Nach gescheiterter «Operation Gedeón»
Weitere Festnahmen in Venezuela

Nach einer gescheiterten Kommandoaktion zur Entführung des Präsidenten Nicolás Maduro sind in Venezuela laut Medienberichten drei weitere Männer festgenommen worden.
Publiziert: 11.05.2020 um 17:47 Uhr
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Am Freitag haben US-Söldner die venezolanische Küste angegriffen.

Drei «Söldner» seien am Sonntag in der Gemeinde Colonia Tovar westlich der Hauptstadt Caracas gefasst worden, meldete der als regierungsnah geltende Sender Telesur am Montag. Bei ihnen handele es sich um Deserteure der venezolanischen Streitkräfte.

Seit dem 3. Mai waren nach offiziellen Angaben mehrere bewaffnete Gruppen von Kolumbien aus in Venezuela eingedrungen. Mindestens acht Menschen wurden bei Kämpfen mit Sicherheitskräften demnach getötet, zahlreiche weitere festgenommen. Hinter der «Operation Gedeón» soll die vom früheren US-Elitesoldaten Jordan Goudreau geleitete Söldnerfirma Silvercorp stecken. Offenbar wollten die Söldner Maduro festsetzen und in die Vereinigten Staaten bringen, wo er wegen Drogenhandels angeklagt wurde.

USA weist Vorwürfe von sich

Unter den in der vorigen Woche Festgenommenen waren nach venezolanischen Regierungsangaben auch zwei US-Söldner. Washington hat bestritten, hinter der Aktion zu stecken. Die USA und zahlreiche andere westliche Länder haben Madurós Gegenspieler Juan Guaidó als Staatschef anerkannt, der sich im Januar 2019 zum Interimspräsidenten erklärt hatte, aber über keine reale Machtbasis in dem südamerikanischen Land verfügt. (SDA)

Was in Venezuela passiert

Unter Nicolás Maduro, seit 2013 Präsident, schlitterte Venezuela in eine wirtschaftliche und humanitäre Krise. Die Inflationsrate lag zuletzt bei über einer Million Prozent. Viele Nahrungsmittel sind unbezahlbar, Medikamente kaum verfügbar. Dazu kommt: Venezuela hat eine der höchsten Mordraten der Welt. Allein in der Hauptstadt Caracas wurden vergangenes Jahr fast 3000 Menschen umgebracht. Die Polizei tötete im gleichen Zeitraum landesweit zwischen 5300 und 7500 weitere.

Über vier Millionen Venezolaner haben seit Beginn der Krise das Land verlassen. 1,4 Millionen von ihnen sind in Kolumbien. Die UNHCR vergleicht das Ausmass der Migrationskrise um Venezuela inzwischen mit jener in Syrien.

Steve Ellner, Politik- und Wirtschaftswissenschaftler in Caracas, sieht eine Mischung aus vier Dingen als Ursache für die Krise des Landes:

Bereits Maduros Vorgänger Hugo Chávez schreckte mit seiner Politik finanzstarke Unternehmen ab. Die sinkenden Ölpreise dämpften die Einnahmen des von Erdöl abhängigen Staates. Die USA sprachen rasch wirtschaftliche Sanktionen aus und unterstützen die venezolanische Opposition. Zudem regiert Präsident Maduro mit politischem Unvermögen und autoritärer Hand.

Unter Nicolás Maduro, seit 2013 Präsident, schlitterte Venezuela in eine wirtschaftliche und humanitäre Krise. Die Inflationsrate lag zuletzt bei über einer Million Prozent. Viele Nahrungsmittel sind unbezahlbar, Medikamente kaum verfügbar. Dazu kommt: Venezuela hat eine der höchsten Mordraten der Welt. Allein in der Hauptstadt Caracas wurden vergangenes Jahr fast 3000 Menschen umgebracht. Die Polizei tötete im gleichen Zeitraum landesweit zwischen 5300 und 7500 weitere.

Über vier Millionen Venezolaner haben seit Beginn der Krise das Land verlassen. 1,4 Millionen von ihnen sind in Kolumbien. Die UNHCR vergleicht das Ausmass der Migrationskrise um Venezuela inzwischen mit jener in Syrien.

Steve Ellner, Politik- und Wirtschaftswissenschaftler in Caracas, sieht eine Mischung aus vier Dingen als Ursache für die Krise des Landes:

Bereits Maduros Vorgänger Hugo Chávez schreckte mit seiner Politik finanzstarke Unternehmen ab. Die sinkenden Ölpreise dämpften die Einnahmen des von Erdöl abhängigen Staates. Die USA sprachen rasch wirtschaftliche Sanktionen aus und unterstützen die venezolanische Opposition. Zudem regiert Präsident Maduro mit politischem Unvermögen und autoritärer Hand.

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