Uniqlo am Pranger
Näherinnen bluten für King Roger

Unmenschliche Arbeitsbedingungen, Massenentlassungen und ausstehende Löhne: Uniqlo-Näherinnen in China und Indonesien haben hartes Brot zu kauen. Nun gerät auch Tennis-Darling Roger Federer ins Visier von NGOs.
Publiziert: 04.07.2018 um 12:54 Uhr
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Aktualisiert: 17.10.2018 um 17:00 Uhr
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Sven Zaugg

Roger Federer ist ein skandalfreier, weltweit geschätzter Sympathieträger. Ein stilbewusster Tennis-Gott, dem die Zuschauer und damit auch die Konsumenten zu Füssen liegen. Ein Philanthrop, der mit seiner Stiftung Bildungsprojekte in der Region des südlichen Afrika und in der Schweiz unterstützt.

Federer, das globale Vorbild. Ob Nike oder Uniqlo – in wessen Tücher sich King Roger hüllt, prägt das Stilbewusstsein einer ganzen Generation. Nach der überaus fruchtbaren Beziehung mit Nike wechselte Federer nun also zur japanischen Billigmarke Uniqlo. 

Hartes Brot für Uniqlo-Näherinnen 

Für den Mega-Deal soll der 36-Jährige 30 Millionen Franken jährlich kassieren, spekulieren Insider. Das wäre der bestdotierte Vertrag, den ein Tennisspieler je erhalten hat. Die Partnerschaft soll zudem über Federers Karriere als professioneller Spieler hinausgehen. Den Deal eingetütet hat Federers Manager Tony Godsick. Der Haken: die Billigmarke aus Japan steht am Pranger. 

Das Modehaus lässt seine Textilien überwiegend in China und Indonesien fertigen, wo die Arbeiter wenig verdienen und oft unter unmenschlichen Bedingungen malochen. Und wo Massenentlassungen und ausstehende Löhne an der Tagesordnung sind. In den japanischen Medien sind die Fälle bestens dokumentiert.

Nun ist auch Markenbotschafter Federer in den Textilsumpf geraten. Die Nichtregierungsorganisation Public Eye macht mobil gegen den Maestro. Konkret: Seit 2015 warten 2000 entlassene indonesische Näherinnen, die Kleider für Uniqlo und andere Unternehmen fertigten, auf 5,5 Millionen Dollar Entschädigung. 

Uniqlo soll zahlen – mit Federers Hilfe

Hintergrund ist die Fabrikschliessung des indonesischen Uniqlo-Zulieferers Jaba Garmindo. Im Insolvenzverfahren wurden den Näherinnen ihre Ansprüche auf Lohn- und Entschädigungszahlungen zwar anerkannt. Bis heute jedoch weigerten sich Uniqlo und andere Unternehmen, die ausstehende Entschädigung zu begleichen.

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Public Eye kritisiert «die mangelnde soziale Verantwortung» und die «Weigerung von Uniqlo, mit Gewerkschaften in Indonesien über die Entschädigung ehemaliger Fabrik-Arbeiterinnen zu verhandeln». Um sich Gehör beim Tennis-Darling zu verschaffen, lanciert die Organisation die Kampagne hello-roger.ch. Die Hoffnung: Mit Federers Hilfe Uniqlo zum Einlenken zu bewegen.

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