten Schritte ab.
Laut dem «Wall Street Journal» liegen dem Präsidenten mehrere Optionen auf dem Tisch: begrenzte Militärschläge als Druckmittel, eine Wiederaufnahme des Vollbombardements – oder die Seeblockade der Strasse von Hormus als vorerst schärfstes Mittel. Letztere läuft ab Montag, mit Fokus auf der Blockade iranischer Häfen. Trumps Berater halten einen neuen Vollkrieg für weniger wahrscheinlich – zu gross die Gefahr, weitere US-Munitionsreserven zu leeren und die eigene Wählerschaft zu verprellen. Auch international riskiert Trump zunehmende Isolation mit seinem Iran-Alleingang.
Die US-Bedingungen für Verhandlungen sind klar: Iran muss die Strasse von Hormus geführenfrei öffnen, sein Atomprogramm vollständig aufgeben, sein hochangereichertes Uran abliefern und die Finanzierung von Hisbollah und Huthis stoppen. Teheran zeigt sich bisher unbeeindruckt – trotz wochenlanger US-israelischer Bombardements und trotz Sanktionen, die das Land seit Jahrzehnten unter Druck setzen.
Die Waffenruhe zwischen den USA und Iran steht vor dem Zusammenbruch – wenn Iran unter dem wachsenden Druck nicht einlenkt. Dass Trumps USA ihre Druckpolitik plötzlich abschwächen, ist unwahrscheinlich. Begrenzte neue US-Militärschläge im Iran, so heisst es, sollen den Druck erhöhen, um Teheran zum Einlenken zu zwingen und die festgefahrenen Friedensgespräche wieder in Gang bringen.
US-Seeblockade in Hormus-Strasse beginnt am Montag
Von Daniel Kestenholz, Redaktor Nachtdienst
Die USA verschärfen den Druck auf Iran massiv: Das Regionalkommando United States Central Command (Centcom) setzt ab Montag, 16 Uhr MESZ, die Seeblockade in der Strasse von Hormus durch. Das gab Centcom auf X bekannt. Dabei wird ausdrücklich erwähnt, dass sich die Blockade auf Schiffe bezieht, «die in iranische Häfen ein- oder auslaufen». Damit ist es keine klassische, komplette Blockade der Meerenge, sondern eine zielgerichtete Kontrolle.
Die Abfangmassnahme folgt auf eine Erklärung von US-Präsident Donald Trump und betrifft demnach alle Schiffe, die iranische Häfen im Persischen Golf und im Golf von Oman anlaufen oder verlassen – unabhängig von ihrer Nationalität. Wer dem Iran Durchfahrtsgebühren bezahlt, wird abfgefangen. Für neutrale Schiffe bedeutet das freie Durchfahrt. Laut Centcom soll die Schifffahrtsfreiheit in der Strasse von Hormus nicht eingeschränkt werden. Handelsschiffe wurden bereits angewiesen, Funkkontakt zu halten und Anweisungen der US-Marine strikt zu befolgen.
US-Zerstörer haben am Samstag mit Minenräumungen begonnen, Grossbritannien entsendet Minensuchboote — wobei die Briten keine Schiffe der Royal Navy zur Blockade bereitstellen werden. Man arbeite aber mit Frankreich und anderen Partnern zusammen, um eine breite Koalition zum Schutz der Navigationsfreiheit zu bilden, heisst es aus London.
Iran äussert sich zu Trump-Drohungen
Von Natalie Zumkeller, Redaktorin am Newsdesk
Die Friedensverhandlungen in Islamabad endeten ohne Einigung, Trump droht weiter und die Strasse von Hormus soll blockiert werden – die momentane Lage im Nahen Osten bleibt angespannt.
Seit Trumps Äusserungen zu einer US-Übernahme der Kontrolle in der Strasse von Hormus blieb eine Reaktion aus dem Iran aus. Nun meldeten sich Offizielle über staatliche Nachrichtenagenturen – der Ton ist klar.
Wer sich der Strasse von Hormus mit militärischen Schiffen nähern würde, müsste mit einer «entschiedenen und kraftvollen Reaktion» rechnen, heisst es am Sonntagabend aus Teheran. Den Waffenstillstand würde man dann nämlich als «gebrochen» ansehen.
Wie das US-Kommando im Nahen Osten bereits am Samstag berichtete, hat die US-Marine bereits mit den Seeminen-Aufräumarbeiten in der Meerenge begonnen.
Dieses Narrativ kontern die iranischen Revolutionsgarden nun. Der Iran habe nach wie vor «volle Kontrolle» über die wichtige Handelsroute. «Entgegen den falschen Behauptungen bestimmter feindlicher Vertreter ist die Strasse von Hormus unter unserer Kontrolle und Verwaltung gemäss spezifischen Vorschriften für die Durchfahrt nichtmilitärischer Schiffe geöffnet.»
«Könnte den Iran in einer Stunde zerstören»
Von Natalie Zumkeller, Redaktorin am Newsdesk
Die Waffen ruhen, doch der Diskurs rund um den Krieg im Iran läuft weiterhin heiss. Trotz weltweiter Mangellage giesst vor allem US-Präsident Trump weiter munter Öl ins Feuer – so erklärte er am Sonntagnachmittag etwa, die US-Marine würde «mit sofortiger Wirkung» die Strasse von Hormus blockieren.
Doch wieso blockiert man eine Strasse, die bereits blockiert ist? Mein Kollege Michael Hotz erklärt dir die aktuelle Lage rund um den Kampf um die wichtige Handelsroute in diesem Artikel.
Kurz nach der Veröffentlichung seines Beitrags auf Truth Social gab Trump dem amerikanischen Fernsehsender Fox News ein Telefoninterview. Dort setzte er seine Tirade gegen den Iran fort. «Ich könnte den Iran an einem Tag, in einer Stunde zerstören», so der US-Präsident.
Was ihm besonders ein Dorn im Auge ist: Das iranische Atomprogramm. Bereits in seinem Truth-Social-Post betonte er, man habe zwar gute Gespräche im Rahmen der Friedensverhandlungen in Islamabad geführt, gescheitert sei eine Einigung aber einzig an der Atomfrage. «Sie waren in der einzigen, wichtigsten Frage sehr unnachgiebig», schrieb er.
Auch im Gespräch mit Fox News kam er darauf zurück. «Ich werde den Iran weiter zerstören, wenn sie ihr Nuklearprogramm nicht aufgeben», so Trump. Die Blockade der Strasse von Hormus soll sie nun zum Einlenken zwingen. «Ich prophezeie, dass sie zurückkommen und uns alles geben, was wir wollen. Ich will alles. Ich brauche nicht 90 Prozent, ich brauche nicht 95 Prozent. Ich will alles!»
Dabei helfen sollen ihm neue US-Waffensysteme. «Wir verfügen über eine neue Technologie zur Bekämpfung von Drohnen – computergesteuerte Geschosse, wie man sie nennt. Und Laser, die Drohnen schmelzen – das ist sehr spektakulär.»
Trump äussert sich zu gescheiterten Iran-Verhandlungen
Von Natalie Zumkeller, Redaktorin am Newsdesk
21 Stunden lang verhandelten die iranische und die amerikanische Delegation in Islamabad über einen Frieden. Die Hoffnungen waren gross – und auch die Enttäuschung, als US-Vize J. D. Vance nach dem Ende der Gespräche bekannt gab, dass man zu keiner Einigung gekommen sei.
Nun äussert sich auch der amerikanische Präsident Donald Trump zu den gescheiterten Verhandlungen – und zeichnet ein anderes Bild. Das Treffen sei gut gelaufen, nur ein Punkt habe die Gespräche zum Scheitern verurteilt. «Das Treffen verlief gut, über die meisten Punkte wurde Einigkeit erzielt, aber über den einzigen Punkt, der wirklich zählte – die ATOMFRAGE –, gab es keine Einigung.»
Besonders speziell: Trump kündigte an, die US-Navy werde die Strasse von Hormus blockieren – dies, obwohl die Öffnung der wichtigen Handelsroute immer seine Herzensangelegenheit war. «Mit sofortiger Wirkung wird die US-Marine, die beste der Welt, damit beginnen, alle Schiffe zu BLOCKIEREN, die versuchen, in die Strasse von Hormus einzufahren oder sie zu verlassen. Irgendwann werden wir eine Regelung erreichen, bei der ‹ALLE REIN DÜRFEN, ALLE RAUS DÜRFEN›, aber der Iran hat dies verhindert, indem er einfach behauptet: ‹Da draussen könnte irgendwo eine Mine liegen›, von der niemand ausser ihm etwas weiss.»
Die Blockade soll «in Kürze beginnen», wie Trump weiter schreibt. Auch andere Länder sollen sich offenbar daran beteiligen – welche Nationen damit genau gemeint sind, ist bisher unklar.
Weiter droht er auch anderen Schiffen, die trotzdem die Durchfahrt wagen und dem Iran dafür eine Gebühr zahlen: «Ich habe ausserdem unsere Marine angewiesen, jedes Schiff in internationalen Gewässern aufzuspüren und abzufangen, das eine Gebühr an den Iran gezahlt hat. Niemand, der eine illegale Gebühr zahlt, wird auf hoher See sicheren Durchgang haben.
Bereits gestern verkündete Trump, man habe begonnen, die Minen in der Meerenge zu entfernen. Auch Centcom, das Nahost-Kommando der US-Army, bestätigte den Einsatz. Nun legt Trump noch einen drauf und droht: «Jeder Iraner, der auf uns oder auf friedliche Schiffe schiesst, wird IN DIE HÖLLE GESCHOSSEN!»
Der Respekt, der die amerikanische Verhandlungsdelegation seinem iranischen Counterpart in Pakistan entgegengebracht habe, sei so nicht erwidert worden. «Meine drei Vertreter wurden im Laufe der Zeit – wenig überraschend – sehr freundlich und respektvoll gegenüber den iranischen Vertretern, Mohammad-Bagher Ghalibaf, Abbas Araghchi und Ali Bagheri, aber das spielt keine Rolle, denn sie waren in der einzigen, wichtigsten Frage sehr unnachgiebig, und wie ich schon immer gesagt habe, von Anfang an und schon vor vielen Jahren: DER IRAN WIRD NIEMALS EINE ATOMWAFFE BESITZEN!»
Iran macht USA für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Nach den erfolglosen Friedensverhandlungen in Pakistan schieben sich die USA und der Iran gegenseitig die Schuld für das Scheitern der Gespräche zu. Schon am Sonntagmorgen sagte eine interne iranische Quelle der Nachrichtenagentur Fars, die US-Delegation habe sich geweigert, einem «vernünftigen Abkommen zuzustimmen». Darüber berichtete unter anderem CNN.
Jetzt meldet sich der Chef-Verhandler des Irans, Mohammad Bagher Ghalibaf (64), auf der Nachrichtenplattform X zu Wort. Er gibt dem Verhandlungspartner ganz konkret die Schuld am Scheitern der Gespräche. «Die Gegenseite konnte in dieser Verhandlungsrunde letztlich nicht das Vertrauen der iranischen Delegation gewinnen», schrieb er in einem Post. «Amerika hat unsere Logik und unsere Prinzipien verstanden, und nun muss es entscheiden, ob es unser Vertrauen verdienen kann oder nicht», führt er weiter aus.
Ghalibaf betonte auf X, dass der Iran den nötigen Willen dazu habe, ein Abkommen mit den USA zu schliessen. US-Vizepräsident J. D. Vance (41) verkündete seinerseits am Sonntag, die USA hätten dem Iran in Islamabad ihr «letztes und bestes Angebot» für einen Frieden unterbreitet. Laut Vance hat der Iran einige wichtige Forderungen der USA zurückgewiesen, weshalb die Gespräche scheiterten. Dazu gehöre beispielsweise das Fehlen einer festen Zusage Teherans, auf Atomwaffen zu verzichten, wie CNN berichtete.
Der Iran plant keine weiteren Verhandlungen
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran und Pakistan sind wohl kein Auftakt zu grösseren Verhandlungen. US-Vizepräsident J. D. Vance verkündete bereits, die USA hätten Teheran am Samstag in Islamabad ihr «letztes und bestes Angebot» für einen Frieden unterbreitet. Jetzt gab auch die iranische Regierung bekannt, keine Pläne für eine weitere Verhandlungsrunde zu haben. Das berichtet CNN mit Bezug auf die iranische Nachrichtenagentur Fars.
«Der Iran hat es nicht eilig», soll eine Quelle aus dem Umfeld des iranischen Verhandlungsteams der Nachrichtenagentur gesagt haben. Solange die USA keinem «vernünftigen Abkommen» zustimmen, werde sich auch am Status der Strasse von Hormus nichts ändern, sagte die Quelle weiter.
Laut dem iranischen Aussenministerium sind die beiden Parteien bei den Gesprächen in Pakistan nicht weit von einer Einigung entfernt gewesen. Meinungsverschiedenheiten über «zwei oder drei Schlüsselfragen» hätten ein Abkommen verhindert, sagte ein Sprecher dem staatlichen iranischen Fernsehsender IRIB. Vance hatte zuvor beispielsweise das Fehlen einer festen Zusage Teherans, auf Atomwaffen zu verzichten, als Kernproblem der Verhandlungen bezeichnet, wie CNN berichtete.
Die iranische Delegation verliess Pakistan um etwa sechs Uhr morgens Schweizer Zeit. Kurz davor hob die Air Force Two mit Vance an Bord in Richtung Washington D.C. ab. Die restliche US-amerikanische Delegation verliess Islamabad am Sonntagnachmittag, wie CBS News schreibt. Die Verhandlungen zwischen den beiden kriegsführenden Nationen waren ohne Einigung beendet worden. Mein Kollege Daniel Kestenholz hat die Gespräche während der Nacht in diesem Ticker begleitet.
Vance auf dem Rückweg in die USA, Trump beim Wrestling
Von Daniel Kestenholz, Redaktor Nachtdienst
US-Vizepräsident J. D. Vance liess auf Worte Taten folgen: Kurz nach der Pressekonferenz in Islamabad bestieg er die Air Force Two, um Islamabad in Richtung Washington zu verlassen. Teheran hat die roten Linien der USA zurückgewiesen. Vance blieb die Abreise mit leeren Händen. Vor dem Rückflug hatte er noch zu Journalisten gesagt, die Nicht-Einigung nach 21-stündigen Gesprächen seien «für den Iran viel mehr schlechte Nachrichten als für die Vereinigten Staaten von Amerika». Berichten zufolge reiste die gesamte US-Delegation zusammen mit Vance ab.
Nach Angaben des iranischen Aussenministeriums hing der Erfolg der Gespräche mit den USA von der Ernsthaftigkeit und dem guten Willen der amerikanischen Seite ab. Diese müsse von «ungerechtfertigten Maximalforderungen» abrücken und die legitimen Rechte Irans anerkennen. Innerhalb der vergangenen 24 Stunden seien die zentralen Verhandlungspunkte besprochen worden – darunter die Lage in der Strasse von Hormus, die Atomfrage, mögliche Reparationszahlungen, die Aufhebung der Sanktionen sowie ein umfassendes Ende des Krieges gegen den Iran und in der gesamten Region.
US-Präsident Donald Trump vertrieb sich die Zeit währenddessen demonstrativ mit etwas ganz anderem. Zusammen mit seinem Aussenminister Marco Rubio besuchte er eine Wrestling-Show in Miami. Mit dabei: diverse Familienmitglieder Trumps, so seine Kinder Tiffany und Donald Jr. Auch auf Truth Social äusserte sich Trump zunächst nicht zu den möglicherweise gescheiterten Iran-Verhandlungen.
Nach 21-stündigen Verhandlungen – USA machen Iran «letztes Angebot»
Von Daniel Kestenholz, Redaktor Nachtdienst
Die von Pakistan vermittelten Waffenstillstandsverhandlungen zwischen den USA und dem Iran sind nach fast 24-stündigen Gesprächen mit drei Runden in Islamabad vorerst gescheitert – oder vertagt. US-Vizepräsident J. D. Vance bekräftigte bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz, dass ein erster Verhandlungstag ohne Einigung beschlossen worden sei. «Wir haben in gutem Glauben verhandelt und den Iranern das angeboten, was wir konnten», sagte Vance, flankiert von seinen Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner. Die Frage, was nach der aktuellen zweiwöchigen Waffenruhe geschehen wird, bleibt somit ungeklärt. Vance sagte nur so viel: Den Iranern sei ein «letztes Angebot» vorgelegt worden.
«Die schlechte Nachricht ist, dass wir keine Einigung erzielt haben», verkündete Vance. Er erklärte, die US-Unterhändler hätten ihre Bedingungen klar dargelegt, der Iran habe sich jedoch gegen deren Annahme entschieden. Konkret auch, so Vance: «Wir haben vonseiten Irans keine positive Zusage bezüglich Atomwaffen erhalten.» Zudem: Iran beharrt darauf, dass die strategisch wichtige Strasse von Hormus erst nach einer endgültigen Friedensvereinbarung wieder geöffnet werde – trotz US-Forderungen nach einer sofortigen Öffnung. Gemäss iranischem Staatsfernsehen bestehen weiterhin «ernste Differenzen» über die Kontrolle der Meerenge.
Die US-Delegation habe die Verhandlungen mit «üblichen überzogenen Forderungen» behindert. Im ersten Teil der Gespräche ging es demnach um wirtschaftliche Fragen. Golfstaaten sollen Washington davor gewarnt haben, iranischen Forderungen nachzugeben. Das iranische Aussenministerium bestätigte, dass zahlreiche Botschaften zwischen Washington und Teheran zu Themen wie der Strasse von Hormus, dem Atomprogramm und den Sanktionen ausgetauscht worden seien. Vance liess eine mögliche Fortsetzung der Gespräche unerwähnt, während ein Reporter des iranischen Staatsfernsehens berichtete, die Verhandlungen würden am Sonntagmorgen fortgesetzt. Vance liess ein Türchen offen. Vor seiner Abreise aus Islamabad habe Washington ein «letztes und bestes Angebot» auf den Tisch gelegt. «Wir gehen mit einem sehr einfachen Vorschlag: einer Methode des gegenseitigen Verständnisses, die unser letztes und bestes Angebot darstellt.» Und er fügte hinzu: «Wir werden sehen, ob die Iraner es annehmen.»
USA und Iran verhandeln durch die Nacht
Von Daniel Kestenholz, Redaktor Nachtdienst
Erster Verhandlungstag ohne Durchbruch in Pakistan: Iranische und amerikanische Gesandte haben am Samstag in Islamabad erste zwei Gesprächsrunden geführt. Berichten zufolge lief der Verhandlungsmarathon mit einer dritten Runde bis vor 4 Uhr Ortszeit Sonntagfrüh. Konkrete Resultate blieben zunächst aus. Iranische Quellen werfen den Amerikanern unakzeptable Forderungen vor. Teherans Gesandschaft wird vom iranischen Parlamentspräsidenten Mohammad Bagher Ghalibaf angeführt. Ghalibaf und US-Vizepräsident J. D. Vance, Delegationsleiter der Amerikaner, trafen sich und reichten einander die Hand. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass amerikanische und israelische Luftangriffe erst vor sechs Wochen den iranischen Obersten Führer Ayatollah Ali Chamenei getötet haben und iranische Offizielle schworen, sein Blut zu rächen. Laut iranischen Quellen sassen jetzt in Islamabad auch Irans Aussenminister Abbas Araghtschi sowie die US-Sondergesandten Steve Wittkopf und Jared Kushner mit am Tisch. Die Gespräche sollen laut Irans halbamtlicher Nachrichtenagentur Tasnim trotz «ernsthafter Differenzen» am Sonntag fortgeführt werden.
Eine öffentliche Stellungnahme der US-Delegation zum Stand der Gespräche steht weiterhin aus. Zentraler Streitpunkt bleibt die Strasse von Hormus: Während die USA auf eine sofortige Öffnung der strategisch wichtigen Meerenge drängen, zeigt sich Teheran unnachgiebig. Die iranischen Revolutionsgarden warnen dabei, dass jeder Versuch von US-Kriegsschiffen, die Strasse von Hormus zu durchfahren, mit einer «entschlossenen Reaktion» beantwortet wird. Der Iran will die Passage erst nach einem endgültigen Friedensabkommen wieder freigeben. Laut US-Präsident Donald Trump seien Irans Drohungen jedoch reines Posieren. Teheran verfüge de facto über keine funktionstüchtigen Streitkräfte mehr, geschweige denn eine intakte Marine, um Drohungen durchzusetzen. Gegenüber Reportern sagte Trump am Samstag: «Ob wir ein Abkommen erzielen oder nicht, ist mir egal. Denn wir haben gewonnen.» Er warnte ausserdem China, dass es «grosse Probleme» bekommen werde, wenn es Waffen an den Iran liefere.
Vor Ort in Islamabad machte sich derweil Ernüchterung breit: Hunderte Journalisten verliessen nach Mitternacht nach einem langen, ereignislosen Wartetag langsam das Kongresszentrum, wo die Verhandlungen stattfinden. Einige der Journalisten harrten über 15 Stunden aus, ohne Updates von Delegationen oder Gastgeber Pakistan. Immerhin sorgten traditionelle pakistanische Live-Musik, ein reichhaltiges Buffet und eigens gebrandete «Brewed for Peace»-Kaffeebecher für etwas Ablenkung.