Sexistisch und beleidigend: Eine Auswahl von Tates aufsehenerregendsten Aussagen(01:48)

Kickboxer, Frauenhasser und Influencer
Das ist über Andrew Tates irres Leben bekannt

Die Fehde von Protz-Influencer Andrew Tate mit Klima-Ikone Greta Thunberg hat für den polizeilich gesuchten Frauenverachter ernste Folgen: Er wurde verhaftet. Doch wer ist der Mann überhaupt?
Publiziert: 30.12.2022 um 14:05 Uhr
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Aktualisiert: 30.12.2022 um 15:34 Uhr
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Festgenommen: Frauenhasser Andrew Tate wurde in Rumänien verhaftet.
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Chiara SchlenzAusland-Redaktorin

Andrew Tate (36) aus Grossbritannien ist die Ikone der Frauenhasser-Szene. Auf den sozialen Medien verbreitet er obskure Meinungen – Frauen gehören in die Küche, sollen nicht Auto fahren dürfen und sind das Eigentum eines Mannes.

Der Sexist sorgte zuletzt für Schlagzeilen, weil er sich mit der schwedischen Klima-Ikone Greta Thunberg (19) auf Twitter anlegte – und ordentlich einstecken musste. Als wäre es nicht schon peinlich genug, dass ein erwachsener Mann sich in aller Öffentlichkeit mit einer Teenagerin streitet und so zum Gespött wird, wurde der Macho-Influencer nun in Rumänien verhaftet. Die Vorwürfe: Entführung und Vergewaltigung von zwei Mädchen.

Wer Tate und sein «Lebenswerk» kennt, wird kaum überrascht sein. Schon lange verfolgen ihn diese Anschuldigungen. Kein Wunder: Er ist der Meinung, dass Vergewaltigungsopfer «die Verantwortung» für ihre Angriffe tragen müssen und geht mit Frauen im Alter von 18 bis 19 Jahren aus, weil er sie «prägen» kann, wie er in online veröffentlichten Videos erklärt. Doch wer ist dieser Mann, der gewaltvollen Frauenhass salonfähig zu machen versucht?

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Reichtum dank Hass und falschen Versprechen

Auf Instagram hat Tate 4,6 Millionen Follower und postet Fotos von protzigen Sportwagen, Privatjets und Jetskis. Wie kann er sich das alles leisten? Celebrity Net Worth, eine Website, die das Einkommen von Prominenten berechnet, schätzt Tates Vermögen auf rund 20 Millionen Dollar. Er selbst behauptet, er sei Billionär. «Ich bin stinkreich, aber ich habe es ganz allein geschafft», sagt er in einem Video.

Ein wichtiges finanzielles Standbein ist Tates Online-Kurs «Hustlers University 2.0». Ein Abo kostet 49 Dollar pro Monat. Für den Briten lukrativ. Für die Abonnenten weniger – laut «The Observer» handelt es sich um Abzocke. Denn statt zu lernen, wie man investiere, profitiere vor allem Tate selbst, so die britische Zeitung.

Neben seinen Geschäften im Internet hat Tate 2015 Geld von seinem verstorbenen Vater geerbt. Seine Karriere als Kickboxer dürfte ihm ebenfalls ein paar Dollar aufs Bankkonto gespült haben. Zudem verdient Tate eigenen Aussagen zufolge auch Geld mit einem Casino, das er in Rumänien betreibt.

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Tate verkörpert den «Alpha-Mann»

Vor allem ist Andrew Tate aber eine Identifikationsfigur für Männer, die sich von der zunehmenden Gleichberechtigung und Selbstbestimmung von Frauen bedroht fühlen. Tate verkörpert, «was ein junger Mann dieser Szene werden will: ein sogenannter ‹Alpha›. Ein Mann also, der die Frauen kriegt, Dominanz ausstrahlt, Geld hat», wie Sozialpsychologe Rolf Pohl (71) gegenüber Blick erklärte. Kein Wunder, dass seine Videos millionenfach geklickt werden und unsichere Männer ihn vergöttern.

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Was ist die «Manosphere»?

Die Szene besteht gemäss Pohl aus unterschiedlichen Männergemeinschaften im Netz. Diese würden Zusammenhalt und Orientierung versprechen – und sich klammheimlich radikalisieren.

Neben zahlreichen Randgruppen unterteilt sich die «Manosphere» in vier Hauptgruppen: Incels (involuntary celibates, also unfreiwillig Enthaltsame) sind Männer, die nicht in der Lage sind, eine Partnerin zu finden, aber glauben, einen Anspruch darauf zu haben. Antifeministen und Männerrechtler wiederum sind eine Gruppe, die als Gegenreaktion zum Feminismus bezeichnet wird. «Verführungskünstler» agieren als eine Art Selbsthilfegruppe für verunsicherte Männer, unterrichten diese aber hauptsächlich darin, Frauen zu verunsichern und zu manipulieren. Zum Schluss gibt es die Abgekapselten der Gruppe «Männer gehen ihren eigenen Weg», die Frauen komplett vermeiden.

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Die Gefolgschaft Tates ist treu. Auch in diesem neuesten Skandal weichen sie nicht von der Seite, sondern versuchen in den sozialen Medien, mit Vergewaltigungswitzen die junge Klimaaktivistin Thunberg zu diffamieren.

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Die Rolle Rumäniens

Der Brite Tate ist gemeinsam mit seinem Bruder Tristan Tate (34) nach Rumänien gezogen – weil die Strafen für Vergewaltigungen dort lascher sind als beispielsweise in den USA oder Grossbritannien. Dies sei «wahrscheinlich 40 Prozent des Grundes», warum er dorthin gezogen sei, sagt Tate in einem Video und fügt hinzu: «Ich bin kein Vergewaltiger, aber ich mag die Vorstellung, einfach tun zu können, was ich will. Ich mag es, frei zu sein.» Nun wurde er verhaftet.

Insgesamt gebe es bei den Ermittlungen vier Verdächtige, teilte die rumänische Anklagebehörde nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters mit. Ihnen werde vorgeworfen, eine kriminelle Bande gebildet zu haben, mit dem Ziel, «Frauen zu rekrutieren, unterzubringen und auszubeuten, indem sie dazu gezwungen werden, pornografische Inhalte für die Verwendung auf einschlägigen kostenpflichtigen Websites zu produzieren». Man habe inzwischen sechs Frauen ausfindig machen können, die von den Verdächtigen ausgebeutet worden seien.

Schon seit diesem Sommer laufen Ermittlungen gegen ihn wegen Verdacht auf Menschenhandel und Vergewaltigungen, jetzt haben die Handschellen geklickt – dank des Twitter-Streits mit Thunberg.

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Wie konnte er überführt werden?

Erst kursierte, ausgehend von einem Tweet einer US-Frauenrechtlerin, im Internet und in Medien die Vermutung, dass der erzürnte Frauenverachter den entscheidenden Hinweis für seine Verhaftung gleich selbst geliefert haben soll. Als Antwort auf die Greta-Schmach veröffentlichte er ein zweiminütiges Wutvideo – mit einer Pizzaschachtel im Vordergrund.

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Auf der Schachtel steht der Name des Lieferanten: Jerry's Pizza, eine rumänische Pizzakette. Tate, so die Vermutung, gab so Preis, dass er im Land war. Denn kurze Zeit später wurden er und sein Bruder abgeführt. Die rumänische Villa der beiden wird aktuell durchsucht, so «Euro Weekly News» am Freitagmorgen.

Dass Tate tatsächlich anhand eines Pizzakartons überfuhrt wurde, sei jedoch nicht richtig, stellt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft klar. «Das sind amüsante Spekulationen», sagt sie zur Nachrichtenagentur dpa.

Dafür ist eine weitere skurrile Fussnote der Geschichte korrekt. Dass Tate verhaftet wurde, hat mit zunehmendem Druck des Europarates, der führenden Menschenrechtsorganisation Europas, auf Rumänien, gegen Vergewaltigungen vorzugehen, zu tun. Der Name der EU-Expertengruppe? Group of Experts on Action against Trafficking in Human Beings. Kurz: GRETA.

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