Darum gehts
- Donald Trump fordert Grönlands Übernahme, nennt es für US-Sicherheit unverzichtbar
- Golden Dome soll Raketenabwehr stärken, Kanada zeigt Interesse am Projekt
- Experten schätzen Kosten für Golden Dome auf 542 Milliarden Dollar bis 2045
Zu Beginn klang die Aussage von Donald Trump (79), dass Grönland zu den USA gehören solle, wie ein Witz. Je länger je mehr wird klar, dass der US-Präsident es mit diesem Vorhaben bitterernst meint und auch bereit ist, Druck auf die zu Dänemark gehörende Insel auszuüben.
Seinen Anspruch auf Grönland rechtfertigte Trump mit einer Übernahme durch China oder Russland: «Wenn wir es nicht machen, werden Russland oder China Grönland einnehmen, und wir wollen Russland oder China nicht als Nachbarn haben», rechtfertigte Trump seinen Anspruch auf die Insel. Er sei auch dazu bereit, sich Grönland «auf die harte Art und Weise» einzuverleiben.
Übernahme ist «unverzichtbar»
Am Mittwoch hat Donald Trump seinen Anspruch noch vor dem Gipfel mit den Vertretern der dänischen und grönländischen Regierung im Weissen Haus noch einmal unmissverständlich klargemacht. Die Nato werde indes viel mächtiger und effektiver, wenn Grönland in den Händen der Vereinigten Staaten läge. «Alles andere ist inakzeptabel», sagte er. Weiter bezeichnete er die geplante Übernahme als «unverzichtbar» für das geplante Raketenabwehrsystem «Golden Dome» (zu Deutsch: goldene Kuppel). Das Projekt fusst auf dem Raketenabwehrsystem Israels. Dem «Iron Dome».
«Die Vereinigten Staaten brauchen Grönland aus Gründen der Nationalen Sicherheit. Es ist für den Golden Dome von entscheidender Bedeutung», schreibt Trump weiter auf seiner Onlineplattform Truth Social. Gegenüber der «Tagesschau» bezeichnete Arktis-Experte Michael Paul die Sicherheitsgründe als «vorgeschoben». «Die Amerikaner können ohne Weiteres weitere Verteidigungsbasen auf Grönland errichten, mit Zustimmung der Grönländer und Dänen. Das ist überhaupt kein Problem», argumentierte er.
Die «Goldene Kuppel» ist ein mehrschichtiges Raketenabwehrsystem, das Bedrohungen durch ballistische Raketen, Hyperschallwaffen und Angriffe aus dem Weltraum abwehren soll. Das Weisse Haus sieht vor allem China und Russland als Gefahren für die US-Bevölkerung. Ziel ist ein besserer Schutz vor modernen Waffensystemen sowie eine stärkere nationale Sicherheit durch Zweitschlagfähigkeit. Kanada hat laut Trump Interesse bekundet, sich am Projekt zu beteiligen.
Die Kuppel soll aus folgenden Komponenten bestehen:
- Weltraumbasierte Sensoren und Interzeptoren: Dazu gehören spezielle Scan-Möglichkeiten, die Gefahren früh erkennen und verfolgbar machen sollen.
- Satelliten: Das neue Netzwerk soll Berichten zufolge mehrere Hundert Satelliten umfassen, um feindliche Raketen abzufangen.
- Nicht-kinetische Abwehrmethoden: Damit sind Varianten gemeint, bei denen Bedrohungen nicht durch physischen Kontakt abgewehrt werden.
Der «Golden Dome» ist speziell auf die USA zugeschnitten, die 445-mal grösser als Israel sind. Bei den USA gibt es zwei Küsten, die zu schützen sind. Es soll nicht nur Kurzstreckenraketen abwehren, sondern auch Hyperschall-, Interkontinentalraketen und Weltraumangriffe. Deshalb leitet General Michael Guetlein von den US-Weltraumstreitkräften das Projekt. Der «Iron Dome» schützt Israel hingegen primär vor Raketen mit 5–70 km Reichweite. Der «Golden Dome» signalisiert nur schon durch seinen Namen die massive Entwicklung: Gold ist schliesslich wertvoller als Eisen.
Während Donald Trump den Kostenpunkt mit rund 175 Milliarden US-Dollar angibt, gehen Experten davon aus, dass das Projekt deutlich teurer werden wird. Das Congressional Budget Office (CBO) hat in einem Bericht im Mai 2025 die Kosten analysiert und einen Betrag von rund 542 Milliarden Dollar über die nächsten 20 Jahre genannt.
Das Projekt könnte dann zu Fall gebracht werden, wenn der Kongress eine solche Summe nicht bewilligt. Im diesem Jahr finden in den USA die Zwischenwahlen statt, bei denen die Republikaner ihre Mehrheit in beiden Kammern verlieren könnten. Die Demokraten haben bereits Bedenken zum Beschaffungsprozess geäussert.