Masche flog erst nach 8 Jahren auf
Tochter versteckt tote Mutter in Keller und kassiert Rente

In einem ruhigen deutschen Dörfchen flog ein extremer Fall von mutmasslichem Rentenbetrug auf: Eine Tochter versteckte ihre tote Mutter acht Jahre lang im Keller, um die Renten zu kassieren. Erst durch einen Besuch des Bürgermeisters flog die Masche auf.
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Eine Tochter in Deutschland sackte acht Jahre lang Rentengeld für ihre tote Mutter ein.
Foto: IMAGO/Herrmann Agenturfotografie

Darum gehts

  • Polizei fand mumifizierte Leiche einer Rentnerin im Februar in Ruhmannsfelden
  • Tochter lebte jahrelang mit der Toten zusammen, Nachbarn schöpften Verdacht
  • Mutter erhielt weiterhin 1500 Franken Rente, Ermittlungen wegen Betrugs laufen
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Natalie ZumkellerRedaktorin News

Ein schrecklicher Fund erschüttert die niederbayerische Gemeinde Ruhmannsfelden: Die Polizei entdeckte Anfang Februar die mumifizierte Leiche einer Rentnerin im Keller eines Wohnhauses. Nach Informationen von «Bild» hatte ihre Tochter Christa B. (82) offenbar jahrelang mit der Verstorbenen zusammengelebt.

Der Fall kam ans Licht, nachdem der örtliche Bürgermeister, Werner Troiber (63), misstrauisch wurde. Wie in vielen ländlichen Orten ist es in Ruhmannsfelden Tradition, älteren Bewohnern persönlich zum Geburtstag zu gratulieren. Sophie B., geboren 1922, wurde jedoch über Jahre hinweg nicht angetroffen.

«Die Sache stinkt»

Troiber berichtet: «Zum 95. Geburtstag wollte ich gratulieren, bin dreimal hingefahren – niemand hat geöffnet.» Auch später gab es immer wieder Ausreden. Zum 100. Geburtstag etwa erklärte die Tochter, ihre Mutter sei krank. Zum 103. Geburtstag habe sie behauptet, Sophie B. sei vor zwei Jahren in Tschechien gestorben. «Die Sache stinkt», entschied der Bürgermeister schliesslich.

Ende Dezember informierte er die Staatsanwaltschaft. Nachbarn hatten ebenfalls Verdacht geschöpft. «Sophie B. habe ich seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen», berichtete eine Nachbarin. Während der Corona-Zeit kochte sie regelmässig Essen für Christa B., das sie vor der Tür abstellte. «Ich habe immer nur für eine Person gekocht.»

Persönlicher Kontakt blieb aus, dafür fand sie jede Woche einen handgeschriebenen Dankesbrief im Briefkasten. Andere Anwohner beschrieben Christa B. als freundlich, aber extrem zurückgezogen. Besucher liess sie nicht ins Haus.

Todesursache unklar

Die Polizei schritt schliesslich zur Hausdurchsuchung und machte die grausige Entdeckung im Keller. Trotz angeordneter Obduktion konnte die genaue Todesursache von Sophie B. nicht geklärt werden. Auch wie lange die Leiche im Haus gelegen hatte, bleibt ungewiss. Hinweise auf ein Gewaltverbrechen fanden die Ermittler jedoch nicht.

Brisant: Laut «Bild» wurde die Versichertenkarte der Mutter seit über zehn Jahren nicht mehr genutzt. Dennoch erhielt Sophie B. weiterhin ihre Rente – rund 1500 Euro monatlich. Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft gehen nun dem Verdacht des Betrugs nach. Christa B. lebte bis zuletzt in der Doppelhaushälfte und begab sich mittlerweile freiwillig in eine Fachklinik, wie die Polizei mitteilt. Die Ermittlungen dauern an.

Sozialbetrugsfälle auch in der Schweiz

Ähnliche Fälle sind auch hierzulande bekannt: Eine Kosovarin im Kanton Luzern soll über acht Jahre wegen angeblichen Herzproblemen, Rückenschmerzen und psychischen Problemen IV bezogen haben. Schlussendlich kam ihr die Versicherung 2025 auf die Schliche – wie genau, ist unbekannt. Klar ist: Die Frau soll die Beschwerden und Leiden bloss simuliert haben, um die volle IV-Rente plus Kinderrente abzukassieren. Nun muss sie sich vor dem Luzerner Kriminalgericht wegen 173'000 Franken verantworten.

Ein besonders heftiger Betrugsfall ereignete sich zudem im St. Galler Rheintal. Miradije F.* gab an, dass sie nach einem Autounfall im September 2011 und daraus folgenden Leiden zu 100 Prozent arbeitsunfähig war. Die Staatsanwaltschaft warf ihr zudem vor, sich bereits ab 2003 IV-Leistungen erschlichen zu haben.

Insgesamt zockte F. zusammen mit ihrem Mann 680'000 Franken ab. F. wurde deswegen zu viereinhalb Jahre Gefängnis verurteilt, er kam mit einer bedingten Haftstrafe davon.

*Namen geändert

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