Warum hat die Bezahl-App so lange damit gewartet?
Twint wagt endlich den Sprung über die Landesgrenze

Die beliebte Schweizer Bezahlapp Twint geht auf Expansionskurs. Schweizer sollen damit bald auch in Deutschland, Österreich und anderen Ländern bezahlen können. Doch die Pläne gehen noch weit darüber hinaus.
Publiziert: 15.07.2021 um 18:29 Uhr
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Rund die Hälfte der Schweizer Bevölkerung nutzt Twint, etwa zur Bezahlung im Supermarkt.
Sarah Frattaroli

Das Portemonnaie zu Hause vergessen? Kein Problem! Der Kaffee auf dem Weg zur Arbeit lässt sich im Handumdrehen mit dem Smartphone bezahlen. In der Schweiz nutzen die meisten Leute dafür die Bezahlapp Twint. 77 Prozent aller Handy-Zahlungen in der Schweiz werden via Twint getätigt. Die App der grossen Schweizer Banken, darunter UBS, Credit Suisse und ZKB, scheint deutlich mehr Vertrauen zu geniessen als etwa Apple Pay oder Google Pay.

Auslandzahlungen ab 2022

Nun will Twint seine Einflusssphäre ausbauen. Die App soll bald auch im Ausland zum Einsatz kommen, wie das Unternehmen in der «Handelszeitung» ankündigt. Im Fokus stehen dabei in erster Linie die Nachbarländer der Schweiz. In Deutschland haben bereits erste Pilotversuche stattgefunden. Nächstes Jahr soll die Funktion dann für alle Nutzerinnen und Nutzer zur Verfügung stehen. Mittelfristig soll Twint gar in 15 Ländern funktionieren, darunter etwa auch Schweden, Norwegen und Portugal. Konkret handelt es sich um all jene Länder, die Teil der European Mobile Payment Systems Association sind.

Für die Expansion ins Ausland arbeitet Twint mit anderen mobilen Zahlungsanbietern in den jeweiligen Zielländern zusammen. In Deutschland ist dies beispielsweise der Anbieter Bluecode. Welchen Wechselkurs die Schweizer Kundinnen und Kunden bei ihren Auslandzahlungen berappen müssen, legt dabei nicht Twint selber fest, sondern die jeweilige Bank.

Versicherung, Automiete, Restaurantreservation

Mit dem Sprung über die Grenze ist es aber noch nicht getan: Twint will sich als eigentlicher Marktplatz etablieren. Die Leute sollen Käufe direkt in der App abschliessen, wie Twint-Chef Markus Kilb in der «Handelszeitung» erklärt. «Ich gehe auf Twint, buche dort ein Kino-Ticket und schicke meiner Frau eine Einladung. Dann buche ich aus Twint heraus ein Restaurant und habe direkt die Speisekarte. Meine Bestellung wird dann direkt bezahlt.»

Die Leute sollen über Twint auch Versicherungen abschliessen, Autos mieten oder Essen bestellen können. Mit diesem Modell eifert Twint Grössen wie Alibaba oder Wechat in China nach. Einen konkreten Zeitplan für all diese Erweiterungen gibt es allerdings noch nicht.

Schlechte Nachrichten gibt es hingegen für kleine Banken ohne eigene Twint-App: Deren Kunden können bisher die generische Twint-App herunterladen und via Lastschriftverfahren mit ihrem Konto verknüpfen. Das LSV wird in Zukunft allerdings eingestellt. Die Nutzer müssen stattdessen via Prepaid Guthaben auf ihr Twint-Konto laden.

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