Darum gehts
Compenswiss ist der Vermögensverwalter der Ausgleichsfonds AHV, IV und EO. Wie schlossen die Milliardenfonds 2025 ab? Dürfen sich die Versicherten freuen?
Manuel Leuthold: Das letzte Jahr war sehr turbulent, aber die Resultate der Fonds sind gut. Wir haben ungefähr mit einem Plus von etwas über 6 Prozent abgeschlossen. Die exakten Zahlen werden wir noch im Februar kommunizieren.
Zufrieden?
Es ist ein gutes Ergebnis in einem ereignisreichen Jahr. Es gab viele Unsicherheiten und viel Widersprüchliches.
Sie reden von der Zollpolitik von Donald Trump, die weltweit für Verwirrung sorgte?
Es ging viel weiter, die Geopolitik wurde komplex. Doch am Ende haben die Aktienmärkte ziemlich entspannt reagiert. Unser Resultat ist entsprechend erfreulich.
Dieser Artikel wurde erstmals im Angebot von handelszeitung.ch veröffentlicht. Weitere spannende Artikel findest du unter www.handelszeitung.ch.
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Die erste Jahreshälfte 2025 begann schlecht.
Am Anfang entwickelten sich die Märkte ansprechend, im April kam es zu einem Rückschlag, anschliessend beruhigten sie sich wieder und bis zum Jahresende verlief die Entwicklung positiv.
Treiber der Performance waren vorab die Techtitel in den USA und die Gold-Hausse?
Vor allem die Aktien von US-Techfirmen in unserem Portfolio entwickelten sich stark.
Die Mag 7 – Nvidia, Apple, Microsoft etc. – trugen besonders stark zur Performance unserer AHV bei?
Ja, ihre Resultate erzielten zum Teil zweistellige Werte. Das hat zum Gesamtertrag beigetragen. Ob wir uns in einer Bubble bewegen, ist schwer zu sagen.
Haben Sie in der geographischen Allokation den Anteil USA erhöht oder gesenkt?
Seit Jahren sind wir in den USA untergewichtet. Betrachtet man den MSCI World Index, macht die Gewichtung der USA einen Anteil von rund 70 Prozent aus. Unser Anteil liegt deutlich unter diesem Wert. Wir nehmen seit Jahren eine Anpassung bei der Verteilung vor, um uns breiter aufzustellen; dabei haben wir gleichzeitig unsere Präsenz in der Schweiz erhöht. Mit unserer Gewichtung sind wir entspannt, Diversifikation ist für uns sehr wichtig.
Das geht auf Kosten der Performance.
Mit der immensen Steigerung der Marktkapitalisierung von US-Unternehmen stieg der Wertanteil laufend an, auf über zwei Drittel der Gesamtkapitalisierung. Um ein weiteres Anwachsen mit der Wertzunahme zu begrenzen, haben wir bereits seit langer Zeit eine geografische Umverteilung vorgenommen.
Locken die USA nicht, um die Performance aufzubessern?
Aus opportunistischen Gründen müssten wir den Anteil in den USA erhöhen, aber wir halten diesen Anteil aus Risikobetrachtungen tiefer und lassen ihn aus Diversifikationsgründen nicht weiter ansteigen. Dass wir die USA untergewichten, ist nichts Neues. Wir haben dies bereits früher so gehandhabt. Unter dem Strich halten wir ungefähr drei Viertel in ausländischen Aktien, einen Grossteil davon in US-Firmen. Dabei wird die Hälfte des Vermögens von Compenswiss am Hauptsitz in Genf verwaltet, die andere Hälfte von externen Asset-Managern, die sich in der Schweiz und zum Teil auch im Ausland befinden.
Gold hat auch massiv zugelegt. Wie gross war der Beitrag zur AHV?
China und andere Staaten bauen ihre Goldreserven aus, was viel zum Preisanstieg beitrug. Zusätzlich wirkt sich die allgemeine Unsicherheit auf die Preisentwicklung aus. Wir haben davon etwas profitiert, weil der Anteil an Gold in unserem Portfolio bei rund 4 Prozent liegt.
Silber hat noch stärker haussiert, da sind Sie auch dabei?
Nein. Silber hat im Vergleich zu Gold eine etwas andere Funktion. Es wird sehr stark in der Industrie eingesetzt und folgt eigenen Gesetzen. Gold ist breiter abgestützt und gilt als glaubwürdige Reserve – zudem verstehen wir es besser.
Wie entwickelten sich andere Anlagen? Immobilien? Asien?
Immobilien wiesen eine eher schlechte Performance auf, insbesondere in Asien und in den USA, wo sie negativ ausfielen.
Die Pensionskasse der UBS verzinste 2025 die Altersguthaben mit 7,5 Prozent, nicht mit 6 Prozent wie Sie. Neidisch?
Die PK der UBS erzielte möglicherweise ein sehr gutes Resultat. Die Performance von Compenswiss kann jedoch nicht mit jener einer Pensionskasse verglichen werden. Für unser Portfolio bestehen bestimmte Einschränkungen bezüglich Anlagehorizont und Liquidität. Auch im Hinblick auf die Auszahlung der 13. AHV-Rente muss Compenswiss liquider investieren, was sich entsprechend auf die Performance auswirkt.
Haben Sie in jüngster Zeit an der Allokation geschraubt? Mehr Tech, weniger Europa und Schweiz?
Nein, wir hielten an unserer Allokation fest, weil wir überzeugt sind, dass sie vernünftig ist. Das heisst: Ein Aktienanteil von rund 30 Prozent, Obligationen liegen bei rund 50, Immobilien bei 15 und Gold bei 4 Prozent.
Die Ausgleichfonds hatten Ende 2024 total 46 Milliarden angehäuft, stieg das Vermögen per Ende 2025 auf 50 Milliarden?
Die exakten Zahlen mit dem Umlageergebnis haben wir im ersten Quartal, aber die 50 Milliarden Franken könnten wir erreichen.
Auf die AHV kommen riesige Belastungen zu: Dieses Jahr die erstmalige Auszahlung der 13. AHV – und dann droht noch die Abschaffung der Heiratsstrafe und die Beibehaltung der Ehepaar-Besteuerung, wie eine Mitte-Initiative verlangt.
Die 13. AHV-Rente bedeutet für die AHV Mehrausgaben von 4,5 bis 5 Milliarden Franken im Jahr, das macht eine Zusatzfinanzierung notwendig. Diese ist allerdings noch nicht gesichert.
Die Folgen?
Wird sie nicht gesichert, müssen wir das Geld aus dem AHV-Fonds nehmen. Das heisst: Wenn wir keine Lösung finden, wird der Fonds weiter belastet und wir müssen Wertpapiere verkaufen. Wenn erst 2028 eine Lösung steht, müssen wir für 2026 und 2027 insgesamt 9 Milliarden Franken aufwenden. Wird die Mitte-Initiative angenommen, sind es nochmals rund 4 Milliarden Franken pro Jahr.
Ist es nicht ein Politikversagen?
Ich bin nicht Politiker, aber ich plädiere als Präsident von Compenswiss für Konsistenz: Wenn wir die Ausgaben unserer Sozialversicherungen erhöhen, müssen die Einnahmen gesichert werden, sonst leeren sich die Fonds. Ich erinnere ans Gesetz: Es sieht vor, dass die Fondsreserven einer jährlichen Ausschüttung entsprechen müssen. Das wurde 1948 ins Gesetz geschrieben und hat Gültigkeit. Heute zahlen wir ungefähr 50 Milliarden Franken pro Jahr an die Versicherten aus und haben – auch dank der jährlichen Erträge aus dem Fonds – Reserven von ebenfalls rund 50 Milliarden. Davon sind jedoch 10 Milliarden Franken eine Schuld der IV gegenüber der AHV und stehen für die Rentenfinanzierung nicht zur Verfügung. Wenn die Ausgaben ohne gesicherte Finanzierung steigen, ist diese Balance nicht mehr gewährleistet.
2025 setzte es eine hitzige Diskussion über die Verwaltung der Fonds durch die US-Bank State Street Bank ab.
Hier sehe ich kein Risiko, zumal es bei einer Depotbank um eine rein administrative Arbeit, um Performance-Berechnungen und um ein einheitliches Berichtswesen geht. Es handelt sich keineswegs um die Verwaltung der Fonds. Die Vermögenswerte bleiben nach wie vor bei den Depotbanken in den entsprechenden Ländern und bleiben Eigentum des Kunden der Depotbank, also Compenswiss.
State Street ist seit 2024 die globale Depotbank der Ausgleichsfonds von AHV, IV und EO. Wann werden Sie den Auftrag wieder ausschreiben?
State Street hat nach einem sauberen Auswahlprozess im Sommer 2024 von der UBS übernommen. Die bisherige Zusammenarbeit mit State Street verläuft sehr gut. Eine Überprüfung des Mandats ist alle fünf Jahre vorgesehen. Angesichts des erheblichen Aufwands einer Neuausschreibung sowie der Komplexität eines Depotbankwechsels beträgt die effektive Mandatsdauer in der Regel jedoch mindestens zehn Jahre.
Sie sparen mit dem Wechsel von der UBS zu State Street ein paar Millionen an Administrativkosten.
Das ist so, aber das war nicht das wichtigste Kriterium. Wir suchten nach einer optimalen Lösung und nach dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis.
Trump will die private Altersvorsorge in den USA für Anlagen in Digitalwährungen öffnen. Eine gute Sache?
Dafür sind die USA zuständig.
Krypto – ein Fall für Sie?
Wir wollen nicht, dass wir Kryptos zum Zahlen oder zum Anlegen einsetzen, weil wir sie schlicht zu wenig verstehen. Die Kursausschläge nach oben oder unten sind oft nicht gut erklärbar.
Also Finger weg?
Kryptowährungen als Anlagen haben uns noch nicht überzeugt. Wir dürfen mit den Schweizer Vorsorgegeldern nicht spekulieren oder gar spielen.