Darum gehts
Gemessen an den Schlagzeilen liegt Hugo Boss auf der Intensivstation. Daniel Grieder (64), Schweizer Chef des deutschen Bekleidungshauses, gibt sich im Gespräch mit BILANZ gelassen. «Es ist nicht alles schlecht, nur weil der Aktienkurs noch nicht dort liegt, wo wir sein Potenzial sehen. In den vergangenen vier Jahren haben wir viel bewegt.» Er nennt das starke Umsatzwachstum, den Ausbau des Omnichannel-Vertriebs, die Neupositionierung der Marken, die weitere Digitalisierung der Wertschöpfungskette. Von Grieder werden gerne Wunderdinge erwartet, nachdem er zuvor Tommy Hilfiger auf Kurs gebracht hat. Die Messlatte liegt bei ihm immer etwas höher.
Grieder startete mit viel Elan. Das Umsatzziel erreichte Hugo Boss 2023 zwei Jahre früher als geplant. Doch seither hat die Dynamik nachgelassen. «Schnelles Wachstum bringt es mit sich, dass man einzelne Bereiche im Anschluss gezielt nachjustieren muss», so Grieder, der kürzlich ein Strategie-Update verkündete. Das sei normales Business. «Deshalb gehen wir 2026 bewusst einen Schritt zurück, um danach wieder nachhaltig zu wachsen.» Die Marke Hugo und die Damenbekleidung sollen neu ausgerichtet, das Sortiment der Kernmarke bereinigt werden, was auf Kosten von Wachstum und Gewinn geht. Grieder lässt indes ein Türchen für allfällige Akquisitionen offen: Attraktive Opportunitäten werde man selbstverständlich prüfen.
Anleger reagierten verschnupft, und Mike Ashley – er kontrolliert die britische Frasers Group, die mit 25 Prozent grösste Boss-Aktionärin – riss kurz vor dem Strategie-Update eine neue Flanke auf. Er entzog Boss-Präsident Stephan Sturm die Unterstützung. Grieder äussert sich erstmals dazu. Es sei ein klarer Vorteil, dass «wir mit der Frasers Group nun einen zweiten Ankerinvestor haben, der an das Potenzial und das Management von Hugo Boss glaubt und seine Expertise aktiv im Aufsichtsrat einbringt».
Seit Wochen decken sich allerdings Leerverkäufer ein. In den vergangenen Tagen haben sich auch grosse Hedgefonds und Investmentgesellschaften Zugriff auf Teile der Aktien gesichert. Deutsche Medien spekulieren, dass Ashley dahinterstecken könnte, um sich so die Macht bei Hugo Boss zu sichern. Frasers hält seit Sommer Put-Optionen, die mehr als 32 Prozent der Anteile sichern. Ab einem Anteil von 30 Prozent muss ein Übernahmeangebot unterbreitet werden. Es ist nicht abwegig, dass Frasers 2026 diesen Schritt tut. Grieder kommentiert das mit einem Lächeln. An ihm zweifelt Frasers nicht – zumindest noch nicht.