Baby-Alarm in Frankreich
Franzosen kriegen zu wenige Kinder – Staat setzt 16-Punkte-Plan auf

Jetzt verschickt das Gesundheitsministerium einen Brief mit dem Titel «Jetzt Kinder bekommen». Ein 16-Punkte-Plan soll die Geburtenrate erhöhen – viele fühlen sich unter Druck gesetzt.
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Der offizielle Brief vom Gesundheitsministerium soll Frauen und Männer gleichermassen ansprechen.
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Darum gehts

  • Frankreichs Regierung fordert Kinder wegen sinkender Bevölkerung und Fertilitätsrate
  • Frauen können zwischen 29 und 37 Jahren Eizellen kostenlos einfrieren
  • Fertilitätsrate liegt bei 1,56 Kindern pro Frau statt notwendiger 2,1
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Gina Grace Zurbrügg
Gina Grace ZurbrüggRedaktorin News

Ein offizieller Brief vom Gesundheitsministerium landete bei vielen Franzosen vor Kurzem im Briefkasten: «Jetzt ein Kind, bevor es zu spät ist», heisst es darin. Frauen und Männer werden gleichermassen angesprochen. Fruchtbarkeit sei gemeinsame Verantwortung, so das Ministerium weiter. Klingt fair.

Es gibt aber auch kritische Stimmen. «In der Praxis lastet der Druck aber klar auf den Frauen. 29 Jahre, die magische Schwelle kurz vor 30, wo plötzlich alle über Fruchtbarkeit reden», schreibt die «Guardian»-Kolumnistin Zoe Williams. Die Briefe sorgen für Empörung in ganz Europa.

Frankreichs Geburtenrate liegt derzeit bei 1,56 Kindern pro Frau. Für eine stabile Bevölkerung wären 2,1 nötig. Professor François Gemenne von der HEC Paris erklärt: «Die negativen Bevölkerungszahlen 2025 führten zu einem Schockeffekt.» Hinzu kommen ein komplexes Rentensystem und politische Ängste vor dem «Ersetzen» durch Migration.

Frankreich will mehr Eizellen-Einfrierzentren

Die Regierung reagiert daher nun mit einem 16-Punkte-Plan. Ein zentraler Punkt ist das Einfrieren von Eizellen: Frauen zwischen 29 und 37 Jahren können dies bereits kostenlos tun. Die Zahl der Eizellen-Einfrierzentren soll von 40 auf 70 steigen. Frankreich möchte damit eine führende Rolle in der Fertilitätsforschung einnehmen. Offiziell soll die Massnahme späte Reue verhindern. Viele sehen darin jedoch subtilen Druck.

Hinzu kommt die wirtschaftliche Realität junger Menschen in Frankreich. Laut dem Forschungsinstitut INSEE ziehen sie im Schnitt erst mit 25 Jahren aus dem Elternhaus aus. Viele starten in befristeten Jobs mit niedrigen Löhnen und hohen Mieten. Kinder zu bekommen, während man versucht, die eigene Existenz zu sichern, stellt vor diesem Hintergrund eine grosse Herausforderung für viele dar.

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