Beim CDU-Parteitag in Stuttgart hat die ARD in der Sendung «Bericht aus Berlin» eine Szene ausgestrahlt, in der Angela Merkel applaudiert – eingebettet in den Kontext der Wiederwahl von Friedrich Merz als CDU-Chef. Das Problem: Zu dem Zeitpunkt der tatsächlichen Wahl war die Altkanzlerin nach übereinstimmenden Berichten gar nicht mehr im Saal. Also Applaus aus der Konserve.
Die Szene stammt nach ARD-Angaben vom Ende einer Merz-Rede, wurde aber so montiert, dass der Eindruck entsteht, Merkel klatsche direkt zum Wahlergebnis. In sozialen Medien und konservativen wie rechten Milieus machte daraufhin der Vorwurf die Runde, der öffentlich‑rechtliche Rundfunk betreibe gezielte Imagepflege für Merkel und Merz.
«Die ARD-Manipulation wird immer dreister», schrieb ein X-User stellvertretend. Aber auch der bekannte deutsche Medienjournalist Stefan Niggmeier schrieb in der «SZ»: «Falsches Bild, schon wieder.»
Die ARD räumte den Fehler ein, ersetzte die Sequenz in der Mediathek durch anderes Material und fügte einen Hinweis samt Entschuldigung hinzu. Gleichzeitig betonten Verantwortliche, das Material sei «echt», nur die zeitliche Zuordnung sei falsch gewesen.
Brisant: Auf dem Spartenkanal Tagesschau24 lief am Sonntagabend zunächst noch die ursprüngliche, unbereinigte Version weiter. Damit bekam die Debatte zusätzlichen Schub.
Es ist bereits der zweite Fall innert knapp einer Woche, in dem das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland ein schlechtes Bild abgibt.
Noch grössere Kreise zog der Fall mit gefakten oder aus dem Zusammenhang gerissenen Videos im «Heute Journal» des ZDF. Damals blendeten die Macher in einem Beitrag über die ICE-Truppen in den USA ein KI-generiertes Video ein, wo sogar noch das Wasserzeichen der Video-Engine Sora zu sehen war. Ein anderes Video war zwar echt, aber vier Jahre alt. Es zeigte einen Beitrag über eine Amokdrohung.
User vermuteten, dass das ZDF die Sequenzen extra eingefügt hat, um den Beitrag zu dramatisieren. In der Folge musste sich die Chefredaktorin am Live-TV entschuldigen – und die verantwortliche New-York-Korrespondentin Nicola Albrecht (50) wurde von ihrem Posten abgezogen (Blick berichtete).
«Wir haben einen Relotius-Moment»
Der Fall ist noch längst nicht ausgestanden. Am Montag gab es beim ZDF laut deutschen Medien dazu eine extra einberufene Betriebsversammlung mit über Tausend Teilnehmern, wo viele erzürnte Mitarbeiter sich Luft verschafften.
Wie der ehemalige «Tagesschau»-Redaktor Alexander Teske twittert, kritisierten viele die Entlassung Albrechts als «Bauernopfer». Darauf habe Chefredaktorin Bettina Schausten entgegnet: «Es waren schwere Fehler, sie war nicht offen und nicht einsichtig, sie sei kein Bauernopfer, auch für mich ist es eine Enttäuschung, denn ich habe sie vorgeschlagen.»
Dann ging der Aufruhr weiter. Die Leiterin der Redaktion ZDF Reportage befand im Call: «Wir haben einen Relotius-Moment.»
Der Baum brennt (immer noch) lichterloh.
Auf der Blick-Redaktion landen täglich Hunderte Bilder und Videos: von Fotografen, Agenturen, Pressemitteilungen, via Social Media und von Leserreportern. Falls Bedenken an der Echtheit aufkommen, überprüfen wir die Bilder/Videos durch bewährte journalistische Recherchemethoden und neu auch mit AI-Checks – sei es mit entsprechenden Tools (SynthID, Copyleaks etc.) oder mit einer mehrköpfigen Taskforce aus Spezialisten. Wenn wir Zweifel nicht ausräumen können, verzichten wir auf die Publikation. Sollte uns trotz aller Vorsicht ein Fehler unterlaufen, informieren wir transparent. Selbst eine Unstimmigkeit entdeckt? Schreib bitte an fehler@blick.ch.
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