Darum gehts
- Selenski nennt erstmals 55’000 ukrainische Gefallene seit Februar 2022
- Westliche Schätzungen gehen von Hunderttausenden Toten aus
- Kiew meldete allein seit 2025 Rücktausch von 16’500 Leichnamen
Fast vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wagt Präsident Wolodimir Selenski (48) erstmals eine klare Zahl: 55’000 gefallene ukrainische Soldaten seit Februar 2022, sagte er im Interview mit dem französischen Sender France 2 unter Tränen. Eine Zahl, die sofort Diskussionen auslöste – und Zweifel. Die tatsächlichen Opferzahlen dürften weit düsterer sein.
Selenskis Angabe liegt weit unter nahezu allen westlichen Schätzungen. Die renommierte US-Denkfabrik CSIS beziffert die ukrainischen Verluste allein an Toten auf 100’000 bis 140’000. Zusammen mit Verwundeten und Vermissten käme die Ukraine bereits auf bis zu 600’000 betroffene Soldaten.
Unglaubwürdige Zahl
Auch unabhängige Plattformen zeichnen ein anderes Bild: ualosses.org zählt namentlich über 87’000 Gefallene und 86’000 Vermisste, während Mediazona auf russischer Seite mindestens 168’000 Tote dokumentiert. Beide Projekte betonen – die Dunkelziffer ist hoch.
Besonders auffällig ist der Widerspruch zu den eigenen ukrainischen Daten: Kiew meldete allein seit 2025 den Rücktausch von über 16’500 Leichnamen gefallener Soldaten. Wenn nur schon diese Zahl fast ein Drittel der von Selenski insgesamt genannten Opfer ausmacht, stellt sich die Frage: Wie vollständig ist seine Bilanz überhaupt?
Viel höhere russische Verluste?
Zusätzliche Irritation löste Selenskis jüngste Einschätzung zu Russland aus. Moskau, so der ukrainische Präsident, müsse «monatlich rund 50’000 Tote» hinnehmen, um militärisch entscheidend geschwächt zu werden. Kritiker fragen: Wenn Russland tatsächlich solche Verluste erleidet – wie glaubwürdig ist es, dass die ukrainischen Verluste vergleichsweise gering geblieben sind?
Dass Selenski vorsichtig formuliert, ist kaum überraschend. In jedem Krieg gehören geschönte eigene Zahlen und aufgeblähte gegnerische Verluste zur Strategie. Niemand will die Moral der Truppe gefährden – und schon gar nicht die Unterstützung der westlichen Partner.
Doch Bilder von wachsenden Militärfriedhöfen, überfüllten Lazaretten und unzähligen Vermisstenanzeigen zeichnen längst ein anderes, düsteres Bild. Der wahre Blutzoll dieses Krieges dürfte weit höher liegen, als Kiew zugeben mag.