Nach fehlerhafter Verwendung eines KI-Videos
ZDF zieht Konsequenzen und beruft US-Korrespondentin ab

Das ZDF hat nach einem umstrittenen TV-Beitrag die US-Korrespondentin Nicola Albrecht abberufen. Grund sind fehlerhafte Darstellungen, darunter ein ungekennzeichnetes KI-Video und aus dem Kontext gerissene Szenen.
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Dieses KI-Bild wurde dem ZDF zum Verhängnis.
Foto: ZDF

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • ZDF-Abberufung: Nicola Albrecht nach fehlerhaftem Beitrag sofort abgesetzt
  • KI-Video und alte Szene sorgten für Verstoss gegen ZDF-Standards
  • Beitrag vom 15. Februar, Schaden laut ZDF gross, Massnahmen geplant
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Daniel MacherRedaktor News

Nach dem umstrittenen Beitrag über Festnahmen durch die US-Einwanderungsbehörde ICE zieht das ZDF personelle Konsequenzen: Die New-York-Korrespondentin Nicola Albrecht (50) wurde mit sofortiger Wirkung abberufen. Das teilt das ZDF mit.

Im Zentrum der Kritik steht ein Beitrag im «Heute Journal» vom 15. Februar. Darin wurde unter anderem ein KI-generiertes Video verwendet, das zeigte, wie eine Frau von ICE-Beamten abgeführt wird, während sich ein Kind an sie klammert. Zudem wurde eine weitere Sequenz ausgestrahlt, die zwar real war, jedoch aus dem Jahr 2022 stammte und aus dem ursprünglichen Kontext gerissen wurde.

«Der Schaden ist gross»

Wie das ZDF einräumt, hätte das KI-generierte Material gemäss internen Richtlinien nicht verwendet werden dürfen. Auch bei der zweiten Szene sei die nach journalistischen Standards erforderliche Überprüfung unterblieben. ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten (61) wird in der Mitteilung mit den Worten zitiert: «Der Schaden, der durch die Missachtung journalistischer Regeln entstanden ist, ist gross.» Es gehe «im Kern um die Glaubwürdigkeit unserer Berichterstattung». Man arbeite an einem Massnahmenkatalog, um die Einhaltung der Standards künftig sicherzustellen.

Der öffentlich-rechtliche Sender hatte sich im Vorfeld der personellen Entscheidung bereits für die Fehler entschuldigt. In der beanstandeten Sendung sei KI-generiertes Bildmaterial ohne Kennzeichnung und Einordnung verwendet worden. Zudem habe eine weitere Szene – die Festnahme eines zehnjährigen Jungen in Florida – zwar einen realen Vorfall gezeigt, dieser habe sich jedoch bereits 2022 im Zusammenhang mit einer angedrohten Gewalttat an einer Schule ereignet.

Fall wird zum Politikum

Die stellvertretende Chefredakteurin und Leiterin der Aktualität, Anne Gellinek, erklärte gemäss SDA, der Beitrag habe nicht den Standards des ZDF entsprochen und hätte so nicht gesendet werden dürfen. Der Sender entfernte die ursprüngliche Fassung von allen Plattformen. In der Mediathek war zwischenzeitlich eine überarbeitete Version abrufbar mit dem Hinweis: «Video aus redaktionellen Gründen nachträglich geändert.»

Auch politisch sorgt der Fall für Kritik. Nathanael Liminski, Medienminister in Nordrhein-Westfalen und Mitglied im ZDF-Fernsehrat, sprach gegenüber dem «Stern» von einem «No-Go». Der öffentlich-rechtliche Rundfunk habe den Auftrag, verlässliche Informationen zu liefern. Statt Desinformation und Deepfakes zu entlarven, sei hier selbst auf problematisches Material zurückgegriffen worden.

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