Darum gehts
- EU-weite Razzien in neun Ländern gegen Steuerbetrug bei Autoverkäufen seit 2017
- 94 Millionen Franken Steuerschaden durch Umsatzsteuerkarussell mit Briefkastenfirmen
- Über 1100 Ermittler beschlagnahmten Vermögenswerte im Wert von 13,5 Millionen Euro
Bei EU-weiten Razzien wegen mutmasslichen Steuerbetrugs in Millionenhöhe bei Autoverkäufen hat es mehr als 150 Durchsuchungen in neun Ländern gegeben.
Neun Verdächtige seien festgenommen worden, teilte die Europäische Staatsanwaltschaft (Eppo) in Luxemburg mit – vier in Deutschland und fünf in Tschechien. Der Steuerschaden werde auf 103 Millionen Euro (rund 94 Millionen Franken) geschätzt.
Mehrere Objekte in Deutschland durchsucht
Die Einsatzkräfte beschlagnahmten laut Mitteilung Luxuswagen, Bargeld, Kunstwerke und weitere Vermögenswerte im Wert von mehr als 13,5 Millionen Euro. Auch in Österreich, Bulgarien, Kroatien, Ungarn, Italien, Polen und der Slowakei habe es Durchsuchungen gegeben. Die Aktionen seien von den Eppo-Aussenstellen in Berlin und Köln sowie Prag geleitet worden, hiess es. Mehr als 1.100 Ermittlerinnen und Ermittler waren demnach beteiligt.
Hauptverdächtige sind laut der europäischen Behörde die Eigentümer einer Gruppe von Autohäusern in Berlin und Iserlohn in Nordrhein-Westfalen. Dort wurden mehrere Objekte durchsucht. Die Eigentümer sollen die Köpfe eines über mehrere EU-Länder verzweigten kriminellen Netzwerks sein.
Straftaten über Jahre begangen
Die Verdächtigen sollen durch ein ausgeklügeltes System, ein sogenanntes Umsatzsteuerkarussell, die Staaten um Steuern betrogen haben. Dabei sollen sie über Briefkastenfirmen unrechtmässig die Zahlung der Umsatzsteuer vermieden und sich an anderer Stelle Steuern haben erstatten lassen. Die vorgeworfenen Straftaten erstrecken sich laut Eppo über den Zeitraum von 2017 bis 2025.
Die Europäische Staatsanwaltschaft ist die unabhängige Staatsanwaltschaft der Europäischen Union. Sie ist verantwortlich für die Verfolgung von Straftaten gegen die finanziellen Interessen der EU und befasst sich unter anderem mit Fällen von Steuerbetrug, Geldwäsche, Zollbetrug und Veruntreuung von EU-Mitteln.