Schüler-Kalender sind gespickt mit Werbung
Konzerne drängen ins Klassenzimmer

Dass Schulen für Firmen der ideale Ort sind, um sich an ihre Kunden der Zukunft heranzumachen, ist bekannt. Doch die Methoden werden immer dreister. Die Schulhauspforte ist zum Einfallstor für Werbeattacken geworden. Schon bei den Jüngsten.
Publiziert: 13.09.2013 um 08:09 Uhr
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Aktualisiert: 05.10.2018 um 20:45 Uhr
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Werbung im Klassenzimmer: Nirgends kommen Firmen näher an ihre Kunden heran.
Foto: Sabine Wunderlin/BLICK
Von Matthias Pfander

Zehntausende Kinder sind in den letzten Wochen mit einer neuen Schulagenda nach Hause gekommen. Viele mit einem Exemplar, das mit Werbung nur so gespickt ist. Wie der «Schulplaner 2013–2014». Auf der Frontseite räkeln sich H&M-Models. Die Migros ist mit einem Rabattgutschein für Kondome vertreten. Nivea wirbt für Salben und Deos.

Die Agenda werde in einer Auflage von 95 000 Exemplaren produziert und richte sich an Schüler ab 15 Jahren, teilt die Union der Schülerorganisationen (USO) mit, die den 160 Seiten dicken Schulplaner vertreibt. «Die USO traut den Schülerinnen und Schülern in diesem Alter zu, mit der Werbung im Schulplaner umgehen zu können», sagt Sprecherin Marina Knobel. Man wolle den Kalender gratis abgeben, deshalb müsse man ihn mit Werbung finanzieren.

An vorderster Front mit dabei beim grossen Werbefeldzug an den Schulen ist auch die Post, mit der «Schulagenda 2013/ 2014». Sie richtet sich laut Post-Sprecher Bernhard Bürki an Schüler der 2. bis 5. Primar­klassen. Die Auflage betrug dieses Jahr 90 000 Stück. Sie ist bereits vergriffen.

Die Post-Agenda lockt die Kinder mit Wettbewerben ins Internet und erlaubt es dem gelben Riesen, Daten über seine zukünftige Kundschaft zu sammeln. So harmlos das Heft auch daherkommt – es handelt sich um gezielte Werbung, die der künftigen Kundschaft das Verständnis für das Unternehmen Post schon im Kindesalter einpflanzt. «Die Agenda ist nützlich und beliebt. Niemand ist gezwungen, sie zu bestellen und benützen», entgegnet Bürki.

Die Lehrer sind gewarnt. «Wir wissen, dass die Schulen Ziel von Werbeaktionen sind und hier Vorsicht angebracht ist», sagt Bernard Gertsch vom Schweizer Schulleiterverband VSLCH.

Auch die Konsumentenschützer verfolgen die Entwicklung aufmerksam. «Kritische Kommentare von besorgten Eltern haben zugenommen», sagt Michel Rudin vom Konsumentenforum.

Niemand habe den Überblick darüber, wie die Schulen mit der Werbeflut umgingen, sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. Sie fordert deshalb eine Plattform, die werbefreies Unterrichtsmaterial garantiert. «Die EU hat das ohne grossen Aufwand geschafft. Das muss bei uns auch möglich sein», so Stalder.

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