Avi Motola in der «Rundschau»: «Es gab einige bewegende Momente»(00:30)

Schaffhauser Sniper Avi Motola (47) sass zehn Jahre hinter Gittern
Ukraine-Söldner drohte Verwahrung!

Der Schaffhauser Avi Motola gab verschiedenen Medien Einblick in sein Leben als Scharfschütze in der Ukraine. Nun zeigen Blick-Recherchen: In der Heimat hat er ein dickes Vorstrafenregister.
Publiziert: 06.02.2023 um 01:05 Uhr
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Aktualisiert: 07.02.2023 um 10:21 Uhr
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Als Schweizer Scharfschütze im Ukraine-Krieg: der Schaffhauser Avi Motola.

Wer ist der Schweizer Scharfschütze in der Ukraine wirklich? Der Schaffhauser Avi Motola (47) wurde Mitte Januar in verschiedenen Medien porträtiert und erzählte seine aussergewöhnliche Geschichte: Die Geschichte eines Schaffhauser Juden, der als Scharfschütze gegen Wladimir Putins (70) Armee in der Ukraine kämpft. «Ich bin nicht hier, um zu töten, sondern um Leben zu retten», sagt er im Schweizer Fernsehen. Und gibt auch in der «Aargauer Zeitung» freimütig Auskunft, obwohl ihm für das Kämpfen in einer fremden Armee in der Schweiz eine Haftstrafe droht. Nur etwas klammert der Söldner aus: Über seine Vergangenheit erfährt man in den Berichten wenig. Und das mit gutem Grund. Denn in der Schweiz war Motola unter verschiedenen Namen unterwegs, sass über ein Jahrzehnt hinter Gittern – und wäre fast verwahrt worden.

Recherchen von Blick zeigen eine Strafakte, die seit 2004 ständig dicker wird. Damals wurde er vom Bezirksgericht Hinwil im Kanton Zürich unter anderem wegen Diebstahl, Sachbeschädigung, Urkundenfälschung und Verletzung der Verkehrsregeln zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt. Dazu kommt der betrügerische Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage – ein Straftatbestand, der zum Beispiel bei Kreditkartenbetrug zur Anwendung kommt. Der Schaffhauser litt an schweren psychischen Problemen: Seine Strafe wurde für eine stationäre psychiatrische Therapie aufgeschoben, im Volksmund auch «kleine Verwahrung» genannt. Der Vollzug wurde damals an den Kanton Schaffhausen abgetreten.

Nach Monaten der Flucht mit Waffe erwischt

Denn auch im Kanton Schaffhausen war der Schweizer Scharfschütze straffällig geworden, kassierte hier 2005 eine weitere Verurteilung. Diesmal kamen auch Gewaltdelikte dazu: 25 Monate Haft wegen eines Raubversuchs, dazu Körperverletzung, Diebstahl, Drohung und Drogendelikte. Der schwerwiegendste Straftatbestand, der abgeurteilt wurde: Gefährdung des Lebens, womöglich aufgrund einer Auseinandersetzung mit Motolas damaliger Freundin.

2009 durfte er für einen Arbeitseinsatz in ein externes Wohnheim wechseln. Er türmte am ersten Tag und wurde erst vier Monate später im Kanton Glarus und im Besitz einer Waffe wieder gefasst. Im Jahr 2010, der Schaffhauser sass unterdessen in der Zürcher Strafanstalt Pöschwies, wurde seine Massnahme, die «kleine Verwahrung», um fünf Jahre verlängert.

Die Psychiater waren nicht zufrieden mit den Fortschritten des heutigen Scharfschützen. Denn 2017 wurde die stationäre psychiatrische Therapie abgebrochen. Stattdessen sollte Avi Motola ordentlich verwahrt werden – offenbar wurde seine Freilassung als zu risikobehaftet für die Allgemeinheit eingeschätzt.

Rückkehr in die Schweiz scheint unmöglich

Dagegen wehrte sich der damalige Anwalt des Snipers, der bekannte Zürcher Strafverteidiger Hugo Werren, erfolgreich. Dieser will sich mit Verweis auf das Anwaltsgeheimnis nicht äussern. Fakt ist aber: Statt verwahrt, wurde Avi Motola im August 2017 mit nur wenigen Tagen Vorlaufzeit auf freien Fuss gesetzt. Ein Vorgang, der auch Justiz-Insider überraschte: Nach so langer Zeit hinter Gittern, würde man erwarten, Gefängnisinsassen «mit der nötigen Sorgfalt» auf die Freiheit vorzubereiten, sagt einer, der über den Fall informiert ist.

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Tatsächlich wurde Motola offenbar wieder rückfällig. Wie die «Schaffhauser Nachrichten» schreiben, wird er auch jetzt wieder von den Schweizer Behörden gesucht. Das Bundesamt für Justiz bestätigte gegenüber dem Blatt, dass man ein Rechtshilfeersuchen an Israel gestellt habe, wo Motola vor seinem Ukraine-Einsatz zuletzt lebte. Diesmal steht wieder ein mögliches Vermögensdelikt im Fokus der Ermittlungen. Laut Blick-Recherchen könnte es um abgezweigte Pensionskassengelder gehen.

Dass ihm bei einer Rückkehr in die Schweiz oder die Europäische Union die Verhaftung droht, weiss der Söldner selber, nur schon wegen seines Fronteinsatzes: «Ich würde sofort verhaftet und in Untersuchungshaft gesetzt», sagt er im SRF-Interview. Und: «Es ist vieles illegal, das eigentlich richtig wäre.» Illegal, aber richtig – vieles von dem, was er auf dem Kerbholz hat, dürfte nicht in diese Kategorie fallen. Avi Motola reagierte nicht auf Anfragen von Blick. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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