Gletscherschmelze aufgehalten?
Forscher entdecken erstaunliches Phänomen am Himalaya

Forscher haben festgestellt, dass unter den Gletschern des Himalayagebirges die Temperaturen sinken statt steigen. Grund dafür ist ein Wetterphänomen, das auch Forscher vor ein Rätsel stellt. Doch in Schweizer Gletschern wird es nicht auftreten.
Publiziert: 03.01.2024 um 18:21 Uhr
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Aktualisiert: 04.01.2024 um 15:57 Uhr
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Die Gletscher im Himalaya versorgen zwei Milliarden Menschen mit Wasser.

Schmelzende Gletscher sind nicht nur in der Schweiz ein Problem. Zwei Milliarden Menschen werden durch die Gletscher im Himalaya mit Wasser versorgt – das Verschwinden des Eises stellt eine akute Bedrohung dar. Der Gletscher am Mount Everest schrumpft. Laut einer neuen Studie, die im Fachmagazin «Nature» erschienen ist, schmelzen die Gletscher aber langsamer als erwartet. Zumindest vorerst.

Die Forscher werteten Daten einer Wetterstation unterhalb des Mount Everest aus. Die Messwerte der vergangenen 30 Jahre zeigten, dass die Temperaturen unter den Bergen nicht steigen – sondern sie sinken sogar leicht. Das Forscherteam führt das auf die katabatischen Winde zurück.

Katabatische Winde sind sogenannte Fallwinde. Die Luft kühlt sich ab und sinkt. Um den Druck auszugleichen, entsteht eine Druckströmung mit der wärmeren Luft. Dadurch entsteht ein starker Wind, der den Berg hinab weht. Was sich unter dem Berg befindet, wird gekühlt. Genau das ist am Himalaya passiert, weswegen die Messwerte im Verlauf der Jahre sinkende Temperaturen anzeigen.

Permafrost-Böden schmelzen langsamer

Das heisst, da sich die Luft im Himalaya durch den Klimawandel zunehmend erwärmt, wird der katabatische Wind viel stärker und die Gletscher kühlen ab. Doch die Auswirkungen der Winde sind noch unklar. Die Forscher halten es für möglich, dass die Permafrost-Böden dank der Böen langsamer schmelzen.

Das wäre eine enorme Erleichterung für die Menschen, denn Felsstürze, Hangrutsche und Überschwemmungen werden durch schmelzende Permafrost-Böden wahrscheinlicher.

Rettung für Alpengletscher?

Forscher stehen vor einem Rätsel. Es ist nicht klar, wie genau sich die katabatischen Winde auswirken werden. Unklar ist, ob das Phänomen tatsächlich das Schmelzen der Gletscher aufhält. Denn auf lange Sicht könnte die Gletscherschmelze durch die katabatischen Winde sogar beschleunigt werden. Denn die Winde können verhindern, dass die feuchte Luft nach oben zum Gipfel gelangt, wodurch oben weniger Schnee fällt – und der Gletscher kleiner wird.

Die katabatischen Winde sind laut dem Forscherteam möglicherweise im Pamir-Gebirge in Zentralasien möglich. In den Alpen sind die kühlenden Winde allerdings unwahrscheinlich, weil das Gebirge zu klein ist. (jwg)

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