Darum gehts
- Portugal bereitet sich nach drei Winterstürmen auf neue Unwetter vor
- Sorgen um gesättigte Böden und übervolle Staudämme verstärken Überschwemmungsgefahr
- 2,5 Milliarden Euro Hilfspaket und Notstand bis 8. Februar verlängert
Das von bereits drei Winterstürmen hart getroffene Portugal hat sich auf weitere Unwetter mit Überschwemmungen durch heftige Regenfälle vorbereitet. Die ersten Ausläufer eines Atlantiktiefs erreichten am Abend vor allem den Norden und das Zentrum des Landes.
Laut Vorhersage des nationalen Wetterdiensts Ipma zieht im Lauf der Nacht ein grösseres Regentief über ganz Portugal hinweg. «Wir bereiten uns auf den schlimmsten Fall vor», sagte die Bürgermeisterin von Coimbra, Ana Abrunhosa, dem staatlichen TV-Sender RTP. Es wurde befürchtet, dass Dämme und Deiche den befürchteten Wassermassen nicht standhalten könnten.
Nationaler Notstand verlängert
Nur eine Woche vor der Stichwahl um das Präsidentenamt verlängerte die Regierung in Lissabon den Notstand bis 8. Februar, wie RTP und andere portugiesische Medien berichteten. Damit sollen Hilfs- und Wiederaufbaumassnahmen erleichtert werden. Zudem beschloss die Regierung ein Hilfspaket in Höhe von 2,5 Milliarden Euro.
Schon für Dienstagabend wurde eine weitere Regenfront erwartet. Die Behörden riefen die Menschen auf, ihr Hab und Gut, Autos sowie auch Vieh rechtzeitig aus niedrig gelegenen Flächen entlang Flüssen und in der Nähe von Stauseen in Sicherheit zu bringen. Mit Überschwemmungen wurde vor allem entlang der Flüsse Mondego, Douro, Águeda und Tejo, der durch Lissabon fliesst, gerechnet.
Windgeschwindigkeiten über 200 Kilometer pro Stunde
Sorgen bereitet den Meteorologen vor allem, dass die Böden bereits sehr von den Niederschlägen der vorherigen Stürme gesättigt sind und kaum noch zusätzliche Wassermengen aufnehmen können. Damit steige die Gefahr von Überschwemmungen und Erdrutschen. Zudem seien Staudämme bereits randvoll und müssten aus Sicherheitsgründen Wasser ablassen, wodurch es zu weiteren Überschwemmungen kommen könne, berichtete TV-Sender RTP.
In den vergangenen zehn Tagen waren bereits drei schwere Stürme über Portugal hinweggefegt. Bei weitem am verheerendsten war der Sturm Kristin, der vergangenen Mittwoch vor allem die Mitte des Landes traf und schwere Verwüstungen anrichtete. Es wurden Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometer pro Stunde gemessen, was sonst eher bei tropischen Wirbelstürmen in anderen Weltregionen beobachtet wird.
Mehrere Tote durch Unwetter
Mindestens fünf Menschen kamen ums Leben, Hunderttausende Haushalte waren zeitweise ohne Strom und Internet. Der Verkehr wurde durch umgestürzte Bäume, Überschwemmungen und Erdrutsche stark beeinträchtigt. Tausende Dächer wurden beschädigt, durch die ungehindert Regenwasser in die Gebäude eindringt. Am Sonntagabend waren immer noch 167'000 Haushalte und Gewerbebetriebe ohne Strom, vielerorts waren auch Telefon- und Internetverbindungen betroffen.
Von Portugal aus ziehen die atlantischen Sturmtiefs weiter Richtung Osten nach Spanien, wo sie für nasskaltes und ungemütliches Winterwetter sorgen könnten. Auf Mallorca als liebster Ferieninsel der Deutschen aber schien am Sonntag noch überwiegend die Sonne bei angenehmen Temperaturen bis 16 Grad. Doch in der kommenden Woche könnte es nach Angaben des nationalen Wetterdienstes Aemet auch dort wieder Schauer geben. Und an einigen Stränden und Hafenmolen bestand weiter Gefahr durch hohen Wellengang.