Darum gehts
- Trumps Kürzungen gefährden Hurrikan-Schutz. Fema-Mitarbeiter warnen vor Folgen
- Offener Brief von 180 Fema-Mitarbeitern kritisiert Regierungspläne und Umstrukturierung
- Über 2000 Fachkräfte, darunter Hunderte Meteorologen, verloren ihre Stelle
Die Hurrikansaison von Juni bis November versetzt die USA jedes Jahr in Alarmbereitschaft. Tropische Wirbelstürme mit enormen Windgeschwindigkeiten treffen regelmässig den Südosten des Landes: Florida, Louisiana, Alabama, Mississippi und Georgia. Für die Bewohner dieser Regionen ist das Alltag. Doch Zahlen des National Hurricane Centers (NHC) und der Klimabehörde (NOAA) zeigen: Die Stürme werden immer heftiger.
Ein Grund, zu handeln, sollte man meinen. Wenn schon nicht gegen die Klimakrise, dann zumindest für besseren Schutz der betroffenen Gebiete – mit präzisen Prognosen und rechtzeitigen Warnungen. Doch genau hier liegt das Problem: Seit Donald Trump (79) ins Weisse Haus einzog, erlebten die zuständigen Behörden massive Kürzungen. Die Folgen sind längst spürbar – und erinnern an eine Katastrophe vor 20 Jahren.
Hurrikan Katrina
Ende August 2005 traf Hurrikan Katrina mit Windspitzen von 280 Stundenkilometern auf den Südosten der USA. Besonders hart traf es New Orleans: 80 Prozent der Stadt standen unter Wasser, 1836 Menschen starben, Hunderttausende verloren ihr Zuhause. Es war eine der schlimmsten Naturkatastrophen in der Geschichte des Landes.
Mit rund 200 Milliarden Dollar Schaden wurde Katrina der teuerste Hurrikan der US-Geschichte. Doch die Tragödie war nicht allein der Natur geschuldet. Menschliches Versagen – unklare Zuständigkeiten, Sparmassnahmen und ignorierte Warnungen – verschärfte die Katastrophe erheblich.
Noch heute prägen die Folgen den Alltag in New Orleans. Verlassene Häuser zerfallen, ganze Viertel sind kaum wiederzuerkennen. Viele afroamerikanische Familien mussten wegen steigender Mieten und Immobilienpreise wegziehen. Wer blieb, lebt mit der Angst vor einer neuen, noch grösseren Katastrophe. Und diese Angst hat einen Namen: Donald Trump.
Trumps zweite Amtszeit
Kaum zurück im Amt, kündigte Trump Pläne an, die weitreichende Folgen haben könnten – nicht nur für die Golfküste, sondern für das ganze Land. Die Katastrophenschutzbehörde (Fema) soll abgeschafft und die Verantwortung den Bundesstaaten übertragen werden. Zwar spricht Trump von einer «Neuordnung», doch die ersten Einschnitte sind längst Realität.
Mehr als ein Viertel der Fema-Arbeitsplätze wurde bereits gestrichen, Milliarden für Prävention und Wiederaufbau fehlen. Auch die NOAA bleibt nicht verschont: Forschung, Satelliten und Frühwarnsysteme leiden unter Budgetkürzungen. Über 2000 Fachkräfte, darunter Hunderte Meteorologen des nationalen Wetterdiensts, verloren ihre Stelle – jene Experten, die vor Hurrikans warnen und Leben retten könnten.
Die «Katrina-Erklärung»
Letzten Montag wandten sich 180 Fema-Mitarbeiter in einem offenen Brief an den US-Kongress. Sie warnten, Trumps Pläne und die Umstrukturierung durch Heimatschutzministerin Kristi Noem (53) könnten die Behörde lähmen und Menschenleben gefährden. Bereits einen Tag später wurden mehrere Unterzeichner suspendiert.
Die sogenannte «Katrina-Erklärung» wirft der Regierung vor, Kompetenzen zu ignorieren, unqualifizierte Führungskräfte einzusetzen und die Behörde politisch zu schwächen. Viele Unterzeichner blieben anonym, nur 36 traten öffentlich auf – darunter Virginia Case, leitende Analystin. Kurz darauf wurde sie suspendiert. «Ich bin enttäuscht, aber nicht überrascht», sagte sie zu CNN. «Aber die Öffentlichkeit muss wissen, was hier geschieht.»
Eine bedrohliche Hurrikansaison
Experten warnen vor einer besonders heftigen Wirbelsturmsaison. In den Küstenstaaten am Atlantik und am Golf wächst die Sorge: Kann man im Ernstfall noch auf verlässliche Hilfe zählen? Stimmen die Wetterprognosen nach den Kürzungen in Washington überhaupt noch? Welche Folgen Trumps Einsparungen auf Warnsysteme, Rettungseinsätze und den Wiederaufbau haben, bleibt ungewiss.
Wie schnell es gefährlich werden kann, zeigte sich kürzlich: Hurrikan Erin, der erste Sturm der Saison, erreichte in Rekordzeit die höchste Kategorie fünf. Zwar traf er nicht direkt auf Land, doch selbst ohne Landfall verursachte er an der Ostküste schwere, teils lebensgefährliche Überschwemmungen.