Nach Vorwürfen zur Produktion
Switcher-Chef Marc Joss legt Rechnung für T-Shirt-Preise offen

Der Vorwurf: Schweizer Hersteller würden ihre Waren billig in Asien produzieren und daran ordentlich verdienen. Das Problem: Oft verwechseln Konsumenten Marge mit Gewinn. Switcher-Chef Marc Joss klärt auf – und verrät, was er an einem T-Shirt verdient.
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«Am Ende bleibt pro T-Shirt ein Nettogewinn zwischen 1.50 und 3.00 Franken», sagt Switcher-Chef Marc Joss zu Blick.
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

  • Switcher kämpft gegen asiatische Billigshops, fordert faire Regeln für Schweiz
  • T-Shirt-Produktion kostet 4.50–5.50 CHF, Gewinn 1.50–3.00 CHF
  • 2024 machte asiatische Shops fast 1 Milliarde CHF Umsatz in Schweiz
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Milena KälinRedaktorin Wirtschaft

Schuhe für 12 Franken oder ein T-Shirt für 3 Franken: Viele Schweizerinnen und Schweizer bestellen regelmässig bei asiatischen Onlineshops wie Temu und Shein mit ihren ultrabilligen Preisen. Bereits 2024 machten die Shops zusammen fast eine Milliarde Umsatz in der Schweiz – 2025 dürften die Verkäufe weiter gestiegen sein. 

Viele Konsumenten sind sich einig: Ein Kauf bei Temu lohnt sich. Schliesslich würden auch Schweizer Hersteller ihre Waren in Asien billig produzieren lassen und sich eine goldige Nase daran verdienen. Dieses «Missverständnis» will Switcher-Chef Marc Joss (49) nun endgültig aus dem Weg schaffen. 

«Viele Menschen verwechseln Marge mit Gewinn», so Joss im Gespräch mit Blick. T-Shirt Bob mit einem Verkaufspreis von 21 Franken lässt Switcher je nach Farbe für 4.50 bis 5.50 Franken nachhaltig in Indien produzieren. Doch mit dem verbleibenden Geld muss noch ein Haufen weiterer Kosten gedeckt werden. «Ein Grossteil des Verkaufspreises fliesst nicht in den Gewinn, sondern in Logistik, Miete, Personal, Marketing, Retouren und Steuern», rechnet Joss vor. «Am Ende bleibt pro T-Shirt ein Nettogewinn zwischen 1.50 und 3.00 Franken.» Dieses Geld fliesst dann in die Entwicklung neuer Kollektionen und dient als finanzielle Reserve.

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Rund 40 Prozent des Umsatzes macht Switcher mit Geschäftskunden: Da diese Arbeits- und Vereinskleidung in grösseren Mengen bestellen, ist der Verkaufspreis mit etwa 8 Franken deutlich tiefer. Trotz tieferer Marketingkosten erzielt Switcher mit Geschäftskunden nur minimale Margen. Erst dank des Online- und Ladengeschäfts mit Kunden geht die Rechnung auf. 

Kleine Mengen für die kleine Schweiz

Schweizer Händler wie Switcher sind dabei gegenüber Grossproduzenten aus Asien oder Nordamerika im Nachteil. Sie produzieren viel kleinere Mengen: Materialpreise, Produktionskosten und Logistik sind für Schweizer Hersteller also pro Stück höher. «Für Marken wie Switcher bedeutet das weniger Spielraum bei den Einkaufspreisen, dafür aber mehr Flexibilität, bessere Kontrolle und weniger Überproduktion», erklärt Joss weiter. 

Dabei hat der Geschäftsführer durchaus Verständnis dafür, dass gerade Personen und Familien mit kleinerem Budget auf solche Plattformen ausweichen. Er sieht aber genau da auch die Gefahr: «Wenn immer mehr direkt bei ausländischen Plattformen eingekauft wird, fliessen Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen ins Ausland. Das schwächt den Standort Schweiz.» Die langfristigen Auswirkungen dieses Konsumverhaltens dürften deshalb nicht vergessen gehen. 

In Zukunft will Switcher deshalb neben dem Onlinehandel auch wieder mehr stationäre Verkaufsfläche bieten: Im Dezember eröffnete Joss einen ersten Laden in Winterthur ZH, neun weitere sollen folgen

Zur Eindämmung der Päckliflut fordert Joss keine Abschottung, sondern einen Wettbewerb auf Augenhöhe: «Wer in der Schweiz oder in Europa verkaufen will, soll sich an dieselben Regeln halten – bei Mehrwertsteuer, Zoll, Produktsicherheit und Umweltstandards.» Er sieht deshalb die Politik in der Pflicht.

24 Vorstösse hängig

Gemäss der Swiss Retail Federation sind zurzeit 24 politische Vorstösse hängig, die von Themen wie Produktsicherheit der ausländischen Plattformen handeln. Direktorin Dagmar Jenni (57) setzt nun alles daran, dass diese in der Frühjahrssession «endlich» behandelt werden: «Der Kampf für gleich lange Spiesse für alle Marktteilnehmer, namentlich gegenüber ausländischen Online-Marktplätzen, ist unverändert von sehr hoher Priorität für den Schweizer Detailhandel.»

Auch Bernhard Egger (57), Geschäftsführer vom Handelsverband Swiss, kämpft weiterhin für gleichlange Spiesse. Er fragt sich, warum ausländische Plattformen Waren mit Giftstoffen ohne Konsequenzen in die Schweiz einführen können. Oder warum diese Plattformen für elektronische Geräte keine Recyclinggebühr bezahlen müssen wie die Schweizer Händler. Der Bundesrat habe das Problem zwar erkannt, verweist jedoch an die Eigenverantwortung der Konsumenten. «Für uns ist das keine Option», so Egger. Nun wird sich zeigen, ob die Politik im Frühling etwas unternehmen wird. 


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