Dahinter steckt eine ernste Entwicklung
«Bist du tot?» – Das ist die beliebteste App in China

In China ist die App «Bist du tot?» die am häufigsten heruntergeladene App. Dahinter steckt eine ganz bestimmte Sorge alleinstehender und einsamer Menschen. Blick erklärt dir, was die App kann.
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Für alleinstehende Menschen mit wenig Kontakt gibt es eine wachsende Sorge: Wem fällt es überhaupt auf, wenn ich einen Notfall habe?
Foto: imago/Westend61

Darum gehts

  • Die App «Bist du tot?» hilft alleinstehenden Menschen bei Notfällen
  • Nutzer bestätigen alle zwei Tage per Klick, dass es ihnen gut geht
  • 2020 lebten 125 Millionen Personen in China in Einpersonenhaushalten
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Sandra MarschnerRedaktorin News-Desk

«Bist du tot?» – eine App stellt ihren Nutzern alle zwei Tage immer wieder diese Frage. Was im ersten Moment makaber klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Denn die App soll verhindern, dass alleinstehende Menschen unbemerkt sterben könnten.

In China ist die App mit dem Namen «Bist du tot?» (auf Chinesisch «Si-le-me») seit Kurzem die am häufigsten heruntergeladene App. Die Beliebtheit scheint sich über eine wachsende Sorge von Alleinstehenden zu erklären, dass ein Notfall von niemandem bemerkt werden könnte.

Rückmeldung in einem festen Rhythmus

Die Idee hinter der App: In einem festen Rhythmus fordert die App ihre Nutzer auf, per Knopfdruck zu bestätigen, dass es ihnen gut geht. Meldet man sich nicht innert zwei Tagen zurück, lässt die App automatisch eine zuvor definierte Kontaktperson per E-Mail wissen, dass etwas nicht stimmen könnte.

Das Prinzip ist simpel: Eine Anmeldung ist nicht nötig. Standort- und Gesundheitsdaten werden nicht geprüft. International wird die App unter dem Namen Demumu angeboten. In der Schweiz gibt es sie für einen Franken.

Immer mehr Menschen leben allein

Gerade in China lässt sich der Erfolg der App darauf zurückführen, dass immer mehr Menschen allein leben. Eine Studie auf Basis der chinesischen Volkszählung zeigt: 2020 wohnten etwa 125 Millionen Personen in Einpersonenhaushalten – das betrifft rund ein Viertel aller Haushalte.

Besonders unter den Jungen zeichnet sich dieser Trend ab. Etwa 31,9 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 34 Jahren lebten 2020 allein. Die App bezeichnet sich selbst als «Begleiter für Sicherheit … egal, ob du alleinstehender Büroangestellter, Student, der fern von zu Hause lebt, oder jemand bist, der einen einsamen Lebensstil gewählt hat».

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Auch international wird die App Demumu von Tausenden heruntergeladen. In den USA, Singapur und Hongkong landet sie unter den Top 2 der kostenpflichtigen Utility-Apps, wie die «BBC» berichtet. In Australien und Spanien ist sie in den Top 4 gelistet.

Weitere Apps zur Sicherheit von Alleinstehenden

Eine Sicherheitslösung, wenn man allein ist, scheint auch bei uns gefragt zu sein. Neben Demumu finden sich weitere ähnliche Apps zum Herunterladen in der Schweiz. Etwa die App «I'm alive – Safety Check App». In der App lässt sich eine bestimmte Zeit festlegen, zu der die App jeden Tag geöffnet werden soll. Wird die App nicht geöffnet, werden Follower, also Personen, denen deine Sicherheit am Herzen liegt, darüber informiert und können den Kontakt mit dir aufnehmen. 

Zudem kombiniert die App diese Erinnerungsfunktion mit einem persönlichen Tagebuch. Wer will, kann seine Gedanken und Stimmungen täglich aufschreiben und mit seinen Followern teilen.

Komplexere Apps mit Bewegungssensoren

Doch es gibt auch Sicherheitsapps mit komplexeren Funktionen, wie die sogenannten «Totmannwarner»-Apps. Diese gibt es von verschiedenen Anbietern – in der Schweiz etwa von Uepaa.

Entwickelt wurde die App zum Alleinarbeiterschutz. Über Smartphone-Sensoren registriert die App Bewegungen ihrer User und überprüft etwa bei dynamischem Arbeiten bei einem plötzlichen oder längeren Stillstand, ob der Nutzer noch reagiert. Ist dies nicht der Fall, wird automatisch die Notrufzentrale kontaktiert und über Standortdaten des Users der potenzielle Ort lokalisiert. Auch Ersthelfer in der Nähe erhalten einen Alarm über die mögliche Notlage. 

Je nach Anbieter dieser Apps lassen sich auch eigene Notfallkontakte einstellen, welche automatisch angerufen werden. Einige User nutzen solche Apps daher auch bei allein unternommenen Freizeit- und Outdoor-Aktivitäten, wie Kommentare im App-Store zeigen. 

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