Sogar die Finanzbranche brummt – trotz CS-Aus
Kein anderes Land schafft so viele Jobs wie die Schweiz

Mehr als die Hälfte der Unternehmen in der Schweiz wollen ihre Belegschaft im dritten Quartal aufstocken. Der Schweizer Jobmarkt ist dynamischer unterwegs als in sämtlichen anderen Ländern. Der Fachkräftemangel ist mit voller Wucht zurück.
Publiziert: 11.06.2024 um 00:16 Uhr
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Aktualisiert: 11.06.2024 um 08:13 Uhr
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In keinem anderen Land sind die Beschäftigungsaussichten so gut wie in der Schweiz. (Symbolbild)
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Sarah FrattaroliStv. Wirtschaftschefin

Die Schweiz legt noch eine Schippe drauf: Der hiesige Arbeitsmarkt lässt den Rest Europas hinter sich. Das zeigt der Beschäftigungsausblick für das dritte Quartal des Personalvermittlers Manpower. 54 Prozent der Schweizer Unternehmen wollen ihre Belegschaft in den kommenden drei Monaten demnach aufstocken. Zwar wollen auch 20 Prozent der Firmen Personal abbauen. Doch das ergibt unter dem Strich immer noch einen Netto-Beschäftigungsausblick von +34 Prozent. So viel wie nirgendwo sonst in Europa. Und merklich mehr als bei der letzten Umfrage im März, wo die Schweiz bereits zu den europaweiten Spitzenreitern gehörte. Nun hat sie den Spitzenplatz ganz allein inne.

Wachstumstreiber ist unter anderem die Energie- und Versorgungsbranche: 66 Prozent der Unternehmen in diesem Bereich wollen ihr Personal in den kommenden Monaten aufstocken. Das hat auch mit dem Abstimmungssonntag zu tun: Das Ja zum Stromgesetz schafft die Grundlage für Investitionen im Energiebereich, besonders bei den Erneuerbaren.

42 Prozent mehr Jobs in Finanzen und Immobilien

Überraschend: Auch in der Finanzbranche sollen Stellen geschaffen werden. Und das, obwohl im Rahmen der Fusion von Credit Suisse und UBS ein schmerzhafter Stellenabbau beim Bankpersonal ansteht. Aber: «Die Bankenfusion braucht in den kommenden Quartalen enorm viele Ressourcen und Know-how, insbesondere in der IT», erklärt Eric Jeannerod (50), Schweiz-Chef von Manpower. Das schafft – trotz Stellenabbau – gute Jobmöglichkeiten im Bankenwesen etwa für Business Analystinnen, Softwareentwickler und Regulationsexpertinnen.

Kommt hinzu, dass bei der Erhebung neben den Banken auch die Versicherungen sowie der Immobiliensektor in die gleiche Kategorie gezählt werden. Das Geschäft mit Immobilien sowie Versicherungen brummt – und macht damit einen Teil der wegfallenden Stellen im Bankenwesen wett.

Getragen wird das Wachstum am Stellenmarkt von kleinen und mittelgrossen Unternehmen. Auffällig verschlechtert haben sich die Beschäftigungsaussichten hingegen bei Konzernen mit mehr als 1000 Angestellten. Hier wollen unter dem Strich gerade noch acht Prozent der Unternehmen Stellen schaffen. Schuld ist die lahmende Weltwirtschaft: Grosskonzerne sind in der Regel stärker globalisiert – und damit anfälliger für die Rezessionsängste auf dem internationalen Parkett.

Ganz anders die Ausgangslage bei den kleineren Firmen, die nun kräftig Personal aufstocken wollen: Bei vielen werden die neu geschaffenen Stellen wohl unbesetzt bleiben. Die Arbeitslosigkeit in der Schweiz liegt bei tiefen 2,3 Prozent. Der Fachkräftemangel ist – nach einer durch die maue Konjunktur bedingten Verschnaufpause – mit voller Kraft zurück.

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Jetzt brauchts KI-Trainings fürs Personal

Da kommt künstliche Intelligenz (KI) ins Spiel: Viele Unternehmen setzen als «zusätzliche Arbeitskraft» auf die neue Technologie, betont Jeannerod. «Zeitfressende und repetitive Aufgaben kann künftig die KI übernehmen.»

Die Schweiz ist mit Blick auf KI aussergewöhnlich aufgeschlossen: 57 Prozent der befragten Unternehmen geben an, zu den Early Adopters von ChatGPT und Co. zu gehören. Die grosse Mehrheit blickt optimistisch auf KI. Chancen und Hoffnungen überwiegen in ihren Augen gegenüber dem Risiko, dass KI Stellen kosten könnte. «Damit das gelingt, müssen die Unternehmen aber in die Umschulung ihres Personals investieren, damit dieses KI gewinnbringend anwenden kann», so Jeannerod.

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