Der Beginn einer politischen Bromance?
So kumpelhaft hat man Macron und Johnson schon lange nicht mehr gesehen

Die neusten Bilder von Emmanuel Macron und Boris Johnson am G-7-Gipfel fallen auf: Zwischen den Streithähnen scheint die gute Stimmung zu überwiegen. Doch der Schein trügt, die beiden Staatsoberhäupter sind sich in vielen Dingen noch immer uneinig.
Publiziert: 27.06.2022 um 18:46 Uhr
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In Deutschland findet aktuell das G-7-Treffen statt. Auch Emmanuel Macron und Boris Johnson sind mit von der Partie.

Seit einem Jahr herrscht quasi Funkstille zwischen dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron (44) und dem britischen Premierminister Boris Johnson (58). Der Brexit, Flüchtlinge im Ärmelkanal und die unterschiedlichen Strategien im Ukraine-Krieg sorgten für angespannte Stimmung.

Am G-7-Gipfel auf dem bayerischen Schloss Elmau scheinen die beiden allerdings erneute Annäherungsversuche zu starten, wie Bilder zeigen. Briten-Premier Johnson sprach nach einem Treffen mit Macron gar scherzhaft von einer «Bromance», wie «Daily Mail» berichtet. Ist das also das Ende der angespannten Stimmung zwischen den beiden Nationen?

Frankreich und Grossbritannien in vielen Themen nicht einig

Der Schein trügt: Bei dem anglofranzösischen Treffen inmitten der deutschen Alpen wurden bestehende Probleme geschickt umschifft. So wurden beispielsweise die Streitigkeiten im Zusammenhang mit dem Nordirland-Protokoll mit keinem Wort erwähnt und auch das Wort «Brexit» sei nicht gefallen, wie ein französischer Beamte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters verrät.

Und während die französische Seite die britische Reaktion auf Macrons Idee einer «EU light»-Gruppe, die «Europäische politische Gemeinde», zu der auch Grossbritannien gehören sollte, lobte, verraten Berater von Johnson: Das sei lediglich eine höfliche Abfuhr gewesen, Grossbritannien werde «niemals» beitreten.

Auch in Sachen Ukraine-Krieg scheiden sich die Geister der beiden Spitzenpolitiker noch immer – zumindest teilweise. Zwar seien sie sich einig, dass ein Sieg über Russland «die beste Lösung» sei, doch in der Herangehensweise gibt es grosse Unterschiede.

Während Johnson eine harte Linie fährt und davor warnt, den Konflikt mit Russland übereilt beizulegen – dies würde «nur zu dauerhafter Instabilität» führen – und der Meinung ist, dass ein Nachgeben gegenüber Wladimir Putin (69) ihm «das Recht gibt, sowohl souveräne Länder als auch die internationalen Märkte auf Dauer zu manipulieren», scheint Franzose Macron eher dazu bereit zu sein, sich mit Putin zu arrangieren.

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Macron lobt Johnson für militärische Unterstützung

Ein Sprecher der britischen Regierung sagte über das Treffen mit Macron: «Sie waren sich einig, dass dies ein kritischer Moment für den Verlauf des Konflikts ist und dass es eine Gelegenheit gibt, das Blatt in diesem Krieg zu wenden.» Sowohl der britische Premierminister als auch Präsident Macron betonten die Notwendigkeit, die Ukraine zu unterstützen, um ihre Position sowohl im Krieg als auch bei künftigen Verhandlungen zu stärken. (chs)

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