Neue Details zum Schnüffel-Skandal bei der Credit Suisse
Top-Banker Khan warnte vor «Riesengeschichte»

Neue Details zum Schnüffel-Skandal bei der Credit Suisse. Der bespitzelte Iqbal Khan warnte vor den Folgen. Er wollte ein «Gentleman's Agreement». Es kam anders.
Publiziert: 17.12.2019 um 21:08 Uhr
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Aktualisiert: 06.02.2020 um 10:33 Uhr
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Neue Details im Beschattungsskandal zeigen: Iqbal Khan warnte vor einer «Riesengeschichte».
Marc Iseli

«Eine Riesengeschichte» werde es geben. «Die Höchsten in der Kantonspolizei» seien involviert. «Alles» werde rauskommen. Das Ganze «werde einschneidend für den Finanzplatz Schweiz sein».

Das sagt Iqbal Khan laut «Neuer Zürcher Zeitung» zur Credit Suisse, nachdem er seine Beschattung entdeckt hat. Die Zeitung stützt sich auf das Einvernahmeprotokoll der Kantonspolizei Zürich.

Adressat der Drohung: Remo Boccali. Er ist damals Sicherheitschef der Grossbank. Boccali und der operative Chef Pierre-Olivier Bouée mussten die Credit Suisse im Nachgang zur Beschattungs-Affäre verlassen.

«Gentleman's Agreement» gefordert

Khan macht die Aussagen am Morgen, nachdem die Aktion aufgeflogen ist. Es ist nicht das erste Telefonat mit Boccali. Khan hat den ehemaligen Sicherheitschef der Credit Suisse bereits am Tag davor gesprochen.

Nachdem Khan seinen Beschatter in der Zürcher Innenstadt entdeckt, ruft er nämlich umgehend Boccali an, schreibt die «NZZ».

Laut Einvernahmeprotokoll sagt Khan dann zu Boccali, er habe sich bedroht gefühlt. Und weiter: Die Bank habe bis am Nachmittag Zeit, ein «Gentlemen's Agreement» zu treffen. Sonst werde er zur Polizei gehen.

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Nach dem Essen zur Polizei

Boccalis Reaktion: «Ich ging nicht darauf ein.» Der damalige Sicherheitschef nennt die Hintergründe und den Auftraggeber nicht. Er vermittelt Khan den Eindruck, dass die Bank nichts damit zu tun habe. Boccali richtet Khan sogar aus, dass die CS-Führung ihre Hilfe anbiete.

Khan begibt sich am Nachmittag tatsächlich zum Rathausposten der Zürcher Kantonspolizei. Das Auffliegen der Aktion ist zum damaligen Zeitpunkt schon einige Stunden her. Bevor Khan zur Polizei ging, dinierte er mit seiner Frau noch im Restaurant.

Ab 14.30 Uhr werden die beiden dann gemeinsam einvernommen. Khan gibt zu Protokoll, dass er Todesängste ausgestanden habe, sobald er bemerkt habe, dass er beschattet werde. Er fürchtete nicht nur um sich selbst, sondern auch um seine Ehefrau und seine Kinder. Später am Abend schickt er dann noch ein SMS an Boccali. Der Text: «Ich habe Angst.»

Zwei Rücktritte im Nachgang

Der Rest ist Geschichte. Wenige Tage später sickern erste Details der Bespitzelungs-Affäre an die Öffentlichkeit. Die Credit Suisse beauftragt die Kanzlei Homburger, den Skandal zu durchleuchten. Die Untersuchung erbringt keine Hinweise darauf, dass der Verwaltungsrat und die übrigen Mitglieder der Geschäftsleitung Kenntnis von der Überwachung hatten.

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Neue Erkenntnisse lassen aber Zweifel an diesem Narrativ aufkommen. Khan war nicht der erste Top-Manager, der beschattet wurde. Sieben Monate früher liess die CS offenbar auch schon den damaligen Personalchef über drei Tage lang bespitzeln. Für 4000 Franken pro Tag.

Khan wurde zwischen dem 4. September und dem Mittag des 17. September 2019 während sieben Wochentagen mehrheitlich tagsüber überwacht. Bis er ein Mitglied des Überwachungsteams an der Ecke Fraumünster- und Börsenstrasse in Zürich entdeckte und stellte.

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