Trotz hohen Hypothekarzinsen
Darum steigen die Immobilienpreise weiter

Wohneigentum in der Schweiz ist so unerschwinglich wie seit 20 Jahren nicht mehr. Das Angebot ist knapp, es wird immer weniger gebaut. Aber erklärt das die hohen Preise?
Publiziert: 20.07.2022 um 00:17 Uhr
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Aktualisiert: 20.07.2022 um 11:21 Uhr
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Obwohl die finanziellen Hürden eines Hauskaufs immer grösser werden, schnellen die Preise auf dem Immobilienmarkt nach oben. Im Bild: Eigenheime in Zizers GR
Dorothea Vollenweider

Obwohl die finanziellen Hürden eines Hauskaufs immer höher werden, schiessen die Preise auf dem Schweizer Immobilienmarkt weiter nach oben. Selbst eine Verdoppelung der Hypothekarzinsen hat daran im letzten Halbjahr nichts geändert.

Die Preise für Häuser stiegen im zweiten Quartal 2022 um 1,6 Prozent. Das zeigen die neuesten Zahlen des Immo-Bewerters Realadvisor. Die Preise für Wohnungen stiegen um 1,9 Prozent. Im Jahresvergleich sind die Preisanstiege beachtlich: Plus 7,9 Prozent für Häuser und 7,7 Prozent für Wohnungen.

«Seit 20 Jahren ist es nicht mehr so schwierig gewesen, in der Schweiz ein Eigenheim zu kaufen», sagt Jonas Wiesel (34), Mitbegründer von Realadvisor, zu den aktuellen Marktbedingungen.

Immo-Expertin über hohe Zinsen: «Wer eine Hypothek abschliessen will, muss mehr zahlen»(01:21)

Vorboten für Preisnachlass

Warum hat sich das Preisniveau auf dem Schweizer Immobilienmarkt noch nicht stabilisiert? Zum Vergleich: In einigen Nachbarländern gibt es bereits Indikatoren, die auf eine Verlangsamung des Preisanstiegs hindeuten.

In Frankreich etwa sind die Preise seit Jahresbeginn nur um 1,7 Prozent gestiegen. Die meisten Preissteigerungen in den zehn grössten Städten betragen weniger als 0,5 Prozent. In Deutschland stagnierten die Preise für Häuser im ersten Quartal 2022 mit einem minimalen Wachstum von 0,1 Prozent.

Baueingaben stagnieren

Das Problem: Das Angebot auf dem Schweizer Immobilienmarkt ist und bleibt knapp. Zwar ist die Zahl der zum Verkauf angebotenen Immobilien laut Realadvisor innerhalb von drei Monaten um 10 Prozent gestiegen. Wiesel stellt aber fest: «Das Angebot ist immer noch sehr begrenzt und liegt weit unter dem, was wir vor zwei Jahren beobachtet haben.» Er könne sich nicht vorstellen, dass die Zahl der zum Verkauf angebotenen Objekte mittelfristig signifikant ansteigen werde.

Indikatoren dafür sind auch bei den Baugenehmigungen zu finden. Diese sind seit 2014 nicht mehr gestiegen. Auch die Bauausgaben stagnierten im vergangenen Jahr. Die Investitionen in den Tiefbau stiegen um 1,0 Prozent. Jene in den Hochbau sanken um 0,4 Prozent. Damit gingen die Bauinvestitionen insgesamt um 0,1 Prozent zurück, wie die aktuellen Zahlen der Baustatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS) zeigen.

Haushaltsbudgets sind strapaziert

Das Angebot auf dem Häusermarkt wird also so schnell nicht zunehmen. Doch die Nachfrage dürfte zurück gehen und so wenigstens für etwas Beruhigung auf dem überhitzten Immobilienmarkt sorgen. Denn neben den steigenden Hypothekarzinsen belasten auch die Inflation der Verbraucherpreise und die steigenden Energiepreise die obligatorischen Ausgaben der Haushalte.

Das schlägt sich aufs Sparkonto der Schweizer nieder. Und benachteiligt Hauskäufer, wenn es darum geht, das zur Finanzierung erforderliche Eigenkapital aufzubringen. Gut möglich also, dass uns trotz des knappen Angebots bald eine Entspannung auf dem Immobilienmarkt bevor steht.

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