Schweizer wollen Beamte werden
Beschäftigung im Privatsektor wächst fast nur wegen Ausländern

Die Schweiz streitet über die 10-Millionen-Schweiz. Zu voll, zu eng, zu teuer! Doch eine neue Analyse zeigt jetzt die unbequeme Wahrheit: Während die Schweizer in die Büro-Sessel beim Staat flüchten, schuften die Ausländer dort, wo das Geld verdient wird.
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Schweizer arbeiten gerne in staatsnahen Betrieben oder direkt beim Staat.
Foto: GAETAN BALLY

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Untersuchung des Arbeitgeberverbands zeigt: Öffentliche Sektoren wachsen stärker als Privatwirtschaft
  • 93 Prozent der 260'000 zusätzlichen Jobs in Privatwirtschaft von Ausländern besetzt
  • 10-Millionen-Initiative: Gemäss SVP können bei Annahme weiterhin 40'000 pro Jahr einwandern
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Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft

In der Politik brennt die Hütte. Das rasche Bevölkerungswachstum ist das grosse Reizthema der Stunde. Wir streiten über volle Züge, zubetonierte Wiesen und den Mieten-Wahnsinn. Doch wer generiert eigentlich das Geld, das am Ende des Tages verteilt wird? Eine neue Auswertung des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV) ging dieser Frage nach und ist nun Wasser auf die Mühlen der Gegner der 10-Millionen-Initiative.

SAV-Chefökonom Patrick Chuard-Keller (39) hat unter die Lupe genommen, wie sich hierzulande die Beschäftigung von Schweizern und Ausländern zwischen 2010 und 2024 entwickelt hat. Das Ergebnis ist ziemlich eindeutig: Einerseits wächst der öffentliche Sektor deutlich stärker als der private. Und: Bei Beamtenjobs greifen in erster Linie Schweizer zu. «Vereinfacht gesagt gehen Arbeitskräfte aus dem Ausland vor allem in die Privatwirtschaft, während viele Schweizerinnen und Schweizer bevorzugt zum Staat oder zu staatsnahen Bereichen gehen», schreibt Chuard-Keller in seiner Analyse.

Ausländer dominieren in der Privatwirtschaft

So entfielen in der öffentlichen Verwaltung die rund 60'000 zusätzlichen Jobs fast ausschliesslich auf Schweizerinnen und Schweizer. Auch bei den staatsnahen Betrieben wie im Sozialwesen, Gesundheitssektor und in der Bildung liegt der Schweizer Anteil gemäss SAV bei neu geschaffenen Stellen immerhin bei fast 60 Prozent.

Ganz anders in der Privatwirtschaft: Dort wurden die rund 260'000 zusätzlich entstandenen Jobs zu 93 Prozent von Ausländern besetzt. Ohne sie hätte das Wachstum im Privatsektor also stagniert. Dabei generiert dieser Sektor die Wertschöpfung und das Steueraufkommen, mit denen die Jobs beim Staat finanziert werden. Zudem werde der Arbeitsmarkt durch die Zuwanderung verjüngt, so Chuard-Keller. In wertschöpfungsintensiven Branchen profitiere die Schweiz auch vom oft höheren Qualifikationsniveau der Zuwanderer. Dazu gehören die IT und andere Dienstleistungsbranchen.

Natürlich arbeiten auch mehrere Millionen Schweizer in der Privatwirtschaft. Bei der Analyse lag der Fokus auf dem Beschäftigungswachstum.

Führt Zuwanderung doch zu mehr Wohlstand?

In den letzten Jahren dominierten immer wieder Schlagzeilen, dass die Schweizer Wirtschaftsleistung pro Kopf kaum mehr wachse. Die hohe Zuwanderung bringe das Land ökonomisch also nicht wirklich vorwärts. Chuard-Keller hält nun dagegen: «Wenn Zuwanderer eher in marktorientierten und produktiven Branchen arbeiten, so ist das ein Indiz, dass Zuwanderung auch tatsächlich den Wohlstand der Schweiz erhöht – ohne nur in die Breite zu wachsen», schreibt der Chefökonom.

Die Privatwirtschaft steht in Konkurrenz mit der öffentlichen Verwaltung: Dort locken neben Jobsicherheit gute Löhne und die üppigen Lohnrunden, wie jüngst publizierte Zahlen zeigen. Argumente, die bei Schweizern offensichtlich ziehen. Werden neue Verwaltungsjobs geschaffen, sind zudem gute Kenntnisse der Landessprachen sowie des Schweizer Politsystems oft unabdingbar. Viele dieser Jobs sind deshalb für Ausländer ausser Reichweite.

Die SVP betont im Abstimmungskampf, dass auch bei einer Annahme der 10-Millionen-Initiative jährlich weiterhin rund 40'000 Personen in die Schweiz einwandern können. Aktuell sind es rund doppelt so viele.

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