St. Galler Spitäler streichen Admin-Jobs
Darum sind Pfleger und Ärzte trotzdem in Aufruhr

Grosser Stellenabbau bei den St. Gallern Spitälern. Wen es trifft, weiss niemand. Das beunruhigt den Verband schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen. Das Dilemma: Auch wenn die Stellen in der Administration wegfallen, leiden darunter Pfleger und Ärzte.
Publiziert: 29.09.2023 um 12:36 Uhr
1/7
Die Massenentlassung an den Spitälern St. Gallen beunruhigt den Verband schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen.
RMS_Portrait_AUTOR_199.JPG
Milena KälinRedaktorin Wirtschaft

Bei den Angestellten der St. Galler Spitäler ist Zittern angesagt. Am Donnerstag wurde öffentlich, dass 440 der 9000 Stellen in den nächsten fünf Jahren gestrichen werden. Welche Jobs es trifft, bleibt noch unter dem Deckel.

Das versetzt den Verband schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen (VSAO) in Aufruhr. Es sollen zwar vor allem Stellen in der Verwaltung und im administrativen Bereich betroffen sein – wie die IT. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass auch Ärzte, Ärztinnen und Pflegende gehen müssen. «Der VSAO verfolgt diese Entwicklung mit grosser Besorgnis», heisst es in einer Mitteilung.

Einsparungen auf Kosten der ärztlichen Weiterbildung oder der Pflege müssen gemäss dem Verband unbedingt vermieden werden. Besonders wichtig sei die konsequente Nachwuchsförderung. Gerade Pflegende, die neu in den Beruf gestartet sind, sollten nicht verunsichert werden. Ersatz gebe es auf dem ausgetrockneten Stellenmarkt kaum.

Mehr Zeit für Patienten

Stattdessen fordert der Verband Massnahmen, das Gesundheitspersonal in administrativen Tätigkeiten zu entlasten. Dann hätten Pfleger und Ärztinnen wieder mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten.

Das Dilemma ist aber, dass gerade im administrativen Bereich der Grossteil des Stellenabbaus erfolgen soll. Wer soll gehen, wenn es sowohl das Gesundheitspersonal als auch die Administration braucht? 

«Das ist tatsächlich ein Konflikt. Der Verband hofft und fordert, dass insbesondere Stellen, die in der Vergangenheit zur Entlastung der Ärzteschaft geschaffen wurden, erhalten bleiben», sagt Severin Baerlocher (35) zu Blick. Er ist Vorstandspräsident beim VSAO für die Sektion St. Gallen und Appenzell. 

Werbung

Die administrativen Tätigkeiten würden das Personal belasten und zu den zu langen Arbeitszeiten beitragen. «Investitionen in die Optimierung der Prozesse und die Digitalisierung könnten viel bringen. Wir fragen uns, ob diese durch den aktuellen Spardruck ausbleiben und nötige Neuerungen aufgeschoben werden», sagt er weiter.

Mehr Mittel gefordert

Der Verband fordert zudem von der Politik eine angemessene Tarifstruktur sowie die Anerkennung der Tatsache, dass die Spitäler der Spitalverbunde das Gros des Gesundheitspersonals ausbilden.

Die Tarifstruktur ist mitverantwortlich für die schlechte finanzielle Lage der Spitäler. Denn obwohl die Gesundheitshäuser mit der Inflation zu kämpfen haben, verdienen sie nicht mehr. Die Tarife bleiben gleich. Der Spitalverband H+ spricht von einer Unterfinanzierung im ambulanten Bereich von 30 und im stationären Bereich von 10 Prozent. H+ fordert deshalb eine generelle Tariferhöhung um 5 Prozent – denn die Spitäler brauchen mehr Mittel.

Fehler gefunden? Jetzt melden
Alle Kommentare
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.